Angela Merkel mit FFP2-Maske | AP

G7-Impfhilfen Merkel sichert "erheblichen Beitrag" zu

Stand: 13.06.2021 15:40 Uhr

Bis 2022 wollen die G7 2,3 Milliarden Impfdosen an ärmere Länder verteilen. Das bekräftigte Kanzlerin Merkel. Deutschland werde sich in "erheblichem Maße" beteiligen. Hilfsorganisationen gehen die G7-Pläne nicht weit genug.

Die G7-Staaten werden nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel ärmeren Ländern bis Ende 2022 2,3 Milliarden Corona-Impfdosen liefern. Am letzten Tag des EU-Gipfels sicherte sie einen "erheblichen Beitrag" aus Deutschland bei der Verteilung von Corona-Impfstoffen zu. Deutschland finanziere davon umgerechnet 350 Millionen Impfdosen - vor allem über die internationale Impfinitiative Covax . Aus eigenen Beständen werde man zunächst 30 Millionen Dosen spenden. Es könnten aber noch mehr werden, wenn es einen Überschuss gebe. "Deutschland beteiligt sich in erheblichem Maße", so Merkel.

Derzeit sei es schwierig, auf diesem Feld Zusagen zu machen, weil man etwa durch die Kürzung beim Hersteller Johnson & Johnson wieder die Erfahrung gemacht habe, dass nicht alle bestellten Impfstoffmengen auch geliefert würden. "Wenn wir etwas überzählig haben, werden wir das weitergeben", sagte Merkel vor allem mit Blick auf das vierte Quartal, wenn mehr Impfstoff von den Firmen geliefert werden solle, als für die Impfungen der Menschen in Deutschland nötig ist.

Kanzlerin zieht positives Fazit

Merkel zog ein positives Fazit des ersten G7-Gipfels mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden. "Durch die Wahl von Joe Biden zum amerikanischen Präsidenten ist ja die Welt nicht so, dass sie keine Probleme mehr hätte. Aber wir können mit neuem Elan an der Lösung dieser Probleme arbeiten", sagte Merkel.

Der G7-Gipfel habe ein "ganz eindeutiges Bekenntnis zu einer regel- und wertebasierten multilateralen Welt abgegeben", so die Bundeskanzlerin. "Die G7 wollen sich engagieren in den großen Themen, die wir heute zu bewerkstelligen haben."

Merkel: Pandemie kann "nur global besiegt werden"

Ziel sei, den Zugang aller Menschen zu Impfstoffen sicherzustellen, sagte Merkel weiter. Sie fügte hinzu, die G7-Gruppe sei sich "einig, dass die Pandemie nur global besiegt werden kann. Der Weg aus der Pandemie sind Impfstoffe."

Es gehe zudem darum, die globale Impfstoffproduktion zu fördern. Die G7-Gruppe wolle, dass die Mittel nicht mehr nur in Europa oder Asien hergestellt werden, sondern auch in Afrika. Hier engagiere sich vor allem das Mainzer Pharmaunternehmen BioNTech, sagte Merkel, ohne weitere Details zu nennen.

EU-Ratspräsident Charles Michel bezeichnete den Plan für eine weltweite Verteilung von Corona-Impfstoff als eines der wichtigsten Ergebnisse des Gipfels. Die G7 hätten sich damit dem Vorhaben der EU angeschlossen, die Produktion und Bereitstellung von Impfstoffen weltweit zu beschleunigen.

G7-Impfpläne als "Verwirrspiel mit Zahlen" kritisiert

Entwicklungsorganisationen hatten die G7-Pläne zur Impfstoff-Verteilung im Vorfeld bereits als "Ablenkungsmanöver" und unzureichend kritisiert. Sie sprachen von einem "Verwirrspiel mit Zahlen" beim G7-Gipfel.

Auch die neuen Pläne gingen angesichts der benötigten elf Milliarden Impfdosen nicht weit genug. "Das hört sich besser an, als es ist", sagte Fiona Uellendahl vom Kinderhilfswerk World Vision. Es reiche bei weitem nicht. "Die G7 werfen eine Nebelkerze." Sie wollten davon ablenken, dass sie gegen eine Freigabe des Patentschutzes seien. "Ein globaler Plan zur Bekämpfung der Pandemie sieht anders aus", so Uellendahl. Langfristig müsse in Forschung und Produktion in den ärmeren Ländern investiert werden.

Merkels Verhalten "unverständlich und empörend"

"Dass Kanzlerin Angela Merkel nach wie vor eine Aussetzung des Patentschutzes blockiert, ist unverständlich und empörend", sagte Jörn Kalinski von Oxfam International. In allen Regionen der Welt müsse die Produktion von Impfstoffen aufgebaut werden, um die strukturellen Ursachen für die ungerechte Verteilung zu beseitigen. "Dazu sind die Aussetzung des Patentschutzes, der Technologie- und Know-how-Transfer und Investitionen in Produktionskapazität nötig", sagte Kalinski. Obwohl die Entwicklung der lebensrettenden Impfstoffe mit Steuergeldern unterstützt worden sei, behandele die Kanzlerin die Vakzine als Privateigentum einiger weniger Unternehmen.

Romilly Greenhill von der Organisation One sprach von einem "geheimnisvollen Nebel", der die genannten Zahlen umhülle. "Die Welt muss einen klaren Fahrplan sehen." Fraglich sei, wo die Impfstoffe herkommen sollen. Auch sei unklar, was wirklich neu oder von früheren Zusagen erneuert worden sei.

WHO fordert größere Anstrengungen

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UN-Generalsekretär Antonio Guterres halten weit größere Anstrengungen für nötig als bisher geplant. Die WHO schätzt den Bedarf auf elf Milliarden Impfdosen. Die WHO dringt seit Wochen darauf, dass reiche Länder statt gesunde Jüngere zu impfen Impfstoffdosen spenden, damit in ärmeren Ländern wenigstens Pflegepersonal und die gefährdetsten Menschen geimpft werden können.

Zu den G7-Staaten gehören neben Großbritannien und den USA auch Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und Kanada.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Juni 2021 um 14:00 Uhr.

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Moderation 13.06.2021 • 17:38 Uhr

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