Proteste in Georgia | Bildquelle: AP

Nach Schüssen auf Schwarzen US-Justizministerium soll Fall prüfen

Stand: 11.05.2020 11:20 Uhr

Wegen der schleppenden Ermittlungen nach den tödlichen Schüssen auf einen Schwarzen in den USA fordert der Generalstaatsanwalt von Georgia nun eine unabhängige Untersuchung. Der 25-Jährige war im Februar beim Joggen erschossen worden.

Mehr als zwei Monate nach den Schüssen auf einen unbewaffneten Afroamerikaner hat die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Georgia bei der US-Regierung eine Untersuchung zu möglichen Verfehlungen beantragt. Der Generalstaatsanwalt von Georgia, Chris Carr, erklärte, seine Behörde wolle eine "vollständige und transparente Prüfung", wie die zuständigen örtlichen Ermittlungsbehörden von Anfang an in dem Fall vorgegangen seien.

Weiße sollen Afroamerikaner erschossen haben

Der 25-jährige Afroamerikaner Ahmaud Arbery war am 23. Februar nahe der Stadt Brunswick erschossen worden. Erst nachdem ein Webvideo des Verbrechens aufgetaucht war und für weitverbreitete Empörung in der Öffentlichkeit gesorgt hatte, wurden dann zwei Weiße als Tatverdächtige festgenommen. Dem 64-jährigen Gregory McMichael und seinem 34-jährigen Sohn Travis werden Mord und schwere Körperverletzung vorgeworfen.

Carr richtete seinen Antrag zur Untersuchung des Falls an Justizminister Bill Barr. Laut Carr sollen in der Untersuchung unter anderem "die Kommunikation und Diskussionen" zwischen den mit dem Fall befassten Bezirksstaatsanwälten unter die Lupe genommen werden.

Männer wollten "Verdächtigen" stoppen

Der erste mit dem Fall befasste Staatsanwalt hatte das Vorgehen der McMichaels noch als legitim eingestuft und eine Festnahme nicht für nötig gehalten. In einem von US-Medien veröffentlichten Schreiben argumentiert George Barnhill, die beiden Männer hätten einen "Verdächtigen" stoppen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten wollen. Dies sei in Georgia "absolut legal". Auch das offene Tragen von Waffen sei legal.

Ahmaud Arbery | Bildquelle: VIA REUTERS
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Der Afroamerikaner Ahmaud Arbery war am 23. Februar nahe der Stadt Brunswick erschossen worden, zwei weiße Männer hielten ihn für einen Einbrecher.

Gregory McMichael hatte der Polizei zufolge angegeben, Arbery für einen Einbrecher gehalten zu haben. Er habe deswegen zu seinem Revolver gegriffen und zusammen mit seinem Sohn die Verfolgung aufgenommen. Arbery habe seinen mit einem Gewehr bewaffneten Sohn dann aber "gewaltsam angegriffen".

Prominente schwarze Musiker fordern Handeln

Das Video zeigt Arbery offenbar beim Joggen. Als er um den auf der Straße stehenden Kleintransporter der McMichaels laufen will, kommt es zu einer Auseinandersetzung mit Travis McMichael, der ein Gewehr in der Hand hält. Dann fallen mehrere Schüsse und Arbery fällt zu Boden. "Travis McMichael hat geschossen und Arbery getötet", erklärten die Ermittlungsbehörden in der vergangenen Woche.

Anwälte von Arberys Eltern begrüßten die Involvierung des Justizministeriums. Prominente schwarze Musiker wie Jay-Z und Alicia Keys forderten in einem offenen Brief am Wochenende ein schnelles Handeln.

Weitere Bilder eines Videos

Die landesweite Strafverfolgungsbehörde von Georgia, das GBI, bestätigte am Samstag, dass es Zugang zu weiteren Standbildern eines Videos habe, das Licht in die Angelegenheit bringen könnte. Die Tageszeitung "Atlanta Journal-Constitution" veröffentlichte Material einer Überwachungskamera eines Hauses in der Nähe des Tatortes. Es zeigt, wie jemand, der wie Arbery aussieht, das noch nicht fertiggestellte Haus betritt. Die Person kommt anschließend wieder raus und rennt die Straße entlang.

Anwälte von Arberys Familie geben an, das Video untermauere ihre Position, dass Arbery nichts falsch gemacht und kein Schwerverbrechen begangen habe. Unter dem in Georgia geltenden Gesetz können Zivilisten andere festnehmen und festhalten, wenn während ihrer Anwesenheit ein Schwerverbrechen begangen worden ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2020 um 12:00 Uhr.

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