Die Hinrichtungskammer im Staatsgefängnis von Oklahoma. | Bildquelle: AP

Trotz Klage von Fresenius 60-Jähriger in Nebraska hingerichtet

Stand: 14.08.2018 21:39 Uhr

Vergeblich hatte Fresenius Kabi versucht, eine Hinrichtung in den USA zu stoppen. Nun wurde ein verurteilter Mörder in Nebraska per Giftspritze getötet - womöglich auch mit Substanzen aus der Produktion des Pharmakonzerns.

Gegen den Protest des deutschen Pharmaherstellers Fresenius Kabi ist im US-Bundesstaat Nebraska ein Häftling hingerichtet worden. Die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates bestätigte den Tod des 60-Jährigen, der 1980 wegen Mordes an zwei Taxifahrern zum Tode verurteilt worden war.

Zum Zeitpunkt der Taten war der Verurteilte 21 Jahre alt. Sieben Mal wurden bereits Termine für die Hinrichtung angesetzt, aber stets wieder aufgeschoben. Der Mann selbst hatte erklärt, nach 38 Jahren in der Todeszelle wolle er keinen Aufschub seiner Hinrichtung mehr.

Eingang zur Konzernzentrale von Fresenius in Bad Homburg
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Der deutsche Pharmakonzern Fresenius hatte vergeblich gegen die Hinrichtung geklagt.

Klage von Fresenius war gescheitert

Der Giftcocktail enthielt vier Substanzen, darunter war erstmals in den USA das synthetische Opioid Fentanyl, das eigentlich bei Narkosen verwendet wird. Bei zwei weiteren Substanzen hatte die US-Tochter des deutschen Pharma-Unternehmens Fresenius Kabi vermutet, dass es sich um Produkte aus seiner Herstellung handeln könnte.

Das Unternehmen verkauft seine Produkte nach eigenen Angaben grundsätzlich nicht an Behörden, die sie für Hinrichtungen nutzen wollen und hatte deswegen vor einem US-Gericht geklagt. Der Konzern argumentierte, er könne nicht zulassen, dass bei der Hinrichtung per Giftspritze seine Präparate zum Einsatz kommen. Er warf den Behörden vor, durch Täuschung in den Besitz der Mittel gekommen zu sein. Dies schädige den Ruf des Unternehmens.

Die Behörden in Nebraska verrieten allerdings nicht, woher genau die Präparate für den Giftcocktail stammten. Die Medikamente seien von einer lizenzierten US-Apotheke bezogen worden. Die Klage wurde schließlich vom Gericht als unbegründet zurückgewiesen. Auch die Berufung scheiterte wenige Stunden vor der Exekution.

Berüchtigtes Betäubungsmittel

Für die US-Strafvollzugsbehörden ist es zunehmend schwierig, Wirkstoffe für Giftspritzen zu bekommen, weil eine Reihe von Herstellern Lieferungen für Hinrichtungen ablehnt. Außerhalb der USA wird in westlichen Demokratien die Todesstrafe sowohl aus humanitären wie auch aus juristischen Gründen weitgehend abgelehnt.

Umstritten war die Hinrichtung auch wegen der Verwendung von Fentanyl. Es ist in den USA berüchtigt, weil es als Schmerzmittel zur Sucht führen kann. Die Abhängigkeit von verschreibungspflichtigen Opioiden ist ein großes gesellschaftliches Problem in den USA. Allein auf den Missbrauch von Fentanyl werden Tausende Drogentote zurückgeführt.

Die Exekution war die 16. Hinrichtung in den USA seit Jahresbeginn. Nach Angaben des US-Informationszentrums zur Todesstrafe wurden alle mit der Giftspritze vollstreckt.

2015 war die Todesstrafe in Nebraska per Gesetz abgeschafft worden, nur ein Jahr später wurde sie aber per Volksentscheid wieder eingeführt. Die bislang letzte Hinrichtung dem Bundesstaat im Mittleren Westen fand 1997 statt. Damals wurde der elektrische Stuhl verwendet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. August 2018 um 08:00 Uhr.

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