Ex-Renault-Konzernchef Carlos Ghosn, Archivbild | Bildquelle: JEREMY LEMPIN/EPA-EFE/REX

Trotz Hausarrest in Japan Ex-Renault-Chef Ghosn taucht im Libanon auf

Stand: 31.12.2019 11:50 Uhr

Der auf Kaution freigelassene ehemalige Renault-Chef Ghosn wartete zuletzt in Japan auf seinen Prozess. Nun ist er überraschend im Libanon aufgetaucht. Er habe Japan wegen der "Ungerechtigkeit und politischen Verfolgung" verlassen.

Der in Japan auf Kaution freigelassene frühere Auto-Topmanager Carlos Ghosn ist überraschend in den Libanon gereist. Er habe Japan wegen der "Ungerechtigkeit und politischen Verfolgung" verlassen, die ihm dort widerfahren sei, teilte Ghosn über Sprecher mit. Zugleich betonte er, dass er nicht vor der Justiz fliehe. Laut seinem Freund Ricardo Karam, einem libanesischen TV-Moderator, traf der Automanager am Montagmorgen in der Hauptstadt Beirut ein. "Er ist zu Hause. Es ist ein großes Abenteuer", sagte Karam.

Ghosn, der neben der französischen und brasilianischen auch die libanesische Staatsangehörigkeit hat und ein Luxusanwesen in Beirut besitzt, war im April auf Kaution aus der Untersuchungshaft in Japan entlassen worden - unter strengen Auflagen, um zu verhindern, dass er flieht oder Beweismaterial vertuscht. Unter anderem wurde ihm verboten, das Land zu verlassen. Diese Auflagen wurden nie aufgehoben, stellte das zuständige Bezirksgericht in Tokio klar, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete.

Mit Privatjet in den Libanon geflüchtet

Japans Regierung sei nun auf Hilfe der libanesischen Behörden angewiesen, da kein Auslieferungsabkommen mit dem Mittelmeerstaat bestehe, hieß es aus dem Außenministerium in Tokio, wie der Sender NHK berichtete. Nach einem Bericht der libanesischen Zeitung "Al-Dschumhurija", reiste Ghosn an Bord eines Privatjets über die Türkei in den Libanon.

In Frankreich zeigte man sich überrascht: Die Staatssekretärin im Wirtschafts- und Finanzministerium, Agnès Pannier-Runacher, erfuhr von Ghosns Reise in den Libanon aus den Meiden. Ihm werde "die konsularische Unterstützung wie allen französischen Bürgern gewährt", sagte sie. Wenn ein ausländischer Staatsbürger vor der französischen Justiz fliehen würde, wäre man allerdings sehr wütend. Pannier-Runacher erklärte, nun müsse aber erst einmal verstanden werden, was passiert sei.

Ghosns Ehefrau Carole hatte in der Vergangenheit US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron um Hilfe gebeten. Macron erklärte damals, dass er sich als Präsident nicht öffentlich in einen Rechtsfall einmischen könne. Ghosns Frau kritisierte immer wieder die Haftbedingungen ihres Mannes und zweifelte an, dass er einen fairen Prozess bekomme.

Mehrere Anklagepunkte gegen Ghosn

Ghosn gilt als Architekt des internationalen Autobündnisses zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi. Am 19. November 2018 war er in Tokio wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben.

Nur wenige Tage nach seiner Festnahme wurde er von Nissan und kurz darauf auch Mitsubishi Motors als Verwaltungsratschef gefeuert. Im Januar trat er schließlich auch von seinem Posten als Renault-Konzernchef zurück. Ghosn hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Angeklagter Carlos Ghosn flieht aus Japan
Martin Fritz, ARD Tokio
31.12.2019 06:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Dezember 2019 um 06:00 Uhr.

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