Mesen

"Flanders Peace Field" gedenkt Fußballspiel Ein kurzer Moment des Friedens im Krieg

Stand: 10.08.2013 12:56 Uhr

Der Erster Weltkrieg war brutal, das Leben an der Front beschreiben Soldaten später als Hölle auf Erden. Selten die Momente des Friedens oder gar der Verständigung. Und doch: Auf einem Feld in Flandern, inmitten der Schützengräben, kam es Weihnachten 1914 genau dazu, als sich deutsche und britische Soldaten spontan zum Fußball trafen und die Waffen schwiegen. Das Projekt "Flanders Peace Field" will daran erinnern.

Von Wolfgang Landmesser, WDR, ARD-Hörfunkstudio Brüssel

Heute ist es wirklich ein Ort des Friedens. Vom alten Fußballplatz der flämischen Gemeinde Mesen haben wir einen schönen Blick auf die Landschaft ringsum und ins Tal des Flüsschens Douve. Damals, im Ersten Weltkrieg, verlief hier die Front, erzählt Henk van Nieuwenhove: "Da unten waren die Schützengräben, links und rechts von der Douve war Niemandsland, und da haben sie Fußball gespielt."

Fußball zwischen Schützengräben - das "Flanders Peace Field"
W. Landmesser, ARD Brüssel
10.08.2013 12:47 Uhr

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Henk organisiert das Projekt "Flanders Peace Field", das an ein einzigartiges Fußball-Match erinnern will: An den Weihnachtstagen 1914 kam es spontan zu friedlichen Begegnungen zwischen deutschen und britischen Soldaten. Bitterkalt war es am Weihnachtsabend. Und dann geschah es: "Die deutschen Soldaten haben Weihnachtsbäume auf die Schützengräben gestellt, mit Kerzen verziert. Und sie haben angefangen Lieder zu singen. Auf der anderen Seite konnten sie die Lieder hören, sie haben zusammen gesungen. Und dann braucht es nicht mehr viel: Jemand hält eine Fahne oder die Hand in die Höhe. Und der erste, der raus kommt - der ist für mich ein Held", sagt van Nieuwenhove.

"Erfüllt von friedlicher sportlicher Gemeinsamkeit"

Was an Weihnachten 1914 passierte, wissen wir aus den Briefen und Erinnerungen von Soldaten. Wie es zum Fußballspielen kam, berichtete der deutsche Leutnant Johannes Niemann so: "Plötzlich brachte ein Schotte einen Fußball an, und es entwickelte sich ein regelrechtes Fußballspiel mit hingelegten Mützen als Toren. Zwar erreichte so manche Flanke nicht ihr Ziel, der hartgefrorene Acker ließ ein richtiges Spiel eigentlich nicht zu. Aber alle Akteure und auch die Zuschauer waren erfüllt von friedlicher sportlicher Gemeinsamkeit." Drei zu zwei für die Deutschen soll das Spiel übrigens ausgegangen sein.

Fußballplatz
galerie

An dieser Stelle soll die Gedenkstätte "Flandern Peace Field" entstehen.

Die Erinnerung an den Moment des Friedens mitten in einem grausamen Krieg will "Flanders Peace Field" wach halten: Den alten Fußballplatz von Mesen wollen die Organisatoren als Gedenkstätte herrichten. In einer Feierstunde kurz vor Weihnachten 2014 werden Vertreter der Länder, die damals gegeneinander gekämpft haben, hier Reden halten. Ehemalige Fußballstars werden auch nicht fehlen, hofft der frühere Sportreporter Henk van Nieuwenhove: "Wir hätten schon sehr gerne, dass ein paar Fußballer dabei sind, die 1966 beim WM-Finale zwischen Deutschland und England in Wembley gespielt haben. Das war auch ein sehr symbolisches Match. Wir denken da zum Beispiel an Beckenbauer oder Bobby Charlton. Und wir hoffen, dass das klappt."

Internationales Freundschaftsspiel am historischen Ort

Am besten gibt es dann ein Freundschaftsspiel an historischer Stelle, die nationalen Fußballverbände sind bereits eingeschaltet. Willi Lemke ist vom Projekt begeistert. Der ehemalige Manager von Werder Bremen arbeitet heute für die Vereinten Nationen und leitet das Büro in Genf, das über den Sport Frieden und Entwicklung in aller Welt fördern soll: "Dieses in der Erinnerung zu halten der Jugend Europas, aber auch der ganzen Welt, das halte ich für ein gutes Anliegen, weil es etwas Konkretes ist. Das ist nicht nur theoretisches Blabla, sondern das ist ganz konkret, das haben die Soldaten damals gemeinsam gemacht", sagt Lemke.

Bei Reden und Resolutionen zum Jahrestag des historischen Fußballspiels soll es aber nicht bleiben, findet Lemke: "Wenn man das dann flankiert, dass man sagt, wir nehmen aus den Nationalverbänden einige Repräsentanten, die noch in der Lage sind Fußball zu spielen und die jedes Kind zumindest älteren Semestes kennt, fände ich das eine wunderschöne Idee."

"Ein echtes Gemeinschaftsgefühl"

Den Organisatoren geht es aber nicht um ein einmaliges Event zum Jahrestag des Fußballspiels zwischen den Schützengräben. In der Jugendbegegnungsstätte "Flanders Peace Village" sind ganz spezielle Fußballcamps geplant - zum Beispiel für deutsche und britische Jugendliche: "Die spielen dann zuerst gegeneinander, dann spielen sie in gemischten Mannschaften. Und drum herum kann man einen ganzen Workshop entwickeln, wo es darum geht, ein echtes Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen."

Zu Weihnachten 2014 soll auch ein internationales Jugendfußballturnier stattfinden - in Ypern, knapp zehn Kilometer entfernt. Es gibt noch viel zu organisieren, Sponsoren sind willkommen. Und die große Namen fehlen noch. Beckenbauer, Bobby Charlton und Co. sollten sich den Termin jedenfalls schon mal freihalten.

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