Der britische Zerstörer "HMS Duncan" durchquert den Bosporus. | Bildquelle: REUTERS

Spannungen mit dem Iran Briten verstärken Präsenz in Golfregion

Stand: 12.07.2019 20:56 Uhr

Nach dem Vorfall mit drei iranischen Schiffen in der Straße von Hormus will Großbritannien seine Handelsflotte besser schützen. Die Marine bekommt Verstärkung. Der Iran warnte vor einer weiteren Eskalation.

Angesichts der Spannungen mit dem Iran entsendet Großbritannien einen Zerstörer an den Persischen Golf. Das britische Verteidigungsministerium erklärte, die dort eingesetzte Fregatte "HMS Montrose" werde früher als geplant durch den größeren Zerstörer "HMS Duncan" abgelöst.

Die beiden Schiffe sollen zeitweilig zusammen vor iranischen Hoheitsgewässern fahren, um gemeinsam mit internationalen Partnern die freie Fahrt von Schiffen in der Straße von Hormus zu unterstützen.

Für britische Handelsschiffe in der Region gab die britische Regierung die höchste Warnstufe aus. Das bedeutet, dass die Sicherheit als "kritisch" eingestuft werde, hieß es aus Sicherheitskreisen. Schiffsbetreiber hätten entsprechende Sicherheitshinweise erhalten. Der Nachrichtenagentur PA zufolge sind ständig zwischen 15 und 30 Handelsschiffe unter britischer Flagge dort unterwegs.

Der britische Zerstörer "HMS Duncan" | Bildquelle: dpa
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Die "HMS Duncan" wird die "HMS Montrose" früher als geplant im Persischen Golf ablösen.

Iran soll britischen Tanker bedrängt haben

Trotz der Entsendung des Zerstörers an den Persischen Golf mahnte Großbritanniens Außenminister Jeremy Hunt zur Zurückhaltung. "Das ist die Zeit für kühle Köpfe", um sicher zu stellen, dass es keine "unbeabsichtigte Eskalation" gebe, sagte er. Die britische Antwort auf die Spannungen sei "maßvoll und vorsichtig". Dem Iran sei klar gemacht worden, dass Großbritannien keine Eskalation suche.

Gleichzeitig kündigte Hunt, der sich für die Nachfolge von Premierministerin Theresa May bewirbt, eine Erhöhung des Verteidigungsbudgets an, sollte er Ende des Monats zum neuen Regierungschef gewählt werden. Dabei solle auch die Royal Navy mit mehr Mitteln bedacht werden.

Die britische Marine hatte am Donnerstag eigenen Angaben zufolge interveniert, als drei iranische Schiffe versucht haben sollen, einen britischen Tanker an der Durchfahrt in der Straße von Hormus zu hindern. Die iranische Revolutionsgarde bestritt, dass es überhaupt zu dem Zwischenfall gekommen sei.

Die britische Polizei patrouilliert vor Gibraltar neben dem iranischen Tanker "Grace 1". | Bildquelle: AFP
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Der iranische Tanker "Grace 1" war am 4. Juli vor Gibraltar festgesetzt worden.

Streit um Öltanker

Der Vorfall folgte offenbar auf die britische Beschlagnahme eines iranischen Öltankers. Die Behörden in Gibraltar und die britische Royal Navy hatten den Supertanker "Grace 1" am 4. Juli vor Gibraltar festgesetzt. Der Kapitän und der Erste Offizier stehen unter Verdacht, entgegen eines geltenden EU-Embargos iranisches Öl nach Syrien bringen zu wollen. Sie wurden festgenommen von der Polizei im britischen Überseegebiet befragt. Inzwischen sind sie gegen Kaution wieder auf freiem Fuß.

Der Oberste Gerichtshof in Gibraltar ordnete an, dass das Schiff mindestens bis zum 21. Juli nicht wieder auslaufen darf. Inzwischen wurden noch zwei weitere Offiziere des Supertankers festgenommen. Der Iran bezeichnete das Vorgehen der britischen Behörden als Akt der "Piraterie" und warnte, dies werde "nicht ohne Folgen" bleiben.

Drohungen aus Teheran

Außenamtssprecher Abbas Mussawi forderte Großbritannien auf, den Tanker umgehend wieder auslaufen lassen. "Das wäre für beide Seiten auch am besten." Falls die Briten "sich von den USA beeinflussen und auf gefährliche Spielchen einlassen wollen, raten wir ihnen, dies lieber nicht zu tun."

Nach der Festnahme des Kapitäns und Ersten Offiziers habe das iranische Außenministeriums zum vierten Mal binnen einer Woche den britischen Botschafter in Teheran einbestellt, sagte Mussawi. Er bestritt, dass Syrien das Ziel des Tankers gewesen sei. "Grace 1" sei zu groß, um in syrische Häfen einzulaufen. Wohin der Tanker stattdessen fahren sollte, sagte Mussawi nicht.

Keine EU-Mission zum Schutz von Handelsschiffen

An Bord des beschlagnahmten Tankers in Gibraltar waren 2,1 Millionen Barrel leichtes Rohöl, wie der Regierungschef des britischen Überseegebiets, Fabian Picardo, dem dortigen Parlament mitteilte. Wer den Supertanker und dessen Fracht für sich beanspruche, könne das vor Gericht tun.

Ein hochrangiger Mitarbeiter der spanischen Regierung sagte, die Beschlagnahme sei auf Bitten der USA erfolgt. Picardo widersprach dem. Keine andere Regierung habe Gibraltar darum gebeten, in der Sache einzuschreiten.

Wegen der Spannungen mit dem Iran kündigte das US-Verteidigungsministerium an, Pläne für eine internationale Koalition zum Schutz von Handelsschiffen vorantreiben zu wollen. Sie sehen vor, Militäreskorten für zivile Schiffe im Persischen Golf zu organisieren. Die Europäische Union wird sich an der Mission allerdings vorerst nicht beteiligen.

Die USA seien nicht an die EU herangetreten, sagte eine ranghohe EU-Beamtin. Mitgliedstaaten müssten einzeln über eine mögliche Teilnahme entscheiden.

Die Straße von Hormus verbindet die ölreiche Golfregion mit dem Golf von Oman und dem Indischen Ozean. Sie ist eine der wichtigsten Seestraßen. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juli 2019 um 21:00 Uhr.

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