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"Global-Peace-Index"-Studie Corona-Krise könnte Konflikte anheizen

Stand: 10.06.2020 08:49 Uhr

Terrorismus, Polizeigewalt, Waffenhandel - laut dem "Global Peace Index" könnte die Corona-Pandemie die Situation verschärfen. Einzig positiver Effekt: Stellvertreter-Kriege könnten schwerer finanzierbar werden.

Die ökonomischen Auswirkungen der Coronvirus-Pandemie könnten negative Folgen für den Frieden in vielen Ländern haben. Das geht aus dem "Global Peace Index" hervor, einer Studie der Denkfabrik "Institute for Economics and Peace" (IEP).

In dieser Studie wird jedes Jahr die Lage in mehr als 160 Ländern der Welt bewertet. Kriterien sind unter anderem Krieg, Terrorismus, Polizeigewalt und Waffenexporte. In diesem Jahr ergänzten die Experten den Bericht zudem um eine Analyse der möglichen Folgen der Coronavirus-Pandemie auf den Frieden in der Welt.

Klare Unterschiede in den 160 Ländern

Insgesamt verzeichnete das IEP weltweit einen Rückgang friedlicher Verhältnisse in neun von zwölf der vergangenen Jahren. Das gilt auch für 2019. "Die Welt ist erheblich weniger friedlich, als sie 2008 war", heißt es in dem Bericht. Während die Todesfälle durch Terrorismus und die Intensität von Konflikten abnähmen, gebe es immer mehr gewaltsame Ausschreitungen.

Bei dieser Bewertung sei jedoch eine Zweiteilung zu beobachten in Gruppen von je 80 Ländern. Bei der einen Gruppe verbesserte sich die Situation, bei der anderen wurde sie schlechter.

Deutschland stieg auf dem Ranking der friedlichsten Länder um sechs Plätze nach oben seit dem vergangenen Jahr und steht nun an 16. Stelle. Die Schweiz ist unverändert auf dem zehnten Platz und Österreich wie im vergangenen Jahr auf Platz vier. Das dem Index zufolge friedlichste Land der Welt ist Island. An letzter Stelle steht Afghanistan.

Destabilisierung durch weniger Entwicklungshilfe

Die Coronavirus-Pandemie dürfte die Situation weiter verschlimmern, schätzen die Experten. "Das IEP identifiziert die wirtschaftlichen Auswirkungen von Lockdowns als erhebliche Bedrohung für den Frieden", heißt es in dem Bericht.

Es müsse mit Kürzungen bei Entwicklungshilfe und bei der Finanzierung von UN-Friedensmissionen gerechnet werden. Das könne anfällige und von Konflikten betroffene Länder wie Liberia, Afghanistan und Südsudan weiter destabilisieren. Zudem seien Staaten wie Brasilien, Pakistan und Argentinien durch wirtschaftliche Turbulenzen einem erhöhten Risiko durch politische Instabilität, Unruhen und Gewalt ausgesetzt.

Positiver Effekt auf Stellvertreter-Kriege?

Der einzig positive Effekt der Coronavirus-Pandemie sei möglicherweise, dass Stellvertreter-Kriege schwieriger zu finanzieren sein könnten, so die Experten. Es bleibe aber abzuwarten, ob sich das Engagement Saudi-Arabiens im Jemen oder Russlands in Syrien verringere.

Die Verbesserung in Deutschland gehe auf eine ganze Reihe von Indikatoren zurück, sagte IEP-Gründer Steve Killelea im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dazu gehörten eine Abnahme von Waffenexporten, eine geringere Zahl an Tötungsdelikten sowie ein Rückgang terroristischer Vorfälle.

Weniger Tote durch Terroristen

Auch weltweit ist die Zahl der Toten durch terroristische Angriffe rückläufig. Waren es 2015 noch etwa 33.500, starben im vergangenen Jahr noch 8000 Menschen durch Terrorismus.

In 100 Ländern gingen zudem die Militärausgaben im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt zurück, in 133 Staaten sank der Anteil der Militärangehörigen gemessen an der Gesamtbevölkerung.

Unruhen und Ausschreitungen verdreifacht

Eine Zunahme war bei Unruhen zu beobachten. Im Jahr 2019 waren fast 60 Prozent aller Länder von gewaltsamen Protesten betroffen. Die IEP-Experten beobachten hier einen Langzeit-Trend: Die Zahl der Ausschreitungen weltweit hat sich demnach in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdreifacht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Juni 2020.

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