Weizenfeld (Archivbild)

Rätselraten um genveränderten Weizen auf US-Feld Es gibt, was es nicht geben dürfte

Stand: 29.06.2013 15:25 Uhr

Auf einem Feld in den USA wurde genveränderter Weizen entdeckt. Den dürfte es gar nicht geben: Er ist verboten und Tests damit wurden bereits vor Jahren eingestellt. Nun rätseln Forscher, woher das Saatgut kommt - und die Landwirte haben ein Problem.

Nicole Markwald ARD-Studio Los Angeles

Von Nicole Markwald, ARD-Hörfunkstudio Los Angeles

Das Opfer: ein Farmer im landwirtschaftlich geprägten US-Bundesstaat Oregon. Der Tatort: ein 0,4 Hektar kleines Feld. Dort wurde im April genmanipulierter Weizen entdeckt.

Robert Zemetra, Pflanzenbauwissenschaftler an der Oregon State University, treibt seitdem die Frage um: wo kommen diese Pflanzen her? "Der Weizen hatte eine Behandlung mit dem Pflanzengift Roundup Ready überstanden, das kann nur eine genmanipulierte Sorte - die es eigentlich gar nicht mehr gibt", erklärt der Wissenschaftler.

Versuche mangels Interesse eingestellt

Vor über zehn Jahren hatte das Unternehmen Monsanto, weltweit führend in der Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln und gentechnisch verändertem Saatgut, damit begonnen, genmanipulierten Weizen zu testen - auch auf den Feldern von Oregon, erzählt Zemetra. Alles sei streng kontrolliert gewesen. Doch niemand wollte diesen Weizen kaufen, die Freilandversuche wurden nach einigen Jahren eingestellt.

Weizenfeld (Archivbild)

Versuche mit dem Weizen-Saatgut wurden schon vor Jahren eingestellt.

US-Behörden untersuchen den Fall

Bis heute ist in den USA genmanipulierter Weizen nicht erlaubt, im Gegensatz zu genmanipuliertem Mais, Soja, Baumwolle und Raps. Das Getreide verschwand - bis jetzt. Warum es wieder auftauchte, das untersucht nun eine Sonderkommission von APHIS, der US-Landwirtschaftsbehörde für Pflanzenhygiene.

Möglicherweise wurden schon vor Jahren versehentlich manipulierte Samen mit normalen vermischt, mutmaßt Getreideexperte Zemetra. Denn im Boden hätten sie eine so lange Zeit nicht überstehen können.

Monsanto beruhigt - mit mäßigem Erfolg

Auch der verdächtige Agrarkonzern Monsanto war überrascht. Man habe eine eigene Untersuchung angeordnet, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Und weiter: das Forschungsmaterial sei vernichtet worden. In dem zweiseitigen Schreiben beschwichtigt Monsanto: "Es gibt keinerlei Sicherheitsbedenken, was Nahrung, Tierfutter und Umwelt betrifft. Das veränderte Weizen-Gen produziert dasselbe Protein, das auch in Mais und Soja auftaucht, welches von Millionen Farmern weltweit genutzt wird", heißt es dort.

Monsanto-Logo an einem Messestand in den USA

Auch bei Monsanto ist man überrascht, sieht aber keinerlei Gefahr.

Viele Amerikaner beruhigt das nicht - im Gegenteil. Pamm Larry engagiert sich seit Jahren für eine Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln mit genetisch veränderten Bestandteilen. "Wir werden eine Kennzeichnungspflicht durchsetzen, vielleicht in zwei bis drei Jahren, hoffentlich im ganzen Land. Sie muss aber wirklich klar und deutlich sein", sagt sie.

Erstes Gesetz im kleinen Bundesstaat Connecticut

Der US-Bundesstaat Connecticut hat nun den Anfang gemacht: Anfang Juni wurde dort ein Gesetz zur Kennzeichnungspflicht von Genfood verabschiedet. Es ist an einige Bedingungen geknüpft: Mindestens vier andere Staaten müssen ein ähnliches Gesetz verabschieden, einer davon muss ein Nachbarstaat von Connecticut sein. Und: mindestens 20 Millionen Menschen müssen insgesamt in diesen Staaten leben.

Trotz dieser Auflagen ist Pamm Larry hochzufrieden. "Es ist großartig, so ein großer, wichtiger Schritt." Zwar sei das Gesetz verwässert worden - unter anderem weil Connecticut ein kleiner Bundesstaat sei. "Aber halten wir fest: es wurde verabschiedet und zwar mit großer Mehrheit!"

"Da spielt jemand mit meinem Essen"

Als Konsument kann man in den USA Genfood kaum entgehen. Amerikanischer Mais ist zu knapp 90 Prozent genmanipuliert, amerikanisches Soja sogar zu 94 Prozent, berichtet das US-Landwirtschaftsministerium. Dazu kommt laut Pflanzenforscher Zemetra ein anderer Aspekt: "Was die gesundheitlichen Folgen angeht, habe ich als Wissenschaftler keine großen Bedenken. Mein Gefühl ist eher: da spielt jemand mit meinem Essen."

Diese "Spielerei" hat für amerikanische Landwirte schon jetzt erhebliche Konsequenzen. Weil der genetisch veränderte Weizen in Oregon auftauchte, haben Japan und Südkorea Importe von bestimmtem Weizen aus den USA vorerst ausgesetzt - eine schlechte Nachricht für den größten Weizenexporteur der Welt. Währenddessen laufen die Ermittlungen im Weizen-Krimi in Oregon weiter. Es kann sein, dass der Schuldige nie gefunden wird.

Dieser Beitrag lief am 28. Juni 2013 um 11:46 Uhr im Deutschlandfunk.