Kinder in einem UN-Flüchtlingscamp im Jemen | Bildquelle: dpa

Gespräche in Stockholm Dritter Anlauf für Frieden im Jemen

Stand: 06.12.2018 11:41 Uhr

Vier Jahren Krieg, Zehntausende Tote - nichts braucht der Jemen mehr als Friedensgespräche. In Stockholm ist der dritte Versuch gestartet. Längst geht es um die Zukunft einer ganzen Region.

Von Martin Durm, ARD-Studio Kairo

"Verletzte Huthi Rebellen aus Sanaa ausgeflogen", meldeten Anfang der Woche internationale Nachrichtenagenturen. Dass sie die Evakuierung von 50 Milizionären schon vor Beginn der Verhandlungen als hoffnungsvolle Nachricht bewerten, lässt ahnen, wie hoffnungslos die Lage im Jemen eigentlich ist: Es handle sich um die derzeit schwerste humanitäre Krise weltweit, sagen Sprecher der Vereinten Nationen.

Jemen: Eine Frau und ein Kind malen während einer Kunstaktion Gaffiti an eine Wand | Bildquelle: dpa
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Etwa 10.000 Menschen sind nach UN-Angaben bereits bei dem Konflikt im Jemen getötet worden.

Neuer Anlauf für Frieden

Vier Jahren Krieg, Zehntausende Tote, Hunger, Seuchen - nichts braucht der Jemen mehr als Friedensgespräche. Zwei Anläufe gab es bereits: 2016 in Kuwait, 2017 in Genf. Beide scheiterten kläglich. Jetzt also Schweden.

"Wir stehen Gewehr bei Fuß bereit für Verhandlungen", sagt Hmeed Aasem, ein Vertreter der Huthi-Rebellen. "Wir strecken die Hand zum Frieden aus. Wenn sie ihn wollen, können sie ihn haben. Wollen sie Krieg, bekommen sie ihn auch. Die vergangenen vier Jahre sollten klar gemacht haben, dass sie uns nicht besiegen können."

2014 hatte die Huthi-Rebellen aus dem Nordjemen zuerst die Hauptstadt Sanaa eingenommen und dann fast das ganze Land überrannt. Gestoppt wurden sie erst, als Saudi-Arabien mit acht anderen arabischen und afrikanischen Ländern eine Militärallianz schloss und intervenierte.

Jemen-Friedensgespräche beginnen in Stockholm
tagesschau 12:00 Uhr, 06.12.2018, Christian Stichler, ARD Stockholm

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Welche Rolle spielt Saudi-Arabien?

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman, damals Verteidigungsminister, versprach einen schnellen Sieg: "Wir könnten die Huthi in wenigen Tagen ausrotten", sagte er, "aber wir machen es nicht, das würde zu viele Opfer fordern und dann gäbe es überall nur Begräbnisse." 

Der Kronprinz steht mittlerweile wegen des nicht enden wollenden Kriegs und auch wegen der Khashoggi-Affäre enorm unter Druck. Womöglich ist Saudi-Arabien deshalb daran gelegen, möglichst gesichtswahrend aus dem Jemen herauszukommen. 

Es gehört zu den Absurditäten dieses Konfliktes, dass die Saudis im Jemen einerseits unbarmherzige Kriegsherren sind, andererseits aber als barmherzige Samariter auftreten. Zusammen mit ihren Verbündeten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, haben sie seit Kriegsbeginn nach eigenen Angaben Hilfsgüter im Wert von vier Milliarden Dollar in den Jemen geliefert. "Wir sind diejenigen, die mit Abstand die meiste humanitäre Hilfe in den Jemen bringen", sagte der saudische Außenminister Adel al Jubeir in einem Interview der britischen BBC. Unglücklicherweise komme vieles nicht an, weil Transporte von Huthi geplündert würden.

Huthi tragen Mitschuld

Die Saudis haben eine schlechte Presse im Westen. Kommentatoren setzen sie oft auf die Anklagebank. Sie verweisen auf die brutalen Flächenbombardements der saudischen Luftwaffe, auf die zahllosen Toten in Dörfern und Städten. Doch schuld am jemenitischen Elend ist auch die aufständische Huthi-Miliz, die sich unter anderem durch Erpressung und Kidnapping finanziert.

Dass die Huthi inzwischen massiv vom Iran munitioniert werden, ist nicht nur saudische Kriegspropaganda. Es deckt sich auch mit dem Kriegsverlauf und den Erkenntnissen westlicher Nachrichtendienste. Wie sonst könnten die Huthi iranische Raketen bis nach Riad feuern?

Der Jemenkrieg lässt sich - wie die meisten Konflikte - nicht mit einem Schwarz-Weiß-Muster fassen. Er begann als Bürgerkrieg, wurde zum Interventionskrieg und ist mittlerweile ein Stellvertreterkrieg zwischen Iran und Saudi-Arabien. Es geht längst nicht mehr nur um den Jemen. Es geht um die Vorherrschaft in der gesamten Region. 

Jemen-Krieg: Hoffnung auf Ende des Krieges?
Martin Durm, SWR Kairo
06.12.2018 06:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 06. Dezember 2018 die tagesschau um 04:58 Uhr und Deutschlandfunk um 05:41 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

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