Teilnehmer einer Kundgebung von "Fridays for Future" im vergangenen Jahr beim globalen Aktionstag für mehr Klimaschutz am Brandenburger Tor. | dpa

"Fridays for Future" Weltweiter Protest vor dem Klimagipfel

Stand: 29.11.2019 13:51 Uhr

Bevor am Montag in Madrid die UN-Klimakonferenz beginnt, haben Hunderttausende weltweit für mehr Klimaschutz demonstriert. Allein in Berlin waren Zehntausende auf der Straße, einige gingen auch baden.

In Hunderten Städten weltweit sind Demonstranten für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen. Zum vierten globalen Aktionstag von "Fridays for Future" erwarteten die Organisatoren allein in Deutschland Hunderttausende Teilnehmer. Weltweit sind Kundgebungen in etwa 150 Ländern geplant.

Kaltes Bad in der Spree

In Deutschland waren im Vorfeld Kundgebungen an rund 500 Orten angekündigt worden. Hier richtet sich die Kritik der Aktivisten vor allem gegen das Klimapaket der Bundesregierung, das sie als "Klima-Päckchen" und völlig unzureichend bezeichnen. Am Vormittag hatte der Bundesrat Teile des Klimapakets vorläufig gestoppt.

Zum Auftakt des Aktionstages sprangen in Berlin rund 20 Umweltschützer in die fünf Grad kalte Spree. Ziel war die symbolische Rettung eines im Wasser treibenden Klimapakets mit neuen Forderungen an die Politik. Im Anschluss sollte es an eingeladene Politiker übergeben werden.

Die Aktivisten fordern einen "Neustart" bei der Klimapolitik. Die bisher ergriffenen Maßnahmen reichten nicht aus, um das globale Ziel zu erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Später versammelten sich Tausende Menschen zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor. Angemeldet waren laut Polizei 50.000 Teilnehmer.

Zehntausende in den deutschen Innenstädten

In der Hamburger Innenstadt startete zu einer symbolischen Uhrzeit - um fünf nach zwölf - eine große Klima-Demo, bei der die Veranstalter mit 30.000 Teilnehmern rechneten. "Jugend auf die Barrikaden, weil wir sonst keine Zukunft haben", rappte der Musiker Courtier dazu.

Auch in Nordrhein-Westfalen liefen die Demos am späten Vormittag an. Allein in Köln, wo zu einem Demo-Zug rund 20.000 Teilnehmer erwartet wurden, kamen bereits am Mittag mehrere Tausend Streikende zusammen. Dort wollten Kölsche Bands wie Brings oder Bläck Fööss die Aktionen unterstützen.

Vor dem Düsseldorfer Landtag versammelten sich Hunderte überwiegend junge Leute. In Freiburg zogen da bereits rund 8500 Menschen durch die Innenstadt. Vor dem Hauptbahnhof in Stuttgart war eine zentrale Kundgebung geplant.

Weltweiter Protest

International beteiligen sich nach Angaben von "Fridays for Future" Menschen in mehr als 2400 Städten in 158 Ländern. Den Auftakt machten Tausende Schüler und Studenten in Australien. Auf Plakaten und in Sprechchören forderten die Demonstranten in Sydney und anderen australischen Städten die Politik auf, mehr zur Bekämpfung der Erderwärmung zu unternehmen. Ihrer Regierung warfen sie Untätigkeit vor - auch im Hinblick auf die aktuell wütenden Buschbrände.

Auch in Asien und der Pazifikregion folgten Demonstranten dem Protestaufruf der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. In Japans Hauptstadt Tokio zogen Hunderte Demonstranten durch den betriebsamen Stadtteil Shinjuku.

Die Klimabewegung hatte die erneuten Großproteste bewusst auf den letzten Freitag vor dem Start der Weltklimakonferenz in Madrid gelegt. Nach den Großprotesten im März und Mai sowie der globalen Streikwoche im September ist es die vierte Auflage eines solchen weltweit koordinierten Protests.

Auch in der Antarktis wird gestreikt

Unterstützung erhalten die überwiegend jungen Demonstranten mittlerweile auch von älteren Generationen und vielen Wissenschaftlern. Sowohl auf dem arktischen Eis vor dem deutschen Forschungsschiff "Polarstern" als auch vor der deutschen Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis demonstrierten Wissenschaftler für mehr Klimaschutz.

Das zeigten Bilder, die eine Wissenschaftlerin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven, Melanie Bergmann, auf Twitter teilte. "Polarforscher vom Süden bis zum Norden danken 'Fridays for Future' dafür, Aufmerksamkeit auf unsere Wissenschaft zu richten!", schrieb Bergmann dazu.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. November 2019 um 12:00 Uhr.