Neue Kritik an Arbeitsbedingungen in Katar Hunderte Tote beim WM-Stadionbau?

Stand: 30.03.2016 21:24 Uhr

Ein Bericht über weitere Todesfälle auf den WM-Baustellen in Katar hat die Fußball-Welt erneut aufgeschreckt. Laut dem britischen "Guardian" kamen beim Bau der Einrichtungen für die WM 2022 deutlich mehr Arbeiter ums Leben als bislang bekannt.

Laut "Guardian" starben in den vergangenen zwei Jahren 382 Nepalesen bei Arbeiten in Katar. Im September hatte das Blatt bereits berichtet, dass zwischen dem 4. Juni und dem 8. August insgesamt 44 nepalesische Gastarbeiter auf den WM-Baustellen wegen Herzversagens oder Arbeitsunfällen als Folge katastrophaler Bedingungen gestorben waren. Die Zeitung beruft sich auf offizielle Dokumente. Ein Sechstel der in dem Emirat tätigen zwei Millionen Gastarbeiter kommen dem Blatt zufolge aus Nepal. Die Regierung von Katar habe eine offizielle Untersuchung eingeleitet.

Gastarbeiter in Katar
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In dem kleinen Golfemirat Katar arbeiten rund zwei Millionen Gastarbeiter.

Unterkunft für Gastarbeiter in Katar
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Viele von ihnen arbeiten und leben in dem reichen WM-Ausrichterland unter unzumutbaren Bedingungen.

"Alle wurden von der FIFA verraten"

Der "Guardian" hatte einen Teil der Informationen von der nepalesischen Organisation Pravasi Nepali Coordination Committee (PNCC) erhalten, die sich für die Rückführung der Leichen ihrer Landsleute in ihre Heimat einsetzt. Demnach treffen ständig neue Meldungen über Tote in Katar ein. Die Organisation rief alle FIFA-Sponsoren dazu auf, ihre Geschäftsbeziehungen zum Weltverband zu überprüfen, der die WM im Dezember 2010 überraschend nach Katar vergeben hatte.

"Das waren alles junge und tatkräftige Menschen, deren Zukunft vor ihnen lag, die Familien zu Hause hatten und für die es sich lohnte, zu leben", heißt es in einem Statement des PNCC. Viele von ihnen hätten sich "richtiggehend zu Tode arbeiten" müssen, heißt es weiter: "Alle wurden von der FIFA verraten."

FIFA fordert von Katar faire Arbeitsbedingungen

Die FIFA erkärte, in Katar müssten "zügig und dauerhaft durchweg faire Arbeitsbedingungen" eingeführt werden, "und zwar auf einer nachhaltigen Basis", hieß es vom Verband, der "auf eine Dringlichkeitslösung" hinarbeite. "Die Anwendung internationaler Verhaltensnormen ist ein Grundsatz, Bestandteil all unserer Aktivitäten und wird von allen Ausrichtern unserer Veranstaltungen erwartet", schrieb die FIFA.

Der Verband glaube "fest an die positive Macht", die die WM in Katar als Plattform für soziale Veränderungen haben könne, "einschließlich der Verbesserung der Arbeitsrechte und der Bedingungen für Gastarbeiter".

Niersbach: "Es ist furchtbar"

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach zeigte sich schockiert: "Es ist furchtbar, die erschütternden Meldungen von den Baustellen in Katar zu lesen. Es reicht nicht aus, diese Missstände immer wieder zu beklagen, es muss schnellstens etwas Konkretes passieren", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Niersbach hofft auf ein Einschreiten von FIFA und Internationalem Gewerkschaftsbund, weil beide zusammen den Druck erhöhen und über diesen Weg "hoffentlich die dringend nötigen Änderungen" erreichen könnten.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. Januar 2014 um 21:45 Uhr.

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