Blick auf die eingestürzte Brücke in Genua | Bildquelle: LUCA ZENNARO/EPA-EFE/REX/Shutter

Brückeneinsturz vor einem Jahr Schock für Genua und ganz Italien

Stand: 13.08.2019 23:55 Uhr

Vor einem Jahr stürzte die Morandi-Brücke in Genua ein. Viele Fahrzeuge und ihre Insassen stürzten in die Tiefe. 43 Menschen starben. Noch immer ist nicht geklärt, was zu der Tragödie führte.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

Die Sonne brennt vom Himmel. Die Luft steht im Polcevera-Tal - dort, wo sich in Genua Industriegebiet, Gewerbe, Bahngleise und Wohnblöcke abwechseln. Giuseppe Rodinò steigt aus seinem Auto. Die letzten Meter geht er zu Fuß. Mehr als 40 Jahre hat Rodinò hier in diesem Tal gelebt, mit der Stadtautobahn, die über seinen Wohnblock hinwegrauschte - bis am 14. August 2018 die Morandi-Brücke teilweise einstürzte. Nur wenige Meter von seinem Haus entfernt.

"Das sind die Trümmer der Brücke. Und mein Haus war genau da rechts. Und man sieht nichts mehr davon, weil sie es zerstört haben", sagt Rodinò. Die Brückenreste waren einsturzgefährdet. Sie wurden gesprengt. Die Bewohner der Häuser darunter verloren ihre Wohnungen. Sie wurden jedoch entschädigt.

Gedenken an Opfer des Brückeneinsturzes in Genua vor einem Jahr
tagesschau 20:00 Uhr, 14.08.2019, Julia Murmelter, ARD Rom

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Auf einmal "ein sehr starkes Donnern"

So erging es auch Rodinò. Gerne redet er nicht über den Tag, der sein Leben veränderte. Dennoch erzählt er: "Ich war mit meiner kleinen Hündin zuhause. Sie heißt Krümel", sagt Rodinò. Das Wetter sei sehr schlecht gewesen. Es habe gewittert. "Und genau um 11.36 Uhr war ich in der Küche. Nichts hat darauf hingedeutet, was gleich passieren würde", so Rodinò. "Und auf einmal habe ich ein sehr starkes Donnern gehört, ich habe gemerkt, dass die Erde und das Glas in den Fenstern gebebt haben. Dann habe ich vom Fenster her die Schreie gehört: 'Die Brücke, die Brücke!'."

43 Menschen starben bei dem Unglück. Andere überlebten den Sturz von der Autobahnbrücke in die Tiefe. Tagelang suchten Rettungskräfte mit schwerem Gerät nach Überlebenden in den Trümmern. 

Es war ein Schock für die Stadt, für ganz Italien. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf. Wie die Brücke zusammenbrechen konnte und wer die Schuld an dem Unglück trägt, ist bis heute noch nicht sicher geklärt. Dass Italiens Autobahnen seit Jahren nicht mehr direkt vom Staat betrieben werden, sondern von Privatfirmen - das macht die Frage nach der Verantwortung nicht leichter.

Neue Brücke schon Weihnachten fertig?

Ein Besuch auf der Baustelle - dort, wo die neue Brücke hochgezogen werden soll. Paolo Albergante kommt näher. Der schlaksige Ingenieur mit den rötlichen Haaren ist Assistent des Bauleiters. Er kennt sich hier aus wie fast niemand sonst. Routiniert erklärt er den Stand der Bauarbeiten.

"Es muss noch dieser Träger abgebaut werden, sagt Albergante. Und dann könne man schon die ersten Pfeiler sehen, die in die Höhe gebaut werden - die Eisen-Verstärkungen des Betons. "Und von da aus wächst unser Pfeiler."

Sprengung der genuesischen Morandi-Brücke | Bildquelle: AFP
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Im Juni wurden die Reste der Brücke gesprengt.

Noch sieht man nicht viel von der Brücke. Doch das soll sich bald ändern. Danilo Toninelli versprach als italienischer Verkehrsminister, dass die Brücke an Weihnachten steht. Im kommenden Frühling werde sie eingeweiht. Dass es Verzögerungen beim Abriss gab, unter anderem weil Teile der Brücke asbestverseucht waren, ändere daran nichts.

Man vertraue den beteiligten Firmen, sagte Toninelli. "Mit dem Vertrag haben sie Klauseln unterschrieben, die einen Zeitplan vorschreiben", so der Verkehrsminister. Wenn sie den nicht einhielten, müssten sie Vertragsstrafen zahlen: "Wenn jemand so hohe Strafen riskiert, dann weiß er, dass er die Zeiten einhalten kann."

Solarpanels und Wartungsroboter

Die neue Brücke hat der Genueser Stararchitekt Renzo Piano entworfen. Das Bauwerk soll ein Symbol für einen Neuanfang werden und - so der Architekt - mindestens 1000 Jahre halten. Statt einer filigranen Schrägseilbrücke ist eine einfache Stahlkonstruktion geplant. Unter der simplen Oberfläche wartet aber hochmoderne Technik: Mit Solarpanels wird die Brücke Energie erzeugen. Roboter sollen bei der Wartung helfen.

Rodinò schaut noch ein letztes Mal auf den Bauzaun, auf die Stelle, an der früher sein Haus stand. Dann dreht er sich um und geht. "Es gibt viele Gründe, warum ich nicht mehr hierher zurückkehre", sagt er. "Vielleicht komme ich wieder, wenn die neue Brücke steht. Um sie mir anzuschauen."

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Einsturz von Autobahnbrücke in Genua (August 2018)

Eine eingestürzte Brücke in Genua

Blick auf die Autobahnbrücke Ponte Morandi in Genua, die am 14. August einstürzte. Dabei kamen viele Menschen ums Leben. | Bildquelle: PAOLA PIRRERA/ AFP

Ponte Morandi – und dann? Ein Jahr Brückeneinsturz in Genua
Lisa Weiß, ARD Rom
13.08.2019 22:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. August 2019 um 06:23 Uhr.

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