Fußball-Stadion in Doha

Fußball-WM 2022 in Katar Ausbeutung für die große Fußballshow

Stand: 29.07.2018 12:10 Uhr

Es ist die Schattenseite des Fußball-Spektakels in Katar: Damit Infrastruktur und Stadien rechtzeitig für die Fifa-Weltmeisterschaft 2022 fertig werden, schuften Tausende ausländische Arbeiter auf den Baustellen des Wüstenemirats. Der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Arbeitsbedingungen, die dort herrschen.

Bis zu 600 Arbeiter könnten bis zur WM jedes Jahr sterben, rechnet der IGB laut der britischen Zeitung "Guardian" vor, sollte die Regierung in Doha keine Maßnahmen ergreifen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Ursache für die Todesfälle sei die harte und gefährliche Arbeit sowie die mangelnde Hygiene in den Massenunterkünften.

Zuvor hatte der "Guardian" unter der Berufung auf die nepalesische Botschaft in Katar von 44 Arbeitern aus Nepal berichtet, die allein zwischen dem 4. Juni und dem 8. August 2013 auf Baustellen in Katar ums Leben gekommen sein sollen. Mehr als die Hälfte von ihnen sei an Herzversagen oder durch Arbeitsunfälle gestorben.

Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen auf den WM-Baustellen in Katar
P. Steffe, ARD-Hörfunkstudio Kairo
29.07.2018 12:10 Uhr

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Die Regierung von Nepal rief inzwischen ihre Botschafterin aus Katar zurück. Sie hatte angesichts der Arbeitsbedingungen für ihre Landsleute schon vor Monaten von einem "offenen Gefängnis" gesprochen. Nachdem der "Guardian" Zitate abgedruckt und die Regierung von Katar sich beschwert hatte, wurde sie nun abberufen.

1,2 Millionen Arbeiter - vorwiegend aus Indien und Nepal

In Katar arbeiten Schätzungen zufolge etwa 1,2 Millionen Ausländer, die meisten von ihnen stammen aus Indien, Nepal und Sri Lanka. 500.000 weitere Arbeitskräfte könnten aus diesen Ländern wegen der WM nach Katar kommen, erwartet der IGB. Die meisten Ausländer in dem Golfstaat arbeiten als Bauarbeiter.

Stadion in Doha, Katar.
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Stadion in Doha: War die WM-Vergabe an Katar ein Fehler?

Berichten von Arbeitern zufolge wurden sie auch bei Temperaturen von 50 Grad zur Arbeit gezwungen. Dabei sei ihnen Trinkwasser verweigert worden. Zudem gibt es Berichte, dass Pässe beschlagnahmt und Gehälter nicht gezahlt wurden. In den überfüllten Unterkünften seien Krankheiten weit verbreitet.

Der indische Botschafter in Katar berichtete laut "Guardian" von 82 Indern, die in den ersten fünf Monaten diesen Jahres in Katar gestorben seien. Seit 2010 seien damit bereits mehr als 700 ums Leben gekommen.

"System moderner Sklaverei"

"Katars Behörden unternehmen nichts Substanzielles, um das Problem anzugehen", zitiert der "Guardian" IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow, die sich deswegen bereits mit Katars Arbeitsminister getroffen hatte. Es brauche ein klares Signal von Seiten des Weltfußballverbandes Fifa, so Burrow weiter. Der Verband dürfe keine Weltmeisterschaft dulden, die auf einem "System moderner Sklaverei" aufgebaut sei.

Der Weltfußball-Verband FIFA zeigte sich über die Berichte "besorgt" und kündigte an, die Verantwortlichen aus dem Wüstenstaat zu kontaktieren. "Diese Berichte werden beim Treffen des Exekutivkomitees am 3./4. Oktober diskutiert", teilte die FIFA auf Twitter mit. Eine Stellungnahme des Emirats liegt bislang noch nicht vor. Katar gehört zu den reichsten Ländern der Welt - nirgends ist das Pro-Kopf-Einkommen höher.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 27. September 2013 um 09:15 Uhr.

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