Injektionsmikroskop in einem Labor | dpa

Genetisch veränderte Babys Im Geheimen geforscht?

Stand: 27.11.2018 08:16 Uhr

Der Forscher He Jiankui hat nach eigenen Angaben das Genom zweier Kinder manipuliert. Nach internationaler Kritik schaltet sich die chinesische Regierung ein. Peking will von nichts gewusst haben.

Chinas Regierung hat eine "unverzüglichen Untersuchung" angeordnet, nachdem ein chinesischer Wissenschaftler die weltweit erste Geburt genmanipulierter Babys verkündet hat.

Der Fall müsse in Übereinstimmung mit den Gesetzen behandelt werden. Diese basierten auf dem Grundsatz, für die Gesundheit der Menschen Verantwortung zu tragen, teilte die Nationale Gesundheitskommission in Peking mit. 

Aufschrei der Empörung

Der Forscher He Jiankui hatte am Vortag einen weltweiten Aufschrei der Empörung unter Wissenschaftlern und Ethikern ausgelöst, als er die Geburt der ersten genmanipulierten Babys verkündete. "Zwei wunderschöne kleine chinesische Mädchen namens Lulu und Nana kamen vor einigen Wochen weinend und so gesund wie jedes andere Baby zur Welt", sagte er in einem auf YouTube verbreiteten Video. 

Die staatliche Zeitung "China Daily" berichtet, dass der Wissenschaftler für seine Versuche in der südchinesischen Stadt Shenzhen keine Genehmigung bei den Behörden eingeholt habe. Die städtische Kommission für Familienplanung und Gesundheit sei nicht informiert worden, obwohl sie zunächst das Projekt hätte ethisch bewerten müssen.

Mit Genen gegen HIV

Zuvor hatte bereits Hes Universität in Shenzhen mitgeteilt, nichts von den Versuchen gewusst zu haben. Die an Embryonen vorgenommene Manipulation mit dem noch sehr jungen Verfahren Crispr/Cas9 sollte nach Hes Angaben die Kinder resistent gegen HIV machen. 

Mit dem Mini-Werkzeug können Gene verändert, an- oder ausgeschaltet und durch fremde Bestandteile ergänzt oder ersetzt werden. Eine geprüfte wissenschaftliche Veröffentlichung zu dem Eingriff gibt es nicht.

Nach dem Eintrag in einem chinesischen Register brachte das chinesische Team ungewollt kinderlose Paare von gesunder Mutter und HIV-infiziertem Vater dazu, bei den Versuchen mitzumachen. Mittels künstlicher Befruchtung wurden zahlreiche Embryos geschaffen, deren Erbgut verändert wurde.

Modell eines menschlichen DNA-Stranges mit der doppelten Helix-Struktur | picture-alliance / dpa

Bild: picture-alliance / dpa

Kritik von Ethikrat und Wissenschaftlern

"Bei den Experimenten handelt es sich um unverantwortliche Menschenversuche", betonte Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien solche Ansätze aufs Schärfste zu kritisieren. Die Grundlagenforschung zur Gen-Schere Crispr/Cas sei weit entfernt vom Einsatz beim Menschen. 

Auch von chinesischen Forschern kam massive Kritik: "Direkte Versuche am Menschen können nur als verrückt beschrieben werden", hieß es in einem Schreiben, das 122 Forscher unterzeichneten. Die Versuche seien ein "schwerer Schlag für die weltweite Reputation der chinesischen Wissenschaft". 

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 26. November 2018 um 22:15 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Corax 27.11.2018 • 16:12 Uhr

@herbert 2

"Hier geht es um ein offenes Auftreten mit der Botschaft wir können es..." Genau das haben die Briten doch auch angekündigt, nur eben nicht so schnell geschafft. Sonst wären sie damit aufgetreten. Ist das nicht offensichtlich? Und es gibt weitere "westliche" Länder, für die das exakt so gilt, vor allem die USA. Außerdem ging es Ihnen eben genau darum nicht. Sie haben behauptet, es gebe in der "westlichen Welt" Grenzen und in China nicht. Sie haben weiterhin eine Unterstützung des chinesischen Staates unterstellt - inklusive "massiver Gelder von der Partei". Ihnen ging es also um etwas völlig anderes. Und das wissen Sie auch.