Der frühere Armeechef Gantz vor einer Israel-Flagge. | Bildquelle: REUTERS

Israelischer Kandidat Gantz Politik-Neuling mit Vertrauensbonus

Stand: 07.04.2019 11:05 Uhr

Der frühere Armeechef Gantz tritt bei den Wahlen in Israel gegen Premierminister Netanyahu an. Er genießt einen großen Vertrauensvorschuss bei den politikverdrossenen Bürgern.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Tel Aviv, Ende Januar. Es ist der erste große Wahlkampfauftritt des ehemaligen Generals Benny Gantz. Aus den Lautsprechern tönt ein Wahlkampfsong. Weder politisch links, noch rechts sei die Partei des Kandidaten, heißt es da. Gantz will es nicht allen, aber vielen Wählern recht machen.

Sein großes Ziel ist, den unter Korruptionsverdacht stehenden Premierminister Israels,Benjamin Netanyahu, nach zehn Jahren im Amt ablösen. "Wir alle verdienen einen Anführer, der morgens aufsteht und an uns denkt. Wir brauchen eine Regierung, die unsere realen Probleme löst und nicht nur mit sich selbst beschäftigt ist. Deshalb danke ich Premierminister Netanyahu für seine Dienste. Wir werden jetzt übernehmen", sagt Gantz.

Der 59-Jährige ist verheiratet und hat vier Kinder. Er ist Sohn einer Holocaust-Überlebenden aus Ungarn. Im Wahlkampf winkt Gantz immer wieder in die Menge, so wie das Profipolitiker nun einmal machen. Aber der groß gewachsene Mann ist kein Profipolitiker. Er wirkt manchmal etwas unbeholfen.

Benny Gantz | Bildquelle: AFP
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Benny Gantz - 59 Jahre alt, verheiratet, vier Kinder. Er ist kein Profipolitiker, und das ist für ihn ein Vorteil.

Ehemals höchster Soldat des Landes

Seiner Popularität hat das nicht geschadet. Im Gegenteil. Denn Gantz soll gar nicht wie ein erfahrener Politiker herüberkommen. Er war früher der Generalstabschef der israelischen Armee und damit der höchste Soldat des Landes.

Aus Sicht des israelischen Politikwissenschaftlers Yoram Peri ist dies ein großer Vorteil für Gantz: "Die Israelis stehen der Politik sehr skeptisch gegenüber. Wenn Sie sich Umfragen anschauen, wem die Israelis vertrauen, kommt an erster Stelle die Armee", sagt Peri. Ganz unten folgten dann Politiker, Parteien und die Medien. "Sie denken: Die Generäle sind bereit, ihr Leben für die Nation zu opfern. Die Politiker hingegen kümmern sich nur um sich", sagt Peri.

Gantz hatte noch kein einziges Interview gegeben, da war er laut Umfragen bereits einer der beliebtesten Kandidaten. Auch eine ältere Frau in einem Einkaufszentrum in Tel Aviv ist von ihm überzeugt:

"Wir kennen ihn noch nicht richtig. Wir wissen nicht viel über ihn. Aber er strahlt für mich den 'Offizier und Gentleman' aus, und dafür wird er meine Stimme bekommen."

Härte gegen die Hamas gefordert 

Weil er sich nicht nur auf den Armeebonus verlassen will, äußerte sich Gantz dann doch zu politischen Positionen. Von einem angeblich linken Politiker, vor dem Konkurrent Netanyahu bei jeder Gelegenheit warnt, ist nicht viel zu sehen.

Ein Abkommen mit dem Iran lehnt Gantz ab - so wie Netanyahu. Gegenüber der Hamas im Gazastreifen fordert er von Netanyahu sogar eine härtere Gangart. Eine mögliche Zweistaatenlösung mit den Palästinensern erwähnt Gantz gar nicht erst.

Israels Generalstabschef Benny Gantz und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu besprechen sich im Jahr 2012 auf einem Kabinettstreffen. | Bildquelle: dpa
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Der damalige Generalstabschef Israels, Benny Gantz, und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu besprechen sich im Jahr 2012 auf einem Kabinettstreffen.

Vage Aussagen im Wahlkampf

Israel werde die Kontrolle über das Jordantal und die großen Siedlungsblöcke im Westjordanland nicht aufgeben. Trotzdem fordert er, dass Israelis und Palästinenser in Zukunft noch getrennter voneinander leben. "Wir werden es nicht zulassen, dass Millionen Palästinenser hinter der Sperranlage unsere Sicherheit und unsere Identität als jüdischer Staat bedrohen."

Ob und wie ein palästinensischer Staat entstehen kann, wenn Israel weiterhin große Teile des Westjordanlandes besetzt, hat Gantz noch nicht verraten. Auch bei anderen Themen blieb er im Wahlkampf vage und legte sich nicht fest. Weder politisch links, noch rechts eben - wie es in dem Wahlkampfsong in Tel Aviv heißt. Mit dieser Taktik scheint Gantz laut Umfragen Erfolg zu haben. Es wird knapp - ist aber möglich, dass der frühere Armeechef der nächste Premierminister Israels wird.

Porträt Benny Gantz: Hauptsache General?
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
04.04.2019 13:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. April 2019 um 12:20 Uhr.

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