Die Teilnehmer des G7-Gipfels stehen mit der Queen in einem Garten. | AP

G7-Gipfel in Cornwall Die neue Harmonie

Stand: 12.06.2021 03:57 Uhr

Der erste Tag des G7-Gipfels im britischen Cornwall ging mit demonstrativer Geschlossenheit zu Ende. Doch ob den warmen Worten auch handfeste Resultate folgen, wird sich erst heute zeigen.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington, zzt. Cornwall

Gastgeber Boris Johnson kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: Es sei "wahrhaftig wundervoll", alle Gipfelteilnehmer persönlich begrüßen zu können. Die mächtigsten Staats- und Regierungschefs dieser Erde an der malerischen Küste Südwest-Englands zusammenzubringen, ist für Johnson die ideale Inszenierung, um das neue, aus den Fesseln der EU befreite Britannien strahlen zu lassen.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Bundeskanzlerin Merkel, die sich in Cornwall aus dem erlauchten Kreis verabschiedet, klang für ihre Verhältnisse auch durchaus schwärmerisch: "Ich freue mich, hier in Cornwall zu sein und am G7-Treffen teilzunehmen, das von Boris Johnson, dem britischen Premierminister, ja organisiert wird."

Diplomatie bei Steinbutt und Baisertorte

Sogar ihre Majestät, die Queen persönlich, ließ es sich mit ihren 95 Jahren nicht nehmen, in Cornwall dazuzustoßen. Sie nahm an einem Dinner teil. Serviert wurde an der kornischen Küste gefangener Steinbutt, kornischer Käse und zum Dessert eine "English Strawberry Pavlova" - also eine mit Sahne und Erdbeeren gefüllte Baisertorte. Die königliche Familie wurde zudem von den Prinzen Charles und William repräsentiert.

In seiner Tischrede, in der es um die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie ging, griff der britische Thronfolger den Wahlkampfslogan von US-Präsident Joe Biden aus dem vergangenen Jahr auf: "Build Back Better". Auch Boris Johnson zitierte Biden: Von der wirtschaftlichen Erholung müsse die gesamte Gesellschaft profitieren, so der britische Premier, nur so könne "Build Back Better" funktionieren, ein Wiederaufbau zum Besseren.

Gipfelveteranen rühmen die wesentlich entspanntere Atmosphäre, jetzt da die Unruhe der Trump-Ära vorbei ist. Sogar Johnson, der gelegentlich der "europäische Trump" genannt wurde und mit dem früheren US-Präsidenten ungewöhnlich gut zurechtkam, rühmte den frischen Wind, den Biden in das Gremium bringe.

Jetzt geht es um handfeste Resultate

Auch die Bundeskanzlerin attestierte eine Rückkehr zu einer Normalität des konstruktiven Miteinanders: "Ich freue mich natürlich, dass der amerikanische Präsident hier dabei ist", sagte Merkel. "Joe Biden zum ersten Mal begegnen zu können ist natürlich etwas Wichtiges, denn er repräsentiert das Bekenntnis zum Multilateralismus, das uns doch in den letzten Jahren gefehlt hat."

Es ist eine Anspielung auf den "America first"-Präsidenten Donald Trump. Doch ob das Bekenntnis zum Multilateralimus auch handfeste Resultate nach sich ziehen kann, das zeigt sich ab heute. Eine wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise, die sozial ausgewogen ist, Lehren für die künftige Pandemie-Bekämpfung, gemeinschaftliches Vorgehen gegen den Klimawandel: Die Liste der dringlichen Probleme ist lang. Gastgeber Johnson jedenfalls steht im Wort, dass es in der Post-Corona-Welt grüner, fairer und gleicher zugehen soll.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. Juni 2021 um 21:50 Uhr und MDR Aktuell im Hörfunk am 12. Juni 2021 um 07:05 Uhr.