Die eingestürzte Brücke in Genua | Bildquelle: dpa

Brückeneinsturz in Genua Stahlseil-Riss könnte Ursache sein

Stand: 17.08.2018 14:23 Uhr

Der Grund für den Einsturz der Brücke in Genua war möglicherweise ein gerissenes Tragseil. Zu dieser Einschätzung kommt die Unfallkommission. Regen und schlechtes Wetter kommen als Ursache dagegen nicht infrage.

Der Einsturz der Autobahnbrücke in Genua mit mindestens 38 Toten könnte nach Einschätzung eines Experten möglicherweise durch den Riss eines Tragseils verursacht worden sein. "Dies ist eine ernste Arbeitshypothese, aber nach drei Tagen ist es nur eine Hypothese", sagte der Professor für Stahlbetonbau an der Universität Genua, Antonio Brencich. Brencich gehört einer vom Verkehrsministerium eingesetzten Unfallkommission an.

Es gebe Zeugenaussagen und Videos, die in Richtung Tragseile wiesen, sagte er laut der Nachrichtenagentur Ansa. Dagegen schloss er eine Überlastung der Brücke als Grund aus. "Der Regen, der Donner, die Überlastung sind fantasievolle Hypothesen, die nicht einmal in Erwägung gezogen werden."

Schon Schwächen 2017 entdeckt?

Die vierspurige, etwa 1200 Meter lange Morandi-Brücke in Genua setzt sich aus drei Einzelbrücken zusammen, von denen eine am Dienstag einstürzte. Die von den Brückenpfeilern zur Fahrbahn reichenden Stahlseile sind in eine Betonummantelung eingeschlossen. Diese soll vor Korrosion schützen. Die Zeitung "La Repubblica" schrieb, dass eine Studie des Polytechnikums Mailand schon 2017 Schwächen an den Seilen entdeckt habe.

Auch die Stahlträger der Brücke seien in der Studie als Sicherheitsrisiko bezeichnet worden. Die Träger hätten abnormal auf Vibrationen reagiert. Dies sei möglicherweise auf Korrosion zurückzuführen und müsse weiter untersucht werden, so der Bericht.

Die Zeitung zitierte außerdem Augenzeugen des Unglücks, die gesehen hätten, wie die Spannseile nachgaben. "Ich war am Steuer meines Autos und habe gesehen, wie die Seile an der Seite nachgaben. Gleich danach begann der Asphalt unter mir zu zittern wie bei einem Erdbeben", sagte die Augenzeugin Valentina Galbusera der Zeitung.

Aufräumarbeiten nach Brückeneinsturz in Genua dauern an
tagesschau 16:00 Uhr, 17.08.2018, Ellen Trapp, ARD Rom

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Autobahnbetreiber wird überprüft

Unterdessen hat die italienische Regierung eine Überprüfung des Autobahnbetreibers "Autostrade per l'Italia" gestartet. Das Unternehmen habe 15 Tage Zeit, um nachzuweisen, dass es alle vertraglichen Verpflichtungen bezüglich der ordnungsgemäßen Funktion der Brücke und der Vermeidung von Unfällen erfüllt habe, erklärte das Verkehrsministerium. Die Muttergesellschaft Atlantia wurde aufgefordert, sofort den Wiederaufbau der Brücke auf eigene Kosten anzugehen. Auch für den Wiederaufbau der unter der Brücke zerstörten Gebäude müsse Atlantia aufkommen. Atlantia wird von der Familie Benetton kontrolliert.

Morgen sollen die Todesopfer von Genua beerdigt werden - die Regierung hat einen Tag der landesweiten Trauer angesetzt. Einige Familien wollen die Zeremonie aber boykottieren und eigene Trauerfeiern abhalten. Sie machen schlechte Wartung für den Einsturz der Brücke verantwortlich und wollen mit ihrer Abwesenheit dagegen protestieren.

Dabei sind die Opferzahlen auch Tage nach dem Einsturz der Brücke immer noch vorläufig. Etwa 20 Menschen würden immer noch vermisst, sagen die Behörden. Rettungskräfte suchen unter Einsatz von schwerem Räumgerät und Spürhunden in den tonnenschweren Trümmern nach weiteren Opfern.

Französische Justiz ermittelt

Inzwischen beschäftigt sich auch die französische Justiz mit dem Unglück. Die Staatsanwaltschaft in Paris hat eine Untersuchung wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Tötung eingeleitet, wie die Behörde bestätigte. Grund ist, dass auch Franzosen unter den Opfern sind. In solchen Fällen im Ausland ist es üblich, dass sich französische Ermittler einschalten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. August 2018 um 12:00 Uhr.

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