Von Öl verschmierter Vogel in Genua

Nach Explosion einer Pipeline Ölpest bei Genua löst sich auf

Stand: 24.04.2016 14:27 Uhr

Nach der Explosion einer Pipeline in der Nähe der italienischen Hafenstadt Genua drohte eine schwere Umweltverschmutzung. Nun scheint die Situation wieder unter Kontrolle sein. Die Ölschlieren auf dem Mittelmeer lösen sich langsam auf.

Nach dem Raffinerieunfall in der Nähe der norditalienischen Hafenstadt Genua scheint die Situation wieder unter Kontrolle sein. Der Küstenwache zufolge lösen sich die sechs Ölflecken auf dem Mittelmeer langsam auf.

Vor einer Woche war eine unterirdische Pipeline geborsten, die die Raffinerie mit dem Hafen verbindet. Dabei floss Öl in zwei Kanäle und den Fluss Polcevera und soll Strände nahe der Mündung des Stroms verseucht haben. Insgesamt flossen etwa 500 Tonnen Öl aus. Davon sollen etwa zehn Prozent ins Meer gelangt sein.

Drei etwa 600 Meter lange und 100 Meter breite Ölflecken befinden sich demnach rund 25 Kilometer westlich der Flussmündung des Polcevera. Drei weitere Ölflecken von bis zu fünf Kilometern Länge und wenigen Metern Breite hätten sich nach Westen in Richtung der Hafenstädte Savona und Imperia bewegt. Auch Teer sei in der Nähe von Savona an Land gespült worden.

Samstag wurde der lokale Notstand ausgerufen

Am Samstag hatte Genuas Hafenbehörde den lokalen Notstand ausgerufen. Wegen starken Regens hatte zuvor eine eilends errichtete Barriere im Fluss Polcevera das ausgetretene Öl nicht aufhalten können.

Der Regen habe nun aber zum Glück dazu geführt, dass sich die Lachen aufgelöst oder durch die Säuberungsmaßnahmen in kleinere aufgeteilt hätten, sagte Hafenkommandant Giovanni Pettorino. "Die Lage in den Gewässern zwischen Genua und der französischen Grenze hat sich deutlich gebessert." Das Öl werde Frankreich nicht erreichen, so Pettorino.

Das Öl war bereits am Sonntag in den Fluss Polcevera geflossen

Das Öl war bereits am Sonntag in den Fluss Polcevera geflossen. Nach heftigem Regen gelangte es jetzt auch ins Meer.

"Kein Desaster, aber ein ernsthafter Zwischenfall"

Kritiker der Ölförderung sehen den Unfall als Warnung. Der Vorfall sei sei zwar kein Desaster, aber ein ernsthafter Zwischenfall, sagte der Umweltchemiker Federico Valerio der Tageszeitung "La Repubblica". "Es hätte nicht passieren dürfen. Sicherheitssysteme haben versagt." Obwohl nur relativ wenig Öl ins Meer gelangt sei, werde der Kanal in der Nähe des Unglücksorts noch "monatelang, wenn nicht jahrelang" verseucht bleiben. Den größten Schaden trage der Fluss Polcevera davon. Die giftigen Ölrückstände würden dessen Ökosystem "für Monate, wenn nicht Jahre" beeinträchtigen. Außerdem sei es unvermeidlich, dass Giftstoffe über Muscheln und Fische in die Nahrungskette gelangten.

Kritiker beklagten auch eine verspätete Reaktion auf den Unfall. "Die Barrieren sind wahrscheinlich nicht so schnell errichtet worden, wie man es erwartet hätte", sagte der Bürgermeister von Genua, Marco Doria, dem regionalen Fernsehsender Telenord. Die Raffinerie Iplom musste ihren Betrieb bis auf Weiteres einstellen und einigte sich mit den Gewerkschaften auf eine vorläufige Freistellung von 240 ihrer 252 Mitarbeiter. "Es ist ein schwieriger Augenblick für uns alle", hatte der Firmenchef am Freitag eingeräumt.

Genua liegt in der Nähe von mehreren Küstenschutzgebieten, darunter die Unesco-Weltkulturerbe-Region Cinque Terre. Die beliebte Baderegion zieht jährlich rund 75 Millionen Gäste aus dem In- und Ausland an.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 23. April 2016 um 18:00 Uhr

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KOMMENTARE

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Jon Do 24.04.2016 • 18:50 Uhr

Öl löst sich im Wasser nicht auf.

Es verteilt sich nur. Teilweise verdunstet es. Teilweise verklumpt es dann zu Teer und sinkt ab. . Eine seltsame Wortwahl im Artikel also. Beziehungsweise die unkritische Übernahme von Neusprech....