Nachbeben in Haiti

Geberkonferenz in New York 9,9 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau Haitis

Stand: 01.04.2010 05:32 Uhr

Die internationale Gemeinschaft will rund 9,9 Milliarden Dollar für das von einem schweren Erdbeben verwüstete Haiti bereitstellen. Darauf verständigte sich die Geberkonferenz für den Inselstaat in New York. Haitis Präsident Préval will das Geld vor allem in die Bildung investieren.

Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York

Geberkonferenz für Haiti
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Geberkonferenz für Haiti: Zahlreiche Staaten sagten Hilfen für den verwüsteten Inselstaat zu.

Nach einem langen Tag in der New Yorker UN-Zentrale gab es am Abend nur freundliche Gesichter: "Herr Generalsekretär, das war ein guter Tag - für Haiti, für die Vereinten Nationen aber auch für die internationale Gemeinschaft", so eine strahlende Hillary Clinton auf der Abschlusspressekonferenz. Ban Ki Moon hatte kurz zuvor die Bilanz des eintägigen Spendensammelns für das vom Erdbeben zerstörte Haiti bekannt gegeben: "Die Freunde Haitis haben unsere Erwartungen sehr deutlich übertroffen", so Ban. "Wir haben sehr gute Nachrichten zu verkünden."

59 Staaten und Institutionen hätten mehr als 9,9 Milliarden Dollar für Haiti zugesagt. Damit wurde das von der UNO und den USA angestrebte Ziel, nämlich 3,9 Milliarden Dollar, mehr als verdoppelt. Diese würden für den Wiederaufbau des Landes in den nächsten 18 Monaten dringend gebraucht.

Deutschland gibt 53 Millionen

Den Löwenanteil am Gesamtaufkommen brachten die Interamerikanische Entwicklungsbank mit 2,2 Milliarden, Venezuela mit 2,12 Milliarden, die USA mit 1,15 Milliarden und die EU mit 1,67 Milliarden Dollar auf. Daran ist Deutschland mit gut 53 Millionen Dollar und damit als viertgrößter EU-Spender beteiligt.

"Das ist die Anzahlung, die Haiti für eine grundlegende nationale Erneuerung braucht", sagte UN-Generalsekretär Ban angesichts des Gesamtergebnisses. Nach Berechnungen von Experten benötigt Haiti in den nächsten zehn Jahren insgesamt 11,5 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau von Wohngebieten, Schulen, Krankenhäusern und Gerichten. Darüber hinaus soll das neue Haiti aber auch politisch mit der Überwindung von Korruption und Misswirtschaft sein Gesicht verändern und die Zentralisierung auf die Hauptstadt Port-au-Prince durch die Schaffung vielfältiger regionaler Zentren ersetzen.

Geberländer müssen Zusagen auch einhalten

Dazu wollen die UNO und die haitianische Regierung eine enge Zusammenarbeit mit klarer Zielsetzung eingehen: "Wir sind in Solidarität gekommen, wir haben großzügig gespendet und nun erwarten wir Ergebnisse", so Kanadas Außenminister Lawrence Cannon. Dieser Appell geht in zwei Richtungen: An die Geberländer, ihren Zusagen auch zeitnah und in vollem Umfang nachzukommen, und an die Organisatoren, die dafür sorgen müssen, dass möglichst viel vom Spendengeld auch bei den Notleidenden ankommt.

Für die Öffentlichkeit nachvollziehbar machen

Für entsprechende Transparenz soll eine UN-Webseite sorgen, auf der sowohl der Eingang der Spenden als auch der Fluss der Aufbaugelder für die Öffentlichkeit nachvollziehbar gemacht werden sollen. An die Spitze des offiziellen Wiederaufbau-Komitees für Haiti wurde der UN-Sonderbotschafter und frühere US-Präsident Bill Clinton berufen, ihm zur Seite steht der haitianische Ministerpräsidenten Jean-Max Bellerive. Auch sie sollen mit ihren guten Namen für einen effektiven und zielgerichteten Umgang mit den Spenden-Milliarden garantieren.

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