Das türkische Forschungsschiff "Oruc Reis" vor der Küste Antalyas (Archivbild) | Bildquelle: AP

Türkei und Griechenland Neue Eskalation im Gasstreit

Stand: 12.10.2020 11:29 Uhr

Im Streit zwischen der Türkei und Griechenland über Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer sah es nach Entspannung aus. Doch jetzt schickt Ankara das Forschungsschiff "Oruc Reis" erneut los. Athen ist empört.

Die Türkei entsendet das Gas-Erkundungsschiff "Oruc Reis" erneut ins östliche Mittelmeer. Es werde sich etwa eine Woche dort aufhalten, kündigte die türkische Marine gestern Abend an. Laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu verließ das Schiff am Morgen den Hafen von Antalya.

Die "Oruc Reis" wird den Angaben der Marine zufolge unter anderem südlich der griechischen Insel Kastelorizo unterwegs sein, die unmittelbar vor der türkischen Südküste liegt, und dort seismische Untersuchungen durchführen. Dabei werde es von zwei anderen Schiffen begleitet. Griechenland beansprucht die Gewässer rund um Kastelorizo für sich. Dies weist die Türkei zurück. 

Erzürnte Reaktion aus Griechenland

Das griechische Außenministerium bezeichnete den Schritt als "direkte Bedrohung des Friedens und der Sicherheit in der Region". Man fordere die Türkei auf, ihre Entscheidung unverzüglich rückgängig zu machen und die "illegale Aktion" zu beenden. Die türkische Regierung sei "unzuverlässig" und "nicht wirklich" an einem Dialog interessiert. Ankara sei der "größte Instabilitätsfaktor" in der Region "von Libyen über die Ägäis und Zypern, Syrien, den Irak und jetzt in Berg-Karabach". 

In den vergangenen Wochen hatte es verschiedene Signale der Entspannung gegeben. So hatte sich der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan zu Gesprächen mit Griechenlands Ministerpräsident Mitsotakis bereit erklärt. Diese Woche soll es zudem einen weiteren Vermittlungsversuch von deutscher Seite geben. Dazu besucht Bundesaußenminister Heiko Maas Athen, Ankara und auch Nikosia.

Entspannung - oder Wartungsarbeiten?

Die türkische Regierung hatte die "Oruc Reis" erstmals am 10. August in das zwischen der Türkei und Griechenland umstrittene Gebiet entsandt, dabei wurde sie von Kriegsschiffen begleitet. Zu ihrem Abzug im September teilte die Türkei mit, es handle sich um Wartungsarbeiten. Erdogan sagte damals aber auch, er wolle "der Diplomatie eine Chance" geben.

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Sowohl die EU-Mitglieder Griechenland und Zypern als auch die Türkei erheben Anspruch auf die Seegebiete. Ankara und Athen haben ihre Position auch durch die Entsendung von Kriegsschiffen verdeutlicht. Dies hat Sorgen in der EU verstärkt, dass der Streit zu einem militärischen Konflikt zwischen den NATO-Partnern führen könnte.

Gasstreit eskaliert wieder
Thomas Bormann, ARD Athen
12.10.2020 16:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Oktober 2020 um 12:00 Uhr.

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