Wohnhäuser unter der zum Teil eingestürzte Brücke in Genua | Bildquelle: LUCA ZENNARO/EPA-EFE/REX/Shutter

Nach Brückeneinsturz in Genua Betreiber sagt 500 Millionen Euro zu

Stand: 19.08.2018 06:57 Uhr

Nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua hat der Betreiber Autostrade per l'Italia 500 Millionen Euro zugesagt. Bei der offiziellen Trauerfeier wurde der Toten gedacht.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Am Ende eines Tages der Trauer suchte der private Betreiber der eingestürzten Autobahnbrücke von Genua die Öffentlichkeit. Die Spitze des Unternehmens war in den letzten Tagen abgetaucht. Nun kündigte Giovanni Castellucci, der Vorstandsvorsitzende von "Atlantia" und "Autostrade per l’Italia", Hilfen an:

"Ich denke, dass man von uns konkrete Hilfe erwartet, und ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir der Stadt Genua viel geben können und müssen. Ich will hier nicht über die Kosten reden, das ist nicht das Wichtigste, aber ich kann sagen, dass wir, wenn wir alles zusammenrechnen, leicht bei einer halben Milliarde Euro sind."

Das Geld soll unter anderem in Soforthilfen für die betroffenen Familien fließen und für Baumaßnahmen, mit denen der Verkehr in Genua umgeleitet werden soll. Außerdem versprach das Unternehmen die Autobahnbrücke an gleicher Stelle auf eigene Kosten neu zu bauen. In acht Monaten soll die neue Brücke fertig sein.

Vizeministerpräsident Luigi Di Maio schrieb anschließend auf Facebook. "Um ganz klar zu sein: Der Staat wird von Autostrade keine Almosen annehmen." Die Regierung werde das Verfahren zum Lizenzentzug fortsetzen.

Bewegende Trauerfeier für die Opfer von Genua
tagesthemen 23:30 Uhr, 18.08.2018, Ellen Trapp, ARD Rom

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Hunderte bei Trauerfeier

Am späten Vormittag hatten in einer Messehalle von Genua Hunderte der Opfer gedacht. 19 Särge standen dort aufgereiht. Viele Angehörige hatten eine Bestattung im kleinen Kreis vorgezogen. Trotzdem wurden die Namen aller Toten vorgelesen. Das Kabinett war angereist, das dann später in einer Sitzung weitere Notfallmaßnahmen für Genua auf den Weg brachte. An diesem Tag überwogen erstmals nicht die schrillen Töne der Schuldzuweisungen.

Roberto Fico, Präsident des Abgeordnetenhauses in Rom von der Fünf Sterne-Bewegung sprach Worte, die man in den letzten Tagen nicht gehört hatte:

"Vor allem müssen wir die Wahrheit herausfinden. Denn wenn es Wahrheit gibt, kann es auch Gerechtigkeit geben. Darum haben uns die Angehörigen der Opfer gebeten. Ich bitte um Entschuldigung, auch wenn ich nicht schuldig bin, im Namen des Staates, für das, was er in den letzten Jahren versäumt hat."

42. Todesopfer geborgen

Erst am Nachmittag hatten die Einsatzkräfte das 42. Todesopfer geborgen. Doch die Bergungsarbeiten gehen weiter. Erst wenn alle Trümmer der eingestürzten Morandi-Brücke beseitigt seien, wolle man eine endgültige Opferzahl nennen, hieß es heute.

Die Frage nach der Verantwortung wird in den nächsten Tagen aber wohl wieder gestellt werden. Die Regierung klang bisher so, als habe sie den Schuldigen schon gefunden. Erste Schritte, dem Betreiber der Autobahn die Konzession zu entziehen, wurden bereits in die Wege geleitet. Vielleicht auch deshalb appellierte Staatspräsident Sergio Mattarella, ein ehemaliger Verfassungsrichter, an rechtstaatliche Verfahren - trotz der Wut und Trauer über das, was in Genua passiert ist:

"Das ist eine nicht akzeptable Tragödie. Es gibt jetzt drei wichtige Aufgaben: den Angehörigen der Toten, den Verletzten, den Familien, die ihre Wohnungen aufgeben mussten, nahe zu sein. Dann müssen wir mit Entschlossenheit feststellen, wer dafür verantwortlich ist. Und wir müssen sicherstellen, dass unsere Straßen und Verkehrsmittel sicher sind."

Der Autobahnbetreiber, der in Italien rund 3000 Kilometer Autobahn verwaltet, hält sich mit Erklärungen zu den Ursachen des Unglücks erkennbar zurück. Castellucci sagte, man habe die Brücke vorschriftsmäßig gewartet. Allerdings erwähnte auch er Studien, in denen die Tragseile des Bauwerks als ein potentielles Risiko benannt worden waren. Helfen will das Unternehmen, dass mit der Autobahnmaut in Italien Milliardensummen verdient. Ein eventuelles Verschulden anerkennen will man aber nicht: 

"Wir spüren sehr stark unser Mitgefühl, unsere Nähe gegenüber den Opfern und Angehörigen. Aber wir sind nicht soweit, die Verantwortung für ein Ereignis zu übernehmen, das noch grundlegend untersucht werden muss. Ich bin überzeugt davon, dass die Ermittlungen, zutage fördern, was da wirklich passiert ist."

Die Staatsanwaltschaft hat bisher noch keine Anklage erhoben. Warum die Brücke eingestürzt ist, ist weiterhin unklar.

Brückeneinsturz in Genua - Autobahnbetreiber will helfen
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
18.08.2018 20:38 Uhr

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