Ein mit Blumen geschmücktes Kreuz steht an der Stelle, wo der unbewaffnete Jogger Ahmaud Arbery im US-Staat Georgia erschossen wurde. | Bildquelle: AFP

Todesschüsse auf Schwarzen in USA Festnahmen nach Video-Veröffentlichung

Stand: 08.05.2020 07:49 Uhr

Ein junger schwarzer Mann wird in den USA beim Joggen von zwei Weißen erschossen. Doch bis zur Festnahme der mutmaßlichen Täter vergehen mehr als zwei Monate. Erst ein verstörendes Video bringt die Ermittlungen in Gang.

Es ist der 23. Februar in Glynn County, Georgia. Der 25-jährige Ahmaud Arbery ist joggen, wie so häufig, um sich fit zu halten. Als dieser um ein stehendes Fahrzeug herumläuft, wird er in ein Handgemenge mit einem bewaffneten Mann verwickelt. Ein weiterer Mann auf der Ladefläche scheint zugleich eine Handfeuerwaffe in Anschlag zu bringen. Schüsse sind zu hören. Arbery geht zu Boden und erliegt wenig später seinen Verletzungen. So ist der Tathergang auf einem 28 Sekunden langen Handyvideo zu sehen, das erst Anfang Mai, also mehr als zwei Monate nach der Tat, bekannt wurde. Und erst durch dieses Video, das landesweit für Entsetzen sorgte, kamen die Ermittlungen in Gang.

Die weißen Tatverdächtigen - Gregory und Travis M., Vater und Sohn - wurden nun festgenommen. Den beiden wird schwere Körperverletzung und Mord zur Last gelegt, erklärte das Kriminalamt GBI.

Demonstranten in Brunswick, Georgia, fordern Antworten im Fall des getöteten Joggers Ahmaud Arbery | Bildquelle: AP
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Nach der Veröffentlichung des Handy-Videos fordern Demonstranten in Brunswick, Georgia, Gerechtigkeit für den getöteten Ahmaud Arbery.

"Einem Einbrecher ähnlich gesehen"

Den Ermittlern zufolge konfrontierten die Tatverdächtigen Arbery mit zwei Schusswaffen, als dieser in der Nachbarschaft unterwegs war. Nach einem Polizeibericht, der von der "New York Times" veröffentlicht worden war, hatte der 64-jährige Vater ausgesagt, der Jogger habe einem Einbrecher ähnlich gesehen, der zuvor auf Videokameras in der Nachbarschaft aufgenommen worden sei. Er habe daraufhin seinen Sohn gerufen. Die beiden hätten sich bewaffnet und seien Arbery in ihrem Pick-up hinterhergefahren. Sie hätten ihm zugerufen, sie wollten mit ihm sprechen - und dann angehalten.

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Das Video zeigt nun, wie sich ein Jogger einem stehenden Pick-up nähert, ein Weißer steht auf der Ladefläche, ein anderer neben der offenen Fahrertür. Der Jogger wechselt die Seite, läuft an der Beifahrerseite entlang und bewegt sich vor dem Auto in Richtung linke Straßenseite. Ein Schuss ist zu hören, dann zeigt das Video den Jogger in einer Auseinandersetzung mit dem Mann auf der Straße - mutmaßlich dem 34-jährigen Travis M., der eine Schrotflinte oder ein Gewehr in der Hand hält. Ein zweiter Schuss ertönt und der Jogger schlägt den Mann. Aus kürzester Entfernung wird ein dritter Schuss abgefeuert, der Jogger taumelt und fällt mit dem Gesicht auf den Boden. Gregory M. gab den Polizei-Angaben zufolge an, sein Sohn habe zwei Mal geschossen.

Empörung im ganzen Land

Der Fall erreichte mittlerweile auch die US-Hauptstadt Washington. US-Präsident Donald Trump sagte im Weißen Haus, er werde noch am Abend einen Bericht zu dem Fall bekommen. Das Video habe er nicht gesehen, sagte Trump auf Nachfrage. Er betonte aber, dies sei eine "sehr traurige Sache" und sprach den Angehörigen des Mannes sein Mitgefühl aus.

Dass die beiden weißen Männer zunächst nicht festgenommen worden waren, hatte bei Politikern und Prominenten für empörte Reaktionen gesorgt. Der designierte Präsidentschaftskandidat der oppositionellen Demokraten, Joe Biden, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, das Video sei "eindeutig": "Ahmaud Arbery wurde kaltblütig erschossen." Der Fall müsse "schnell, vollständig und transparent" untersucht werden.  Basketballstar LeBron James twitterte, Schwarze würden "buchstäblich jeden Tag, jedes Mal gejagt", wenn sie ihr Haus verließen. "Man kann nicht mal ein verdammtes Jogging machen, Mann."

Gouverneur Brian Kemp hatte erklärt, die Menschen in Georgia verdienten Antworten.

Todesschüsse auf Schwarzen: Festnahmen nach Video-Veröffentlichung
Torben Ostermann, ARD Washington
08.05.2020 19:16 Uhr

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Mit Informationen von Torben Ostermann, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete BR5 am 08. Mai 2020 um 16:11 Uhr.

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