Ex-Renault-Chef Carlos Ghosn (Archivbild). | Bildquelle: AFP

Nach Flucht aus Japan Ghosn sieht sich als Verschwörungsopfer

Stand: 09.01.2020 01:23 Uhr

Vor zehn Tagen setzte sich der ehemalige Nissan-Chef Ghosn auf spektakuläre Art und Weise von Japan in den Libanon ab - nun äußerte sich der Ex-Manager: Er habe flüchten müssen, weil das Verfahren gegen ihn politisch gesteuert sei.

Der ehemalige Chef des Nissan-Konzerns, Carlos Ghosn, hat sich zehn Tage nach seiner spektakulären Flucht aus Japan, erstmals in seinem libanesischen Exil geäußert. In Beirut erklärte der ehemalige Manager vor Journalisten, er habe aus Japan flüchten müssen, weil das dortige Verfahren gegen ihn politisch gesteuert sei. Man habe verhindern wollen, dass er den Autokonzern Nissan stärker mit Renault verzahne, so Ghosns Version der Geschichte. Es handele sich um ein "abgekartetes Spiel" zwischen Nissan und der Staatsanwaltschaft - er sei Opfer eine Verschwörung.

Schwere Vorwürfe gegen Japans Justiz

"Ich bin hier, um meinen Namen reinzuwaschen", erklärte Ghosn auf der Pressekonferenz und erhob zugleich schwere Vorwürfe gegen die japanischen Behörden: Er sei als "Geisel" genommen worden, und "aus der Familie" gerissen. In keinem anderen demokratischen Land der Welt komme man wegen der Vorwürfe, die ihm gemacht werden, ins Gefängnis, so Ghosn.

Carlos Ghosn | Bildquelle: AFP
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Sieht sich als Opfer einer Verschwörung: Ex-Nissan-Chef Carlos Ghosn

Der 65-Jährige war nahezu zeitgleich mit seinem Sturz als Chef der Autobauer-Allianz Nissan/Renault im Herbst 2018 von japanischen Behörden festgesetzt und angeklagt worden. Die Staatsanwaltschaft in Tokio beschuldigt ihn, Gelder in zweistelliger Millionen-Dollar-Höhe schwarz kassiert, veruntreut und unterschlagen zu haben. Ghosn bestreitet jegliche Verfehlungen. Der Ex-Manager hatte zunächst vier Monate in Haft gesessen, danach war er auf Kaution und unter harten Auflagen frei gelassen worden. So war es Ghosn im November erstmals seit acht Monaten erlaubt worden, mit seiner Frau Carole zu sprechen - allerdings nur für eine Stunde und per Videokonferenz.

Japan verurteilt Ghosns Wutrede

Japan hat die scharfen Vorwürfe Ghosns gegen das Justizsystem des Landes zurückgewiesen. Seine "einseitigen" Darstellungen hätten sein Verhalten nicht rechtfertigen können, sagte Japans Justizministerin Masako Mori. Bei seinem ersten Auftritt seit der Flucht in den Libanon Ende Dezember hatte Ghosn in Beirut alle Beschuldigungen zurückgewiesen. Seine illegale Ausreise könne "niemals vergeben werden", ganz gleich unter welchem Justizsystem, sagte Mori. Ghosn habe falsche Behauptungen über das Rechtssystem ihres Landes verbreitet, um sein eigenes Verhalten zu rechtfertigen.

Keine Auslieferung zu befürchten

Ghosn hatte sich Ende Dezember in den Libanon abgesetzt - obwohl in Japan eine Ausreisesperre gegen ihn in Kraft war. Ghosn besitzt neben der französischen auch die libanesische und brasilianische Staatsbürgerschaft. Japan beantragte zwar einen internationalen Haftbefehl gegen den Ex-Manager. Doch die libanesische Regierung betont, Ghosn sei legal eingereist. Ein Auslieferungsabkommen mit Japan gibt es auch nicht. Auch Frankreich, wo Ghosn lange Chef des Autobauers Renault war, versicherte bereits, es werde ihn nicht ausliefern, sollte er dort einreisen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Januar 2020 um 17:10 Uhr.

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