Flüchtlinge stehen in Algeciras (Spanien) in einer Schlange | Bildquelle: AFP

Frontex-Bericht Druck auf Spanien und Griechenland steigt

Stand: 07.01.2019 04:00 Uhr

Kontrollen der libyschen Küstenwache sorgen dafür, dass Schlepper immer seltener Menschen aus Nordafrika nach Italien bringen. Dafür erhöhen sich die Zahlen in anderen Ländern am Mittelmeer.

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Der Frontex-Bericht 2018 lässt keinen Zweifel: Die Flüchtlingsrouten über das Mittelmeer ändern sich. Die vor allem aus dem Niger operierenden Schlepperbanden meiden mittlerweile die sogenannte zentrale Mittelmeerroute über Libyen nach Italien, eine Route, die von der libyschen Küstenwache kontrolliert wird.

Auf dieser zentralen Mittelmeerroute wurde im vergangenen Jahr die geringsten Ankünfte seit 2012 registriert. Die Zahl der aus Libyen kommenden illegalen Migranten fiel im Vergleich zum Vorjahr um 87 Prozent. Migranten aus Mali, Guinea, der Elfenbeinküste, aus Togo, Tunesien, dem Senegal und dem Kongo weichen seit Mitte vergangenen Jahres vor allem auf die westliche Mittelmeerroute aus.

Immer mehr Migrantion nach Spanien

Schlepperbanden spezialisieren sich zunehmend auf die Route über Marokko nach Spanien. Die Zahl der hier ankommenden afrikanischen Migranten hat sich im vergangen Jahr verdoppelt. Allein im Juni 2018 reisten 7300 Menschen illegal nach Spanien ein. Zum Beispiel über die Spanischen Exklaven Ceuta und Melilla an der marokkanischen Küste.

600 Migranten stürmten Ende Juli den sechs Meter hohen Grenzzaun von Ceuta. Mehrere spanische Grenzpolizisten wurden verletzt, als einige Migranten Brandkalk und improvisierte Flammenwerfer einsetzten. Im Herbst nahm die Zahl der von Afrika nach Spanien Eingewanderten weiter zu, auf über 10.700 allein im Oktober.

Lange wurde Spanien als eines der wenigen Länder der EU weitgehend vom Rechtspopulismus verschont. Wie lange noch fragt man sich besorgt in Brüssel. Denn im Dezember gewann bei der Regionalwahl in der einstigen sozialistischen Hochburg Andalusien eine rechtsextreme Partei aus dem Stand zwölf Prozent der Stimmen.

Mehr Einwanderung nach Griechenland

"Wir würden gern schneller sein bei der Verstärkung der EU-Grenzschutzbehörde Frontex", betont seit Monaten die EU-Kommission. Das sei keine beliebige Idee, welche die Kommission einfach mal so entwickelt habe, unterstreicht Kommissionschef Jean-Claude Junckers Sprecher. Frontex soll von 1500 auf zehntausend Mann verstärkt werden und beim Schutz der Außengrenzen und Abschiebungen eine deutlich wichtigere Rolle spielen - so der Wunsch der EU-Kommission. Doch dagegen wehren sich mehrere EU-Staaten. "Ein ganz normaler Diskussionsprozess auf europäischer Ebene", betont Junckers Sprecher.

Einen verstärkten Flüchtlingsdruck beobachtet Frontex nicht nur auf der westlichen Mittelmeerroute nach Spanien. Auch auf der östlichen Mittelmeerroute von der Türkei nach Griechenland nahm im vergangenen Jahr die Zahl der Migranten zu, trotz des 2016 abgeschlossenen EU-Flüchtlingsdeals mit der Türkei.

Rund 4800 Menschen waren es im vergangenen Juni, rund 6800 im Oktober. Das sind drastisch niedrigere Zahlen als vor dem Türkei-Deal, aber die Tendenz ist steigend. Vor allem Afghanen, Syrer und Iraker versuchen laut Frontex aus der Türkei auf die griechischen Inseln zu gelangen. Und auf dem Landweg nach Griechenland versuchen es immer mehr Türken.

Frontexbericht: Flüchtlinge weichen auf westliche Mittelmeer-Route aus
Ralph Sina, WDR Brüssel
06.01.2019 23:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Januar 2019 um 12:42 Uhr.

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