Gasplattform im Mittelmeer an der Küste von Haifa | Bildquelle: REUTERS

Gasstreit im östlichen Mittelmeer Neue Allianz, neue Spannungen

Stand: 03.09.2020 11:41 Uhr

Offiziell wollen die am neuen "Gasforum Östliches Mittelmeer" beteiligten Länder einen regionalen Markt für Erdgas etablieren. Vermutlich wurde die Allianz aber vor allem geschaffen, um den Rivalen Türkei zu isolieren.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Am 16. Januar 2020 wurde in Kairo eine neue Allianz gebildet. Und weil sie in der ägyptischen Hauptstadt auch ihren Sitz hat, war es Ägyptens Ölminister Tareq al-Molla, der den Festakt eröffnete: "Heute unterzeichnen wir feierlich die Gründungsurkunde für eine internationale Organisation, die den Namen 'Gasforum Östliches Mittelmeer' trägt."

Neben Ägypten gehören zu den Gründungsmitgliedern Israel, Griechenland, Zypern, Italien, Jordanien und die Palästinensische Autonomiebehörde. Die Organisation möchte einen regionalen Markt für Erdgas schaffen. Die beteiligten Staaten wollen nicht nur Fördermengen und Preise gemeinsam gestalten, sondern auch bei der Infrastruktur kooperieren.

Verteilungskämpfe um Billionen Kubikmeter Erdgas

Der israelische Energieminister Yuval Steinitz hebt besonders die Rolle des Gastgebers hervor. Ägypten entwickle sich zu einem regionalen Zentrum der Erdgasförderung, so Steinitz. Die gesamte Region könne von der geplanten Zusammenarbeit profitieren, auch weil sie dem Frieden und der Stabilität diene.

Ob das mit Frieden und Stabilität klappt, bleibt offen, denn zuerst einmal drohen Verteilungskämpfe. Mehrere Billionen Kubikmeter Erdgas sollen es sein, die unter dem Grund des östlichen Mittelmeers lagern. Es könnte sich sogar um ein Drittel der globalen Gasvorkommen handeln - die sich zudem vor den Toren Europas befinden, wo man gern weniger abhängig von russischem Erdgas wäre.

Ein Ziel: Die Türkei isolieren

Vermutlich wurde das Gasforum Östliches Mittelmeer aber vor allem geschaffen, um den Rivalen Türkei zu isolieren. Die Forumsstaaten haben Fördergebiete abgesteckt, die aber zum Teil von der Türkei beansprucht werden. Sie planen den Bau von Pipelines durch das Mittelmeer, die Ankara aber nicht dulden will.

Die Türkei hat ihrerseits eine Vereinbarung mit der international anerkannten Einheitsregierung von Libyen getroffen. Die erhält dringend benötigte Militärhilfe, während der Türkei dafür ein großer Teil des östlichen Mittelmeers als "Wirtschaftszone" zugebilligt wird. Nach Ansicht des Gasforums verstößt diese Vereinbarung ganz klar gegen internationales Recht.

Illegale Vereinbarung?

Der Deal zwischen der Türkei und der libyschen Einheitsregierung sei illegal, sagt der ägyptische Experte Hassan al-Khouly. Die Vereinbarung ignoriere, dass sich mitten in den umstrittenen Gebieten ein Land befindet, das Zypern heißt und dessen Rechte die Türkei verletze. 

Zypern gehört zum Gasforum Östliches Mittelmeer. Allein schon deshalb ist das Forum ein direkter Rivale der Türkei. Es muss befürchtet werden, dass die Verteilungskämpfe ums Erdgas im östlichen Mittelmeer weiter eskalieren.

Was ist das "Gasforum Östliches Mittelmeer"?
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
03.09.2020 10:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 03. September 2020 um 12:50 Uhr.

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