Verseuchtes Dorf in Ungarn evakuiert Kein Ende der roten Gefahr

Stand: 09.10.2010 11:35 Uhr

Luftaufnahme des beschädigten Rückhaltebeckens mit Rotschlamm
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Der gesamte Begrenzungsdamm des beschädigten Rückhaltebeckens droht zu brechen.

Wegen der Gefahr einer erneuten Überschwemmung mit Giftschlamm haben die ungarischen Behörden das Dorf Kolontar evakuiert. In der Einfassung des Rückhaltebeckens seien neue Risse aufgetaucht, teilte der ungarische Regierungschef Viktor Orban mit. Seinen Angaben zufolge ist zu befürchten, dass die gesamte Mauer bricht. Dann könnten laut Orban bis zu 500.000 Kubikmeter Giftschlamm auslaufen.

Weiteres Dorf vor möglicher Evakuierung

Auch ein Sprecher des Zivilschutzes erklärte, dass der Damm des beschädigten Rückhaltebeckens noch instabiler geworden sei. Daher hätten sich die Einsatzkräfte dafür entschieden, die 800 Einwohner Kolontars vorsichtshalber in Sicherheit zu bringen. Sie wurden mit Bussen in die nahegelegene Stadt Ajka gebracht Zudem wurden die Einwohner des Nachbarorts Devecser aufgefordert, sich ebenfalls auf eine mögliche Räumung des Ortes vorzubereiten.

Um Kolontar vor weiterer Zerstörung zu schützen, begannen gestern die Arbeiten für den Bau eines 400 Meter langen und fünf Meter hohen Deichs aus Steinen und Erde. Der Damm, der das Dorf in zwei Abschnitte teilt, soll innerhalb von 48 Stunden fertig sein.

Bisher sieben Todesopfer

Mit Schlammresten bedeckte Häuser in Kolontar
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Nach der ersten Überschwemmung mit Rotschlamm ist Kolontar verseucht.

Am Montag waren Kolontar und weitere Orte von rotem Bauxitschlamm überschwemmt worden, als eine Ecke der Begrenzungsmauer des Rückhaltebeckens brach. Sieben Menschen kamen ums Leben. Der ausgelaufene Giftschlamm verseuchte Bäche und Flüsse und erreichte am Donnerstagmorgen auch die Donau. Die Konzentration giftiger Schwermetalle in der Donau sank nach Behördenangaben aber mittlerweile wieder auf den für Trinkwasser erlaubten Wert.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnte jedoch, das Unglück könne lang anhaltende Folgen für die Umwelt und die Nahrungskette zur Folge haben.  Tausende Hektar Land seien für Jahre nicht mehr nutzbar. Insbesondere Quecksilber könne in die Nahrungskette gelangen und etwa den Verzehr von Fischen aus der Region für Jahre unmöglich machen.

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