Friedensnobelpreis-Medaille | Bildquelle: AFP

Friedensnobelpreisträger Kämpfer gegen sexuelle Gewalt

Stand: 05.10.2018 11:51 Uhr

Der kongolesische Arzt Mukwege und die Jesidin Murad werden mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Beide machten sich durch ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt verdient, wie das Nobelkomitee in Oslo mitteilte.

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die UN-Sonderbotschafterin Nadia Murad und den kongolesischen Arzt Denis Mukwege. Sie werden für ihren Einsatz gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten ausgezeichnet, wie das Norwegische Nobelkomitee in Oslo mitteilte. Beide hätten einen Beitrag zur Sichtbarkeit und Bekämpfung solcher Kriegsverbrechen geleistet.

Experten hatten sich im Vorfeld schwer getan, einen Nobelpreisträger vorherzusagen. Kurz vor der Bekanntgabe waren die Namen von Mukwege und Murad aber immer höher gehandelt worden - auch als Würdigung für die #metoo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung.

Nadia Murad | Bildquelle: dpa
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Im Alter von 23 Jahren wurde Nadia Murad 2016 zur UN-Sonderbotschafterin ernannt.

Zeugin mit "ungewöhnlichem Mut"

Die 1993 geborene Jesidin Murat, die im Irak vom "Islamischen Staat" verschleppt worden war, ist nach Angaben des Komitees eine Zeugin, die über den von ihr selbst erlittenen Missbrauch berichtet.

Zeugin von Missbrauch und Vergewaltigung

"Ich würde gerne die Welt und die internationale Gemeinschaft wissen lassen, was passiert ist, und dass es sich dabei um Völkermord handelt. Wir wollen, dass die Welt, dass die internationale Gemeinschaft das anerkennt."

Nadia Murad, 2016

Sie habe sich dem Sozialkodex widersetzt, demzufolge Frauen aus Scham darüber zu schweigen hätten, erklärte das Gremium. "Sie hat ungewöhnlichen Mut bewiesen, indem sie ihr eigenes Leiden geschildert und im Namen anderer Opfer gesprochen hat."

Die 25-Jährige ist eine von etwa 3000 jesidischen Mädchen und Frauen, die vom "Islamischen Staat" im Irak entführt, missbraucht und vergewaltigt wurden. Ihr gelang nach drei Monaten mit Hilfe einer Nachbarsfamilie die Flucht. Sie wurde in Baden-Württemberg aufgenommen und setzt sich heute als UN-Sonderbotschafterin für die Rechte der Opfer von Menschenhandel ein. 2016 erhielt sie den Sacharow-Preis des Europaparlaments. 

Denis Mukwege | Bildquelle: AFP
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Denis Mukwege behandelt in der Demokratischen Republik Kongo Opfer sexueller Gewalt.

Kampf gegen sexuelle Gewalt als Kriegswaffe

Mukwege gilt als weltweit führender Experte für die Behandlung von Verletzungen durch Gruppenvergewaltigungen - und als Aktivist gegen sexuelle Gewalt.

Er habe wiederholt die Straflosigkeit für Massenvergewaltigungen verurteilt und sich dafür ausgesprochen, dass sexuelle Gewalt gegen Frauen kein Mittel der Kriegsführung sein dürfe, sagte die Komiteevorsitzende Berit Reiss-Andersen. Mukwege sei damit auf nationaler wie auf internationaler Ebene eine wichtige Symbolfigur für den internationalen Kampf gegen den Einsatz sexueller Gewalt in bewaffneten Konflikten geworden.

Lebensgefährliche Aufgabe

Das hätte Mukwege fast das Leben gekostet. 2012 überfielen Bewaffnete sein Haus in Bukavu, ein Freund von ihm wurde dabei getötet. Auch heute noch bestehen für ihn und sein Team große Gefahren. Im vergangenen Jahr wurde ein Kollege von Mukwege getötet.

Der 63-Jährige gründete 1999 das Panzi-Krankenhaus in Bukavu im Osten des Kongo. Während und nach eines Krieges, der Ende der 1990er-Jahre und Anfang der 2000er-Jahre herrschte, kamen immer mehr Opfer von sexueller Gewalt in seine Klinik. Mehr als 50.000 Frauen haben er und sein Team schon behandelt.

Christian Sticher, ARD Oslo, zu den Friedensnobelpreisträgern
tagesschau24 12:00 Uhr, 05.10.2018

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Wahl aus 331 Anwärtern

Insgesamt waren nach Angaben des Nobelkomitees in diesem Jahr 216 Personen und 115 Organisationen nominiert. Der Preis ist mit neun Millionen schwedischen Kronen (rund 860.000 Euro) dotiert. Er wird als einziger der fünf Nobelpreise nicht in Stockholm, sondern in Oslo vergeben. Dort findet die Verleihung am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel (1833-1896), statt.

2017 hatte die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) den Friedensnobelpreis erhalten. Die Organisation wurde für ihre "bahnbrechenden Bemühungen" um ein vertragliches Verbot von Atomwaffen ausgezeichnet. Damit forderte die Jury zugleich alle Atommächte auf, ihre Verpflichtungen zum Verzicht auf diese Waffen ausgezeichnet.

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Oktober 2018 um 11:00 Uhr.

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