Eine Explosion in Gaza-Stadt ausgelöst durch einen israelischen Luftschlag. | AFP

Nahostkonflikt Kein Ende der Gewalt

Stand: 15.05.2021 09:01 Uhr

Im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern haben sich beide Seiten die fünfte Nacht in Folge mit Raketen beschossen. Trotz internationaler Bemühungen um eine Waffenruhe.

Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Israels Armee setzt ihre Angriffe auf Ziele im Gazastreifen fort. Unter anderem wurden nach Angaben des Militärs Tunnel militanter Palästinenser-Gruppen bombardiert. Außerdem versucht die Armee, gezielt Kommandeure von bewaffneten Gruppen wie Hamas und dem Islamischen Dschihad zu töten.

"Die Armee reagierte basierend auf vorbereiteten Angriffsplänen und davon liegen noch verschiedene Phasen vor uns", sagte Israels Generalstabschef Aviv Kochavi gestern bei einem Truppenbesuch im Grenzgebiet zum Gazastreifen. "Wir schlagen mit beachtlicher Härte zu." Es sei gelungen Hamas und den Islamischen Dschihad in ihrer Fähigkeit Waffen zu produzieren, erheblich zurückzuwerfen, so dass es lange dauern würde, bis diese sich davon erholt hätten.

Nach Angaben der Behörden im Gazastreifen starben bisher 126 Menschen durch die israelischen Angriffe. Mehr als 900 wurden verletzt. Im von Ägypten und Israel abgeriegelten Gazastreifen haben Zivilisten kaum Möglichkeiten, sich vor den Angriffen zu schützen. Wie schon in vergangenen Konflikten suchen viele auch nun wieder Schutz in Schulen, die von den Vereinten Nationen betrieben werden.

Zivilisten suchen Schutz in UN-Schulen

"Wir waren alle zusammen im Haus und die Kinder waren auch da. Auf einmal schlugen Artilleriegranaten überall in der Umgebung ein", erzählt eine Frau, die mit ihrer Familie in eine UN-Schule in Beit Lahia im Norden des Gazastreifens geflüchtet ist, der Nachrichtenagentur Reuters. "Wo immer wir hinsahen, kamen Einschläge. Die Kinder und wir sind völlig fertig. Wir fanden keinen Schutzraum, Häuser, in denen wir sicher gewesen wären. Es war überall gefährlich. Rettungswagen kamen nicht an die Verletzten heran."

Palästinensische Gruppen schossen auch in der vergangenen Nacht Raketen auf israelische Ortschaften. Dabei gab es Verletzte. Im südisraelischen Hafen Aschdod war ein riesiger Feuerball zu sehen, als ein Treibstofflager getroffen wurde und explodierte. Dort gab es Meldungen zufolge keine Verletzten.

Seit Beginn der Kämpfe am Montag starben auf israelischer Seite acht Menschen, Hunderte wurden verletzt. Medienberichten zufolge steigen die Chancen auf eine mögliche Waffenruhe. Unter Berufung auf Vermittlerkreise wird vermeldet, dass die Hamas im Gazastreifen zu einem Ende der Kampfhandlungen bereit sei und Israel möglicherweise einwillige. Noch aber gehen die Kämpfe weiter.

Mindestens neun Palästinenser getötet

Unterdessen kam es im palästinensischen Westjordanland zu den schwersten Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften seit Jahren. Mindestens neun Palästinenser wurden getötet. Auf libanesischer Seite der Grenze zu Israel kam es gestern zu Solidaritätskundgebungen mit den Palästinensern. Eine Gruppe von Männern drang vom Libanon aus nach Israel ein und entzündete ein Feuer. Die israelische Armee schoss. Ein Mann wurde tödlich getroffen.

In Israel selbst kam es in der vergangenen Nacht erneut zu schweren Unruhen in mehrheitlich arabisch bewohnten Städten. In Lod wurde ein 15 Jahre alter arabischer Israeli von der Polizei angeschossen, nachdem er nach Polizeiangaben einen Molotowcocktail geworfen hatte.

Übergriffe zwischen arabischen und jüdischen Israelis

Zuvor war Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu in Lod und rief zur Mäßigung auf: "Was in Israels Städten passiert, ist besorgniserregend. Gruppen von Randalierern aus der arabischen Gesellschaft verletzen Juden, nur weil sie Juden sind", so Natanyahu. "Ich sage ausdrücklich, dass es nicht die gesamte arabische Gesellschaft ist, nicht mal die Mehrheit aber eine beachtliche Minderheit, die Gewalt ausübt und unser Lebensmodell zwischen Arabern und Juden gefährdet, das wir über die Jahre aufgebaut haben. Das muss enden."

Erneut gab es auch Übergriffe arabischer Israelis auf jüdische Israelis und umgekehrt. In Jaffa wurden zwei Kinder verletzt, nachdem Brandsätze in das Haus einer arabischen Familie geflogen waren.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Mai 2021 um 10:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
schiebaer45 15.05.2021 • 12:35 Uhr

10:53 von CaptainGreybeard @Am 15. Mai 2021 um 09:39 von rareri

Genau das und nichts anderes ist das eigentliche Ziel von Hamas. Denn nur solange es den Arabern in Palästina schlecht geht, geht es Hamas gut. Das ständige Schüren des Konflikts, die immer wiederkehrenden Angriffe auf Israels Zivilbevölkerung (an die IDF trauen sie sich nicht heran!) dienen dem eigenen Machterhalt. Würde sich die Führung der Araber in Palästina gegenüber Israel langfristig friedlich verhalten, ließe sich der Konflikt lösen, weil dann auch auf israelischer Seite die gemäßigten Kräfte wieder eine Chance hätten, in einen Dialog einzutreten, ohne dass sie sich dem Vorwurf ausgesetzt sähen, Israels Sicherheit zu untergraben. Das wäre aber auch das Ende von Hamas. # Genau so sehe ich es auch.