Beamte in Gaza haben das erste Mal seit Monaten wieder Geld bekommen. | Bildquelle: AFP

Israel erlaubt Geldtransport Millionen für die Hamas

Stand: 09.11.2018 15:18 Uhr

Millionen US-Dollar aus Katar sind mit Israels Erlaubnis nach Gaza für die Hamas transportiert worden. Das kann nur bedeuten, dass sich Israel und die Hamas offenbar angenähert haben.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Die Szene erinnerte an einen Mafia-Film. 15 Millionen US-Dollar in bar wurden über die Grenze zum Gazastreifen geschafft. Ein Foto zeigt drei Reisekoffer auf der Rückbank eines Autos. Der israelische Journalist Gal Berger postete es auf Twitter: "Diese Koffer hat der Gesandte von Katar über die Grenze gebracht. Mit dem Geld sollen die Beamten der Hamas in diesem Monat bezahlt werden. An dem Deal ist gewissermaßen ein Dreieck beteiligt: Der Golfstaat Katar, Israel und die Hamas."

Innerpalästinensischer Machtkampf

Die Hamas, die Gaza kontrolliert, wird von Israel, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Deshalb konnte das Geld nicht einfach so überwiesen werden. Am Vormittag wurde das Geld im Gazastreifen ausgezahlt: An bis zu 40.000 Beamte der Hamas, die in den vergangenen Monaten nur zum Teil bezahlt wurden. Die Autonomiebehörde des palästinensischen Präsidenten Machmud Abbas hatte die Gehälter gekürzt.

Die Autonomiebehörde wird von der Fatah-Partei dominiert. Sie will die rivalisierende Hamas im Gazastreifen zwingen, die Kontrolle abzugeben - was die Hamas nicht tut. Vor Banken im Gazastreifen bildeten sich lange Schlangen. Einer der Männer drückt seine Erleichterung aus: "Wir danken unseren Brüdern in Katar für ihre Bemühungen. Sie unterstützen den Gazastreifen, sie stehen an unserer Seite. Dafür danke ich ihnen."

Geld für Waffenruhe

Bemerkenswert ist, dass Israel den Geldtransfer an die Hamas erlaubt hat. Es ist ein Hinweis darauf, dass sich Israel und die Hamas in Geheimverhandlungen angenähert haben. Medien berichten von einem möglichen kurzfristigen und einem langfristigen Abkommen.

Demnach lockert Israel die weitgehende Blockade des Gazastreifens, im Gegenzug stellt die Hamas alle Formen der Gewalt, die von Gaza ausgeht, ein. Der israelische Journalist Berger erklärt: "Israel erkauft sich damit sozusagen eine Waffenruhe für die nächste Zeit. Es gibt auch Leute, die es Schutzgeld nennen. Die Koffer, die wir heute sehen und die mit Millionen gefüllt sind und ihren Weg von Katar zur Hamas über Israel machten, stellen den Beginn eines Abkommens dar. Alles mit dem Segen Israels und dem Wegsehen der Ägypter und der Palästinensischen Autonomiebehörde."

Ägypten hat kein Interesse daran, dass Katar seinen Einfluss ausweitet. In den vergangenen Wochen hatten die Ägypter zwischen Israel und der Hamas vermittelt. Ägyptens Präsident al-Sisi traf sich vor kurzem auch mit dem palästinensischen Präsidenten Abbas, der auch Chef der Autonomiebehörde ist. Laut Medienberichten stimmte Abbas dem Geldtransfer zu, auch wenn davon zunächst die rivalisierende Hamas profitiert.

Langfristige Einigung offen

Die vielen Akteure der Region zeigen, wie kompliziert die Lage ist. Und ob es wirklich zu einer langfristigen Einigung zwischen Israel und der Hamas kommt, ist noch offen. Seit Ende März kommt an der Grenze zwischen Israel und Gaza vor allem an Freitagen zu schweren Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten. Vor einer Woche blieb es zum ersten Mal weitgehend ruhig.

In den von der Hamas beeinflussten Moscheen von Gaza wurden die Menschen heute dazu aufgerufen, erneut an die Grenze zu ziehen. Sie sollen jedoch Abstand zum Grenzzaun halten und keine Gewalt ausüben.

Zeichen für Abkommen? Hamas erhält Geldkoffer mit 15 Millionen US-Dollar
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
09.11.2018 14:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 09. November 2018 um 12:47 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".

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