Der belgische König Phillipe und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gedenken der Opfer der Ardennenoffensive am Ende des Zweiten Weltkriegs. | Bildquelle: AFP

Gedenken nach 75 Jahren Ardennenoffensive brachte Tausenden den Tod

Stand: 16.12.2019 15:09 Uhr

Vor 75 Jahren wehrten die Alliierten in den Ardennen den letzten Großangriff der Wehrmacht ab. Bundespräsident Steinmeier gedachte in Belgien der Tausenden Opfer der Offensive.

Von Malte Pieper, ARD-Studio Brüssel

Es ist ein trüber Wintertag im Südosten Belgiens. Klaus Peter Klauser vom hiesigen Geschichtsverein steht in seiner kleinen Heimatstadt Sankt Vith an den Überresten der früheren Stadtbefestigung. Sankt Vith ist heute ein eher unscheinbarer Ort mit nicht mal 10.000 Einwohnern. Er sieht ganz anders aus, als die meisten herausgeputzten belgischen Städte mit ihren historischen Fassaden.

Gedenkfeier für die Opfer der Ardennenschlacht vor 75 Jahren
tagesschau 20:00 Uhr, 16.12.2019, Michael Grytz, ARD Brüssel

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Dem Erdboden gleichgemacht

In Sankt Vith stand nämlich kurz nach Weihnachten 1944 so gut wie nichts mehr, nachdem die deutsche Wehrmacht in einem letzten, verzweifelten Versuch noch einmal die Alliierten großflächig angegriffen hatte. "Die Amerikaner haben es geschafft, die Stadt einige Tage zu halten", erzählt Heimatforscher Klauser. "Dann haben sie sich zurückgezogen. Die Deutschen sind einmarschiert. Und dann ist der Befehl ergangen an die englische Luftwaffe, die Stadt dem Erdboden gleichzumachen."

Sankt Vith hat, wie die ganze Region, in den vergangenen 100 Jahren eine mehr als bewegte Geschichte hinter sich. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg muss Deutschland nämlich diese Gegend, die Kreise Eupen und Malmedy, an Belgien abtreten. Die Deutschen hier werden über Nacht Belgier - bis 1940 Hitlers Wehrmacht einmarschiert und sie zurück zu Deutschen macht. Im Herbst 1944 läuft es dann wieder andersherum: Mit der Befreiung durch die Amerikaner werden die Sankt Vither wieder Belgier.

Politiker auf der offziellen Gedenkfeier zum Beginn der Ardennenschlacht vor 75 Jahren | Bildquelle: JULIEN WARNAND/EPA-EFE/REX
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Die offizielle Gedenkfeier fand heute im belgischen Bastogne statt.

Kapitulation? "Blödsinn"

Und dann ein paar Wochen später - heute vor 75 Jahren - beginnt die Ardennenoffensive und die Deutschen kommen zurück. Überall in den Ardennen gibt es brachiale Kämpfe. Eine zentrale Rolle spielt die belgische Kleinstadt Bastogne, nahe der Grenze zu Luxemburg. "Sie kamen plötzlich wenige Tage vor Weihnachten wieder zurück", erinnert Historiker Mathieu Billa, der das Kriegsmuseum in Bastogne leitet.

"Die Kämpfe waren sehr heftig, die Bevölkerung hat extrem gelitten. An die 3000 Menschen sind allein hier gestorben. Das ist im Gedächtnis geblieben."

Etwa 18.000 US-Soldaten werden in der Stadt eingeschlossen, von den Deutschen belagert. Als die Wehrmacht den Amerikanern die Kapitulation anbietet, schleudert General McAuliffe den verdutzten Deutschen den in den USA berühmt gewordenen Ausdruck "Nuts" entgegen: "Blödsinn".

Steinmeiers Appell zum 75. Jahrestag

Anlässlich des 75. Jahrestags der Ardennenoffensive hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Zusammenhalt in Europa aufgerufen. Ein geeintes, friedliches Europa - das sei die Lehre, die die Europäer aus dem Krieg gezogen hätten, sagte er bei einer Gedenkveranstaltung im belgischen Bastogne. "Bitte lasst uns das nicht vergessen. Gerade in dieser Zeit, in der Nationalismus und völkisches Denken wieder an Verführungskraft gewinnen." Die Ardennenoffensive habe "unendliches Leid, Zerstörung und Tod" gebracht. Die Toten seien "Opfer von Hass, Verblendung und Zerstörungswut, die von meinem Lande ausgegangen waren". Deutschland wisse um seine Verantwortung. "Wir stehen zu dieser Verantwortung, und wir tragen sie weiter", sagte der Bundespräsident.

Stoff für Hollywood

Eine Woche später gelingt es den amerikanischen Truppen, die deutschen Belagerer abzuschütteln. Hollywood feiert diesen Sieg mit mehreren Filmen. Die so genannte "Battle of the Bulge" wird auf der anderen Seite des Atlantiks berühmter als vor Ort selbst.

"In den USA spielt Bastogne eine viel größere Rolle als in Belgien", sagt Historiker Billa. "Wir hier wissen meist nur, da war damals irgendwas in den Ardennen, da wurde gekämpft. Die Deutschen haben ja auch die Maas nie überschritten. Wären sie wieder bis Brüssel gekommen, würde man heute viel mehr darüber sprechen."

Deutsche als bestgeschützte Minderheit

Ganz ähnlich ist es, 50 Kilometer weiter, im deutschsprachigen Teil Belgiens. Auch hier wird der Ardennenoffensive gedacht, allerdings unter ganz anderen Vorzeichen, betont Heimatforscher Klauser in Sankt Vith.

"Wir sind ja im Grunde in einer gewissen schizophrenen Situation. Wir haben als Deutsche den Krieg mitgemacht und nachher waren wir plötzlich Belgier."

Man sei als Verlierer aus dem Krieg zurückgekehrt und habe sich dann bei den Gewinnern wiedergefunden. "Aber die Leute haben das so nicht empfunden. Die haben zunächst mal die Zerstörungen gesehen und die Toten, die es gab."

Es dauerte lange, bis sich das Verhältnis zwischen deutsprachigen Belgiern und dem Rest des Landes normalisierte. Mittlerweile ist von dieser Skepsis nichts mehr zu spüren. Dank zahlreicher Sonderrechte gelten die Deutschsprachigen in Belgien heutzutage als bestgeschützte Minderheit Europas.

75 Jahre Ardennenoffensive
Malte Pieper, MDR Brüssel
16.12.2019 13:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 16. Dezember 2019 um 12:23 Uhr.

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