Medizinische Mitarbeiter helfen einem Patienten in Wuhan. | Bildquelle: AP

Geheimdienste zu Corona-Krise Misstrauen gegenüber Peking wächst

Stand: 04.05.2020 09:01 Uhr

Ein Dossier westlicher Geheimdienste über mögliche Versäumnisse Chinas in der Corona-Krise scheint wenig neue Informationen zu enthalten. Doch die Zweifel gegenüber Peking wachsen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Viel Geheimes steht in dem Geheimdienstpapier offensichtlich nicht drin. Das Dossier, über das am Wochenende zunächst die australische Zeitung "Saturday Telegraph" berichtet hat, listet eine Reihe von Dingen auf, die in den ersten Wochen des Virus-Ausbruchs in China passiert sind: Wie die Behörden den Ausbruch des Virus wochenlang vertuscht haben, wie die Polizei in Wuhan Hinweisgeber unterdrückt und zum Schweigen gebracht und wie der Staat Online-Berichte über das Coronavirus zensiert hat.

Geheindienstallianz "Five Eyes"

Der "Five Eyes" genannten Geheimdienstallianz gehören die USA, Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland an. Das Dossier der "Five Eyes" dokumentiert der australischen Zeitung "Saturday Telegraph" zufolge Vertuschung chinesischer Behörden und weist auf riskante Forschungsarbeiten in einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan hin, wo das Coronavirus im Dezember erstmals aufgetaucht war.

Über all diese Fehler, Vertuschungsaktionen und Falschinformationen der chinesischen Behörden wird seit Januar intensiv von Medien weltweit berichtet, ebenso wie über die zweifelhafte Rolle des staatlichen Instituts für Virenforschung in Wuhan. Quellen des Dossiers des so genannten "Five Eyes"-Geheimdienstverbunds dürften also vor allem internationale Medienberichte sein.

Berichte über geopolitische Ambitionen

Dass das Dossier trotzdem für so viel internationales Aufsehen sorgt, dürfte an der geopolitischen Grundstimmung liegen: Seit Jahren wächst das weltweite Misstrauen gegenüber der Staats- und Parteiführung in Peking. Die Corona-Krise verstärkte diesen Trend in den vergangenen Wochen noch ein Mal.

Vor allem in den fünf Staaten der "Five Eyes"-Geheimdienstallianz sprechen sich immer mehr Politiker für eine härtere Gangart gegenüber der kommunistischen Führung in Peking aus. Auch die Medien in Australien, Neuseeland, Großbritannien, Kanada und den USA berichten deutlich intensiver über die geopolitischen Ambitionen der chinesischen Führung als europäische Medien.

Staats-und Parteiführung äußert sich nicht

In China selbst gibt es bisher keine offiziellen Reaktionen zum "Five Eyes"-Geheimdienstdossier. Heute und morgen sind in der Volksrepublik Feiertage. Dass der Ausbruch der Corona-Krise von internationalen und unabhängigen Experten untersucht wird, hat die Staats- und Parteiführung aber in den vergangenen Tagen mehrfach abgelehnt.

Weltweit fordern Politiker eine solche Aufklärung, darunter EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, Bundesaußenminister Heiko Maas sowie die Regierungen Schwedens, Australiens und weiterer Staaten.

Stichwort: Nichts Neues im Five-Eyes-Bericht zu China
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
04.05.2020 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Mai 2020 um 07:08 Uhr.

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