Die eingestürzte Autobahnbrücke in Genua | Bildquelle: AP

Einsturz in Genua "Diese Brücken sind eine Fehlkonstruktion"

Stand: 15.08.2018 13:12 Uhr

In Genua laufen die Aufräumarbeiten, 39 Todesopfer sind bislang bestätigt. Politiker suchen nach Verantwortlichen für das Unglück. Ein Experte sagt: Die Brücke habe ständig repariert werden müssen.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Noch immer liegen schwere Brückentrümmer und Autoteile am Unglücksort, noch immer schaufeln Bagger Schutt zur Seite. Kräne heben lastwagengroße Betonklötze in die Höhe, Einsatzkräfte durchsuchen die Trümmer. Sie wollen die Hoffnung nicht aufgeben, doch noch Menschen zu finden, die den Sturz von der zusammenbrechenden Brücke überlebt haben. Und sie wollen auch die Toten bergen.

Wie viele Menschen noch vermisst werden, sei nicht klar, sagt Feuerwehrkommandant Emanuele Gissi: "Ich glaube, dass wir nie genau wissen werden, ob noch Leute vermisst werden. Deshalb wird dieser Einsatz erst aufhören, wenn wir unter allen Trümmern gesucht haben."

Helge Roefer, ARD Rom, zzt. Genua, zur Suche nach weiteren Überlebenden
tagesschau 17:00 Uhr, 15.08.2018

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Die beiden Seitenteile der Brücke, die stehen geblieben sind, ragen gefährlich über die Unglücksstelle. Etwa 400 Menschen mussten ihre Häuser in der Nähe der Brücke verlassen. Wann sie zurückkehren können, ist noch unklar. Denn auch der Rest der Brücke könne einstürzen, sagt Gissi: "Wir versuchen, nichts dem Zufall zu überlassen. Die Teile der Brücke, die noch stehen, werden von Technikern untersucht, um diese Gefahr abzuwenden. Natürlich ist es am Unfallort gefährlich, die Trümmer sind instabil. Es ist eine riskante Situation für unsere Einsatzkräfte."

"Diese Brücken sind eine Fehlkonstruktion"

Noch ist es zu früh, um eine endgültige Bilanz der Opferzahl zu ziehen. Doch die Diskussion um die Ursache des Unglücks hat längst begonnen. Die Staatsanwaltschaft hat bereits Ermittlungen aufgenommen. Mit Ergebnissen ist allerdings erst in einigen Tagen, vielleicht auch Wochen zu rechnen.

Möglicherweise wurden die Brückenpfeiler unterspült, es gab zur Zeit des Unglücks ein schweres Unwetter. Möglicherweise gab es auch Mängel bei der Instandhaltung, Materialermüdung. Die halb eingestürzte Brücke wurde in den 1960er-Jahren erbaut.

Weltweit gebe es nur drei solcher Brücken, sagt Antonio Brencich, Professor an der Universität Genua. "Bei den Brücken in Genua und in Venezuela haben sich schnell Abnutzungserscheinungen beim Material gezeigt." Nach kurzer Zeit habe man Instandhaltungsmaßnahmen durchführen müssen, in Genua nach etwa 20, 25 Jahren. "Es war eine Brücke, die ständig repariert werden musste. Diese Brücken sind eine Fehlkonstruktion, weil sich mit der Zeit herausgestellt hat, dass die Materialabnutzung besonders hoch ist."

alt Die eingestürzte Autobahnbrücke in Genua | Bildquelle: AP

Der grün-blaue Lastwagen von Genua

Ein grün-blauer Lastwagen ist zum Symbol des verheerenden Einsturzes der Morandi-Brücke in Genua geworden. Um wenige Meter hatte der Fahrer die Katastrophe am Dienstag überlebt. "Ich konnte mich retten, weil ein Auto mich überholte und ich verlangsamte", erzählte der 27-Jährige der Zeitung "La Repubblica". Er habe das Auto mit den anderen abstürzen sehen, schlagartig gebremst und den Rückwärtsgang eingelegt. "Dann habe ich die Tür geöffnet und bin geflüchtet."
Auf Fotos ist zu sehen, wie nahe der Lastwagen vor dem Abgrund steht. Mit laufendem Motor soll der Fahrer den Wagen zurückgelassen haben. Der Genuese war für die lokale Supermarktkette Basko unterwegs.
Der Lastwagen sei nicht das einzige Fahrzeug, das die Menschen bei der Flucht von der Brücke dort stehen gelassen hätten, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Die Staatsanwaltschaft habe aus Ermittlungsgründen noch nicht angeordnet, sie abzuschleppen. Früher oder später werde das aber passieren.

Vorwürfe an Autobahnbetreiber

Der private Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia versichert, die Brücke regelmäßig überprüft zu haben, zuletzt vor einigen Monaten. Mehrere Regierungsmitglieder wie Verkehrsminister Danilo Toninelli und Vize-Ministerpräsident Luigi Di Maio machen den Autobahnbetreiber dennoch verantwortlich für den Einsturz. Man habe Schritte eingeleitet, dem Betreiber möglicherweise die Lizenz zu entziehen und um eine Strafe von bis zu 150 Millionen Euro zu verhängen, so der Verkehrsminister in einem Facebook-Post.

Italienische Regierung erhebt schwere Vorwürfe gegen Autobahnbetreiber
tagesschau 16:00 Uhr, 15.08.2018, Ellen Trapp, ARD Rom

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Auch Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega verlangt, dass der Betreiber zur Rechenschaft gezogen wird - und verbindet das gleich mit einem gewohnt europakritischen Seitenhieb. "Worüber ich als Minister und italienischer Bürger nachdenke, ist, warum viele Schulen, Krankenhäuser und Autobahnen instandgesetzt werden müssen", sagte er. "Aber oft heißt es, wir können dieses Geld nicht ausgeben, weil es europäische Hindernisse gibt, das Defizit, das Bruttoinlandsprodukt, den Spread. Das nächste Wirtschaftsmanöver muss die Sicherheit der Italiener in den Vordergrund stellen. Alle Hindernisse kommen danach"

Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte kündigte schon an, mehr Geld in die Infrastruktur zu investieren und einen Überwachungsplan auszuarbeiten - damit sich eine Tragödie wie in Genua auf keinen Fall wiederholt.

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Nach Brückeneinsturz in Genua: Die Suche nach Überlebenden geht weiter

Blick auf die Trümmer einer eingestürzten Brücke in Genua

Nach dem Brückeneinsturz in Genua suchen die Rettungskräfte weiter nach Überlebenden. | Bildquelle: LUCA ZENNARO/EPA-EFE/REX/Shutter

  

Der Tag nach dem Brückeneinsturz in Genua
Lisa Weiß, ARD Rom
15.08.2018 12:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. August 2018 um 14:00 Uhr.

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