Warndreieck an einem Pannenfahrzeug | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Falsche Pannenhelfer Die gelben Teufel

Stand: 27.07.2019 14:26 Uhr

Mit dem Auto in den Urlaub, eine Panne - und dann? Viele vertrauen auf die Hilfe der "gelben Engel" vom ADAC. Doch an ihrer Stelle kommen in Südosteuropa immer wieder Betrüger zum Einsatz.

Von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Eine Raststätte am Autoput A1 in der Nähe von Belgrad. Auf dem Parkplatz steht ein Wagen mit deutschem Kennzeichen: Eine Panne habe sie zum Glück noch nicht gehabt, sagt die Frau. Wenn das aber mal passieren sollte, wisse sie genau, was zu tun ist: "Da rufen wir natürlich den ADAC und dann Auto abschließen und abwarten".

Die echten Helfer kommen zu spät

Soweit so richtig. Doch das ist genau der Moment, an dem die Betrüger zuschlagen. Das sagt Ivan Jakovac vom Autohaus Stojanov aus Novi Sad. Das Autohaus ist Vertragspartner des serbischen Automobilverbands , der wiederum mit dem ADAC zusammenarbeitet:

"Wir hatten schon einige Male die Situation, dass wir gerufen werden und dann rausfahren und niemanden antreffen. Und dann bekommen wir vom Tankwart die Information, dass schon jemand da war und den potentiellen Kunden schon abgeschleppt hat. Das kommt sehr oft vor."

Ein VW Golf mit platten Reifen. | Bildquelle: dpa
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Ein Platten - oder eine andere Panne: Wenn Reisende Unterstützung suchen, müssen sie genau schauen, was für ein Helfer da kommt.

ADAC-Logo auf einfachen Pkw

Jochen Oesterle ist Sprecher des ADAC in München. Die Betrug laufe oft nach dem selben Muster ab, sagt er:

"Diese sogenannten Pannenhelfer beschriften und bekleben manchmal ganz einfache Pkw oder ihre Abschleppwagen mit dem ADAC-Logo, geben sich auf Nachfrage als 'gelbe Engel' oder ADAC-Partner aus und versuchen so, das Vertrauen der Menschen auszunutzen. Sie patrouillieren teilweise auf Autobahnabschnitten, um dann möglichst schnell abzuschleppen und am Ende abzukassieren."

ADAC-Pannenhilfe
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In Deutschland sind die echten "gelben Engel" mit gelben Autos unterwegs. In Südosteuropa kleben Betrüger immer wieder das Logo auf normale Pkw.

 

Masche in Südosteuropa bekannt

Die Masche ist schon länger bekannt, und auch dieses Jahr warnt der ADAC vor falschen Pannenhelfern - unter anderem aus Südosteuropa würden aktuell Betrugsfälle gemeldet. Milan Nikolic ist Generalsekretär des serbischen Automobilverbands AMSS. Etwa 3000 bis 3500 ADAC-Mitglieder wenden sich pro Jahr hilfesuchend an seinen Verband, sagt Nikolic. Dann rückt entweder ein eigener Mitarbeitern aus, oder es wird eine offizielle Partnerwerkstatt losgeschickt.

Andere Pannenhelfer handeln durchaus legal, wenn sie ihre Dienste anbieten, sagt Nikolic - außer sie tun so, als würden sie für den ADAC oder den AMSS arbeiten:

"Wir haben gerade fünf Prozesse laufen, wegen des Missbrauchs unseres Logos oder des Logos vom ADAC. Unsere Rechtsabteilungen sind sehr aktiv und wir warten auf die Entscheidungen der Gerichte. Das ist alles, was ich dazu sagen kann, weil die Gerichtsprozesse noch laufen."

Echte Helfer kennen die Mitgliedsnummer

Pannenhelfer Ivan Jakovac aus Novi Sad sagt, dass seine Kollegen stets ein offizielles Schreiben des AMSS mitführen, das sie als Vertragspartner ausweist - und dieses auch gerne vorzeigen. Außerdem bekommen sie von der Zentrale Informationen, die ein falscher "gelber Engel" nicht haben kann:  

"Ich rate allen, die eine Panne haben, beim Pannenhelfer unbedingt die Mitgliedsnummer abzufragen. Denn wir bekommen aus Belgrad einige Daten: den Namen des Mitglieds, die Fahrzeugart, die Nummernschilder und auch die Mitgliedsnummer. Das ist ein wichtiger Beweis, dass wir diejenigen sind, die helfen sollten."   

An der Raststätte in der Nähe von Belgrad taucht ein weiteres Auto mit deutschem Kennzeichen auf. Der Mann sagt, er habe nicht mitbekommen, dass dieses Jahr auf seiner Strecke von betrügerischen Pannenhelfern gewarnt wird. Dass die Masche bei vielen Autofahrern funktioniert, kann er gut nachvollziehen, denn: "Wenn man in Not ist, dann greift man nach allem, das stimmt schon. Was will man denn sonst machen?"

Gelbe Teufel: Falsche Pannenhelfer in Südost-Europa
Srdjan Govedarica, ARD Wien
27.07.2019 13:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juli 2019 um 12:40 Uhr.

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