"Gelbwesten" bei Protesten am Jahrestag der Bewegung. | Bildquelle: AP

Proteste zum Jahrestag Was von den "Gelbwesten" geblieben ist

Stand: 16.11.2019 22:08 Uhr

Zum ersten Jahrestag ihrer Bewegung sind wieder viele "Gelbwesten" in Frankreich auf die Straße gegangen. In Paris kam es zu Ausschreitungen. Wieviel Zugkraft hat die Bewegung noch?

Von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Sind die "Gelbwesten" noch in der Lage, die Menschen massenhaft auf die Straße zu bringen? In den vergangenen Monaten war dies zu den Samstagsprotesten nicht mehr gelungen. Das jetzige Jubiläums-Wochenende soll die Wende bringen: Überall in Frankreich hatten diverse Facebook-Gruppen zu Aktionen aufgerufen.

Zu der erhofften Rückkehr zu alter Stärke kam es dabei bisher nicht. Zwar fanden zahlreiche Protestaktionen statt, aber die Mobilisierung erreichte bei weitem nicht die Wucht der Anfangszeit. Das Innenministerium nannte am Abend die Zahl von 28.000 Teilnehmern landesweit, vor einem Jahr waren es knapp 300.000.

Jahrestag der "Gelbwesten"-Bewegung: Proteste und Asuschreitungen in Frankreich
tagesschau24 09:00 Uhr, 17.11.2019

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"Macron - tritt zurück"

Ein Demonstrationszug setzte sich am späten Vormittag am westlichen Pariser Stadtrand in Bewegung. "Macron - tritt zurück", riefen die Teilnehmer und sangen: "Wir sind da, obwohl Macron es nicht will, sind wir da." Es ist so etwas wie die Hymne der "Gelbwesten"-Bewegung.

"Wir finden, dass wir kaum etwas von dem bekommen haben, was wir fordern, eigentlich so gut wie gar nichts", sagt etwa Beatrice. So begründet sie, warum sie sich dem Zug angeschlossen hat. Die "Gelbwesten"-Proteste hatten sich vor einem Jahr an einer angekündigten Erhöhung der Spritsteuern entzündet. Daraus ist schnell eine breite soziale Bewegung entstanden, die mehr Kaufkraft für die weniger begüterten Schichten fordert.

Zwei Drittel halten Forderungen für berechtigt

Und die Bewegung ist nach wie vor lebendig - davon ist ein weiterer Teilnehmer der Demonstration, Alain, überzeugt. Das sehe man doch schon daran, dass heute so viele Leute mitmarschierten. Immer noch stehe eine Mehrheit der Bevölkerung hinter den "Gelbwesten".

Tatsächlich sagt eine Umfrage, dass mehr als zwei Drittel der Franzosen die "Gelbwesten"forderungen für berechtigt halten. Allerdings will auch eine Mehrheit, dass die Proteste aufhören. Ein Grund dafür sind die schweren Ausschreitungen, die die Proteste an vielen Samstagen begleitet haben - so auch heute wieder in Paris.

Autos und Mülltonnen in Brand gesetzt

Auf dem Place d'Italie im Südosten der französischen Hauptstadt, wo eigentlich ein weiterer Demonstrationszug seinen Ausgang nehmen sollte, setzten Hunderte Randalierer am Nachmittag Autos und Mülltonnen in Brand, zerschlugen Schaufensterscheiben und versuchten, in ein großen Einkaufscenter einzudringen. Polizisten und Feuerwehrleute wurden mit Pflastersteinen attackiert. Der Polizeipräfekt von Paris verbot daraufhin die Demonstration und ließ den Platz von Polizeikräften hermetisch abriegeln. Die Ordnungskräfte setzten massiv Tränengas ein.

Gegen 16 Uhr war der Platz dann weitgehend geräumt. Etliche Menschen wurden festgenommen. Präfekt Didier Lallement kündigte an, dass nach der Auswertung der Kameraufnahmen all diejenigen, die Gewaltaten verübt haben, zur Verantwortung gezogen würden. "Wir waren auch auf diese Situation vorbereitet und haben die Gewalttäter eingekesselt. Dadurch ist es glücklicherweise gelungen, die Schäden auf einen Ort zu begrenzen", sagte er.

Allerdings zeigen Fernsehbilder, dass es auch an anderen Orten in Paris, zumindest vereinzelt, zu Ausschreitungen kam. Am Abend schlugen kleine mobile Trupps von Randalierern immer wieder in der Umgebung der belebten Einkaufszone Les Halles zu. Es kam allein in Paris zu über 100 Festnahmen. Von den stundenlangen bürgerkriegsähnlichen Szenen, die Paris Ende letzten Jahres und noch bis in das Frühjahr hinein erlebt hat, war das allerdings weit entfernt.

Krawalle und Proteste zum Jahrestag der Gelbwesten-Proteste
Martin Bohne, ARD Paris
16.11.2019 19:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. November 2019 um 18:32 Uhr.

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