Menschen sitzen an einer Busstation in Wuhan, dem Ursprungsort des neuen Virus. | Bildquelle: AFP

Dossier zu Corona-Pandemie Geheimdienste werfen China Vertuschung vor

Stand: 03.05.2020 15:27 Uhr

China habe Warnungen unterdrückt, den Corona-Ausbruch heruntergespielt und Proben vernichtet - so lauten die Vorwürfe in einem Dossier westlicher Geheimdienste. Außenminister Maas forderte Aufklärung.

Ein westliches Geheimdienstpapier kritisiert China scharf für den Umgang mit der Corona-Krise. Das Dossier der "Five Eyes" genannten Geheimdienstallianz der USA, Großbritanniens, Australiens, Kanadas und Neuseelands fasst Vorwürfe und Verdächtigungen gegenüber China zusammen, berichtet die australische Zeitung "Saturday Telegraph".

"Vertuschung und riskante Forschung"

Demnach dokumentiert das Dossier die Vertuschung chinesischer Behörden und weist auch auf riskante Forschungsarbeiten in einem Labor in der chinesischen Stadt Wuhan hin, wo das neue Coronavirus im Dezember erstmals aufgetaucht war.

Das 15-seitige Dokument zeige, in welche Richtung die Nachrichtendienste ermitteln. Es erwähnt nach Angaben der Zeitung aber auch die Differenzen der Dienste über den Verdacht, dass das Virus aus dem Institut für Virologie in Wuhan stammen könnte.

Spekulationen darüber hatte vor allem US-Präsident Donald Trump befeuert. Wissenschaftler halten es allerdings für viel wahrscheinlicher, dass Sars-CoV-2 von Fledermäusen über ein anderes Tier und durch den Wildtierhandel auf den Menschen übertragen wurde.

Sie wiesen auch bereits nach, dass das Virus nicht künstlich erzeugt worden ist, sondern natürlichen Ursprungs ist. Diese Einschätzung bestätigten in der vergangenen Woche auch die US-Geheimdienste.

"Riskante Forschung"

In dem Geheimdienstpapier wird auch auf gefährliche Forschungsarbeiten in dem Labor mit Viren von Fledermäusen verwiesen, die allerdings auch in Zusammenarbeit mit amerikanischen und australischen Wissenschaftlern erfolgt waren.

Das Papier bildet laut "Saturday Telegraph" die Grundlage für die Vorwürfe, denen die Geheimdienste nachgehen. Es hält fest, wie Chinas Behörden frühzeitige Warnungen seiner Mediziner unterdrückte, das wahre Ausmaß des Ausbruchs herunterspielte und Informationen zensierte, was auch in Medienberichten bereits mehrfach dargestellt wurde.

Die Vorgehensweise wird in dem Dossier als "Anschlag auf die internationale Transparenz" beschrieben. Besonders beklagt wird, dass China noch bis zum 20. Januar bestritten hatte, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch übertrage. Dafür habe es schon seit Anfang Dezember Hinweise gegeben, heißt es in dem Papier.

Auch wird China darin vorgeworfen, Virusproben vernichtet zu haben und Veröffentlichungen von Wissenschaftlern über das Virus streng zu kontrollieren. Chinas Behörden hätten sich auch geweigert, Lebendproben internationalen Forschern zur Verfügung zu stellen.

Maas fordert Transparenz

Außenminister Heiko Maas rief China dazu auf, sich an der Aufklärung über den Ursprung der Corona-Pandemie zu beteiligen und für Transparenz zu sorgen. "Die ganze Welt hat ein Interesse, dass der genaue Ursprung des Virus geklärt wird", sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Fundierte Antworten darauf müsse die Wissenschaft geben, nicht die Politik. "China kann hier unter Beweis stellen, wie transparent es mit dem Virus tatsächlich umgehen will", so Maas.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte bereits erklärt, sie wolle sich an den Ermittlungen zum Ursprung des Coronavirus in China beteiligen.

Stichwort: Nichts Neues im Five-Eyes-Bericht zu China
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
04.05.2020 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. April 2020 um 23:50 Uhr.

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