Eine Mitarbeiterin eines Impfzentrums holt Ampullen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer aus einem speziellen Kühlschrank. | dpa

G7-Gipfel Impf-Hilfen als "Ablenkungsmanöver" kritisiert

Stand: 13.06.2021 09:12 Uhr

2,3 Milliarden Impfdosen wollen die G7 an ärmere Länder verteilen - für Hilfsorganisationen nicht genug. Sie sehen in den Plänen ein Ablenkungsmanöver und fordern eine Aufhebung des Patentschutzes.

Entwicklungshilfeorganisationen haben die Pläne der führenden Industrienationen (G7) kritisiert, bis Ende nächsten Jahres 2,3 Milliarden Impfdosen an ärmere Länder zu verteilen. Sie sprachen von einem "Verwirrspiel mit Zahlen" und bezeichneten die Pläne als "Ablenkungsmanöver".

Laut WHO werden elf Milliarden Dosen benötigt

"Das hört sich besser an, als es ist", sagte Fiona Uellendahl vom Kinderhilfswerk World Vision. Es reiche bei weitem nicht, da - laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) - elf Milliarden Impfdosen benötigt werden. Die G7 wollten davon ablenken, dass sie gegen eine Freigabe des Patentschutzes seien, sagte Uellendahl. Langfristig müsse in Forschung und Produktion in den ärmeren Ländern investiert werden.

Merkels Verhalten "unverständlich und empörend"

"Dass Kanzlerin Angela Merkel nach wie vor eine Aussetzung des Patentschutzes blockiert, ist unverständlich und empörend", sagte Jörn Kalinski von Oxfam International. In allen Regionen der Welt müsse die Produktion von Impfstoffen aufgebaut werden, um die strukturellen Ursachen für die ungerechte Verteilung zu beseitigen.

Die Menschen in armen Länder dürften nicht vom Wohlwollen der Politiker und profitorientierten Pharmaunternehmen abhängig sein, sagte Kalinski. Auch die WHO und UN halten größere Anstrengungen für nötig.

Joe Biden und Angela Merkel sprechen beim G7-Gipfel in Cornwall | via REUTERS

Merkel hatte die Verteilung der Impfdosen an ärmere Länder angekündigt. Einen Beschluss gibt es noch nicht. Bild: via REUTERS

Merkel hatte angekündigt, dass die G7 die Verteilung von 2,3 Milliarden Impfdosen ermöglichen wolle. Ob es sich dabei nur um Spenden oder auch um Exporte oder die Finanzierung der internationalen Impfinitiative Covax handelt, blieb zunächst unklar. Ein finaler Beschluss lag noch nicht vor.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juni 2021 um 12:15 Uhr.

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Moderation 13.06.2021 • 15:57 Uhr

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