Boris Johnson hält ein Fläschchen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca hoch.  | dpa

Debatte um AstraZeneca-Impfstoff London hält an eigener Strategie fest

Stand: 29.01.2021 16:15 Uhr

Die britische Regierung hat den AstraZeneca-Impfstoff schon früh zugelassen und sieht sich nun in ihrer Strategie bestätigt. Sie hält auch daran fest, bei dem Mittel nicht nach Altersgruppen zu unterschieden.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Die britische Regierung ist im Moment erkennbar darum bemüht, sich in den Streit zwischen der EU und AstraZeneca nicht hineinziehen zu lassen. Man gehe davon aus, dass man die bestellten Impfdosen auch bekomme, heißt es nur.

Thomas Spickhofen ARD-Studio London

Und auch wenn in Deutschland die Verwendung des Impfstoffs aus Oxford nur für unter 65-Jährige empfohlen wird - Großbritannien bleibe bei seiner Strategie, sagt Premier Boris Johnson.

Unsere Zulassungsbehörde hat sehr klar gemacht, dass der Impfstoff aus Oxford gut und wirksam ist, mit einem hohen Schutzgrad. Und sie kommt auch zu dem Schluss, dass er über alle Altersgruppen hinweg effektiv ist, dass er allen Altersgruppen eine gute Immunität bietet.

Im Vereinigten Königreich wurden nach Angaben der Regierung bislang 7,5 Millionen Menschen mit einer ersten Dosis geimpft. Verwendet werden im Moment die Impfstoffe von AstraZeneca und BioNTech/Pfizer, zugelassen ist inzwischen auch der von Moderna.

Welcher Stoff wie oft und in welchen Altersgruppen geimpft wurde, das wurde bislang allerdings nicht veröffentlicht.

Novavax-Mittel soll in Großbritannien produziert werden

Neu hinzukommen könnte in einigen Wochen der Impfstoff des US-Unternehmens Novavax. "Unsere Studien mit 15.000 Teilnehmern haben gezeigt: Der Stoff wirkt auch gegen die britische Covid19-Variante", sagte John Trizzino, Vizepräsident von Novavax. "Wir konnten während der Versuchsreihen bereits zwischen dem Original-Coronavirus und der neuen Variante unterscheiden. Dabei haben wir festgestellt, dass unser Impfstoff beim Original 96 Prozent wirksam war und 86 Prozent bei der neuen Variante." Auch gegenüber der südafrikanischen Variante gebe es einen Schutz, sagt Trizzino, allerdings etwas niedriger, bei etwa 60 Prozent.

Der Stoff des US-Unternehmens wurde in Großbritannien getestet und soll hier auch produziert werden. Man sei vorbereitet, sagt Kate Bingham von der britischen Taskforce zur Impfstrategie.

Als die Taskforce im Mai gebildet wurde, waren wir ganz klar der kleinere Mitspieler im Markt, deutlich kleiner als die USA, die EU oder Japan mit ihrer Kaufkraft. Wir wollten deshalb etwas flinker sein. Das hieß erstens: die klinischen Studien schnell und mit sehr hohen Qualitäts-Standards zu machen. Wir haben die Logistik dafür, wir haben das Know-how, und wir haben 400.000 Freiwillige angeworben. Und das Zweite war: den Herstellern mit unserem Fachwissen schnelle Hilfe beim Bau von Anlagen zu geben, zum Beispiel um das richtige Equipment zu besorgen.

60 Millionen Novavax-Impfdosen bestellt

Bingham sieht die britische Strategie nun bestätigt. Grund für den Vorsprung vor der EU sei nicht nur, dass man den Vertrag mit AstraZeneca drei Monate früher unterschrieben habe. "Wir haben die Produktionskapazitäten schon Monate vor dem Vertrag mit AstraZeneca ausgebaut. Das hat die Industrie freiwillig gemacht, ohne jede Sicherheit. Aber das ist der Grund, warum wir jetzt in der Produktion so weit vorn sind."

Die britische Regierung hat bereits 60 Millionen Dosen des Impfstoffs von Novavax bestellt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Januar 2021 um 15:05 Uhr.