Die Geberkonferenz für den Libanon. Zugeschaltet per Video waren mehr als 30 Regierungsvertreter und -Vertreterinnen | dpa

Geberkonferenz für Libanon Hilfe "so effizient wie möglich"

Stand: 09.08.2020 17:41 Uhr

Bei der Geberkonferenz für den Libanon kamen nach Angaben von Bundesaußenminister Maas Soforthilfen in Höhe von 200 Millionen Euro zusammen. Die Mittel sollen schnell und möglichst nicht über die libanesische Regierung fließen.

Nach den Explosionen in Beirut haben sich internationale Geldgeber auf schnelle Hilfen für den Libanon geeinigt. Wie Außenminister Heiko Maas dem ZDF sagte, seien bei der Geberkonferenz 200 Millionen Euro Soforthilfe zusammengekommen. Deutschland beteilige sich noch einmal mit 20 Millionen Euro zusätzlich, um die größte Not zu lindern, sagte der Minister. Zuvor hatte er bereits zehn Millionen Euro von deutscher Seite angekündigt. Die EU-Kommission versprach, ihre Hilfe auf insgesamt 63 Millionen Euro aufzustocken.

Das französische Präsidialamt sprach sogar von mehr als 250 Millionen Euro Soforthilfe, die zusammenkamen. Präsident Emmanuel Macron, der zusammen mit UN-Generalsekretär António Guterres die Video-Sitzung leitete, sagte, dass die Hilfen so schnell wie möglich an die von der Katastrophe Betroffenen gehen sollten. Laut Macron gehe es bei den beschlossenen Notfallhilfen um Medikamente, Lebensmittel sowie Pflege- und Wohnmittel. Diese sollten an öffentliche und private Akteure, Nichtregierungsorganisationen und die Zivilgesellschaft übergeben werden.

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, nimmt per Videoschalte an der internationalen Geberkonferenz für den Libanon teil. | dpa

Emmanuel Macron, Präsident von Frankreich, nimmt per Videoschalte an der internationalen Geberkonferenz für den Libanon teil. Bild: dpa

Unterschlagungen sollen vermieden werden

Die Aufsicht über die Weitergabe der Hilfen hätten die Vereinten Nationen, kündigte Macron an. Es gehe darum, der schwer getroffenen Bevölkerung direkt zu helfen, ohne dass es dabei zu Unterschlagungen komme. Auch ein Vertreter der US-Behörde für Entwicklungszusammenarbeit, USAID, kündigte an, dass die amerikanischen Hilfen in Höhe von 15 Millionen Dollar nicht von der libanesischen Regierung an Bedürftige ausgegeben würden. Stattdessen sollten die Mittel direkt an die fließen, die sie am meisten benötigten. Zusätzlich werde das UN-Welternährungsprogramm Mittel bekommen, um unter anderem an rund 300.000 Menschen Mahlzeiten zu verteilen, die nach den Explosionen im Hafen von Beirut an Not leiden.

In einer gemeinsamen Stellungnahme kündigten die Teilnehmer zudem an, bei einer "glaubwürdigen und unabhängigen" Ermittlung zu helfen. Die Unterstützung werde aber mit Reformen kommen, teilten die Staats- und Regierungschefs, andere Regierungsvertreter und internationale Organisationen mit. "In diesen schrecklichen Zeiten ist der Libanon nicht allein", hieß es.

Mehr als 30 Regierungen vertreten

Der französische Präsident hatte die Geberkonferenz kurzfristig nach einem Besuch im Libanon einberufen. An der Videoschalte nahmen mehr als 30 Staats- und Regierungschefs und andere Regierungsvertreter teil. Darunter US-Präsident Donald Trump, der jordanische König Abdullah II., Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi und der britische Premier Boris Johnson, ebenso wie EU-Ratspräsident Charles Michel. Auch Deutschland und Italien waren vertreten.

Nicht anwesend waren die Türkei und Russland, aber auch von ihnen werde Hilfe erwartet, sagte Macron in seiner Eröffnungsrede zur Konferenz.

Neuwahlen im Libanon angekündigt

Die libanesische Regierung gerät derweil immer mehr unter Druck. In Beirut war es am Samstag zu Zusammenstößen gekommen, bei denen ein Polizist starb und mehr als 200 Menschen verletzt wurden. Außerdem wurden Regierungsgebäude besetzt. Ministerpräsident Hassan Diab kündigte daraufhin an, sein Kabinett zur Vorbereitung vorgezogener Neuwahlen aufzurufen. Wenig später reichte Informationsministerin Manal Abdel Samad ihren Rücktritt ein.

Die Protestierenden werfen der Regierung vor, durch Korruption und Nachlässigkeit für die Explosionen im Hafen von Beirut mitverantwortlich zu sein. Dabei kamen mindestens 150 Menschen ums Leben. Mehr als 6000 wurden verletzt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2020 um 18:00 Uhr.