Plakat gegen das Fußballspiel Argentinien - Israel in Hebron | Bildquelle: AFP

Nach Palästinenser-Protesten Argentinien sagt Israel-Spiel ab

Stand: 06.06.2018 14:36 Uhr

Nach palästinensischen Protestaufrufen hat Argentinien ein Fußball-Länderspiel gegen Israel abgesagt. Das WM-Testmatch sollte auf israelischen Wunsch von Haifa nach Jerusalem verlegt werden.

Das für Samstag angesetzte Länderspiel zwischen Israel und Argentinien in Jerusalem ist abgesagt worden. Vorausgegangen waren palästinensische Proteste gegen den Auftritt des Vize-Weltmeisters in der Heiligen Stadt. Das Freundschaftsspiel hatte ursprünglich in Haifa stattfinden sollen, war dann aber aber mit Unterstützung israelischer Behörden nach Jerusalem verlegt worden.

Proteste auch in Barcelona

Demonstranten hatten ihrem Ärger auch vor dem argentinischen Trainingsquartier in Barcelona Luft gemacht. Dschibril Radschub, Chef des palästinensischen Fußballverbands, hatte dazu aufgerufen, Trikots und Bilder des argentinischen Starspielers Lionel Messi zu verbrennen.

"Gesundheit und Vernunft gehen vor", sagte der argentinische Nationalstürmer Gonzalo Higuaín dem Sportsender ESPN. Deshalb sei es richtig, nicht zum Testspiel nach Israel zu reisen. Trainer Jorge Sampaoli sei auf der Suche nach einem neuen Rivalen vor Beginn der WM, berichtete die Zeitung "La Nación". Kandidaten hierfür seien San Marino und Malta.

Israel bezeichnet Absage als "Schande"

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman kritisierte die Spielabsage auf Twitter heftig: "Es ist eine Schande, dass die argentinischen Fußballstars dem Druck der Israel-Hasser nachgegeben haben, deren einziges Ziel es ist, Israels Grundrecht zur Selbstverteidigung zu verletzen und seine Vernichtung herbeizuführen."

Auch der israelische Fußballverband zeigte Unverständnis, vor allem für das Handeln des palästinensischen Verbandchefs. Radschubs "physische und brutale Drohungen" würden "jegliche rote Linien überschreiten". Dagegen wolle der israelische Verband Beschwerde bei der FIFA einreichen.

Radschub lobte die Absage. "Der Sport hat heute triumphiert, und Israel wurde durch die Absage des Spiels die Rote Karte vors Gesicht gehalten", sagte er nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa.

Jerusalem problematischer Austragungsort

Das Testspiel der Argentinier sollte im Teddy-Kollek-Stadion im Jerusalemer Stadtteil Malha stattfinden, wo einst ein palästinensisches Dorf stand.

Argentinien sagt nach Drohungen Fußballmatch in Jerusalem ab
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
06.06.2018 10:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Juni 2018 um 4:58 Uhr.

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