Eine Rakete schlägt in Rafah im südlichen Gazastreifen ein. | AFP

Konflikt in Nahost Die schwerste Eskalation seit Jahren

Stand: 11.05.2021 09:14 Uhr

Nach den Raketenangriffen militanter Palästinenser auf Israel hat die israelische Luftwaffe die ganze Nacht über Ziele im Gazastreifen bombardiert. Dabei sollen mindestens 20 Menschen getötet worden sein.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Ohrenbetäubendes Zischen und Dröhnen - so klingt es, wenn das israelische Abwehrsystem "Iron Dome" Raketen aus dem Gazastreifen abfängt. Mehrere Hundert Raketen feuerten militante Palästinenser vom Gazastreifan aus ab. Am Morgen wurde ein Haus in der Stadt Aschkelon getroffen. Mehrere Menschen wurden verletzt. Ausgelöst wurde die jüngste Eskalation durch Raketen, die in Richtung Jerusalem abgefeuert wurden, was sehr ungewöhnlich ist.

Ein palästinensischer Junge sitzt in einem Krankenhaus im Gazastreifen. So zeigen es Aufnahmen einer Nachrichtenagentur. Er hat Schmerzen, Blut auf dem Körper. Andere haben nicht überlebt. Nach Angaben der Hamas, die den Gazastreifen kontrolliert, starben mindestens 20 Menschen bei israelischen Luftangriffen, darunter neun Kinder. Diese Angaben lassen sich jedoch nicht überprüfen. Es gibt Gerüchte, dass die Kinder durch eine fehlgeleitete palästinensische Rakete starben. Auch das lässt sich nicht verifizieren.

Israels Armee bestätigt Angriffe auf Gaza

Hedi Silbermann, Sprecher der israelischen Armee, wollte weder bestätigen noch dementieren, ob durch israelische Angriffe Kinder ums Leben kamen. "Natürlich greifen wir militärische Ziele der Terroristen an, die im Begriff sind, feindliche Terroraktionen auszuüben und natürlich greifen wir keine Kinder an. Mehr kann ich dazu nicht sagen."

Was der Armeesprecher bestätigte, waren intensive Angriffe der israelischen Luftwaffe auf Gaza. Als Reaktion auf Raketen, die militante Palästinenser zuvor in Richtung Jerusalem abgefeuert hatten. "Der Beschuss auf Jerusalem war geplant, organisiert und abgestimmt", so der Armeesprecher. Deshalb habe der Generalstabschef nur wenige Minuten nach dem Beschuss dem Südkommando und der Luftwaffe die Genehmigung erteilt, "jeden Hamas-Funktionär, der gesichtet wird", anzugreifen. In den letzten Stunden seien "bereits ein paar Aktivisten ausgeschaltet" worden. "Wir werden damit weitermachen, bis wir die Stabilität wieder zurückbringen."

"Wir kämpfen an mehreren Fronten"

Es ist bereits jetzt die schwerste Eskalation zwischen Israel und der islamistischen Hamas seit Jahren. Die Hamas verlangt von Israel, dass die Sicherheitskräfte den Tempelberg in Jerusalem verlassen. Auch am Abend gab es in Jerusalem und weiteren Städten der Region Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften.

Nach Einschätzung eines weiteren Sprechers der israelischen Armee wird die Auseinandersetzung mit der Hamas im Gazastreifen mindestens ein paar Tage dauern. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu gibt sich entschlossen. "Wir kämpfen an mehreren Fronten. Jerusalem, Gaza, weitere Orte. An diesem Abend, am Jerusalem-Tag, haben die Terrororganisationen in Gaza eine rote Linie überschritten. Sie haben uns am Rande von Jerusalem mit Raketen angegriffen."

Netanyahu warnt vor langem Konflikt

Netanyahu gilt nicht als Kriegstreiber, schreckte mehrfach in seiner Amtszeit vor flächendeckenden Angriffen auf den Gazastreifen zurück. Diesmal sagt er: "Israel wird mit großer Kraft reagieren. Wir werden Angriffe auf unser Territorium nicht tolerieren. Auf unsere Hauptstadt, unsere Bürger und Soldaten. Wer immer uns angreift, wird einen hohen Preis zahlen. Und Euch, Bürger Israels sage ich, der aktuelle Konflikt könnte einige Zeit anhalten."

Angesichts der weiteren Eskalation in Nahost hat Israels Außenminister Gabi Aschkenasi einen Besuch in Südkorea vorzeitig abgebrochen und sich auf den Weg zurück nach Israel gemacht. Im Hintergrund versuchen nun Vertreter der Vereinten Nationen und Ägyptens zu vermitteln. Das Ziel ist eine Waffenruhe. In der Vergangenheit hatten diese Vermittlungsversuche häufig Erfolg. Diesmal aber könnten die militärischen Auseinandersetzungen länger andauern.

Über dieses Thema berichtete das ARD Morgenmagazin am 11. Mai 2021 um 07:38 Uhr.

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