Die US-Astronautinnen Christina Koch und Jessica Meir auf der Internationalen Raumstation | Bildquelle: dpa

Frauen im Weltall Eroberung einer Männerdomäne

Stand: 05.11.2019 04:29 Uhr

Zum ersten Mal in der Geschichte der ISS waren zwei Frauen zum Außeneinsatz im All. Doch nach wie vor sind Astronautinnen in der Minderheit. Das könnte sich aber ändern.

Von Ute Spangenberger, SWR

Als vor Kurzem die beiden US-Astronautinnen Christina Koch und Jessica Meir ihren gemeinsamen Weltraumspaziergang absolvierten, war eine Männerbastion erobert. Zum ersten Mal waren zwei Frauen zum Außeneinsatz im All. US-Präsident Donald Trump telefonierte persönlich hoch zur Internationalen Raumstation und gratulierte. ​NASA-Chef Jim Bridenstine sprach von einem Meilenstein in der Geschichte der Raumfahrt und sagte: "Sie sind eine Inspiration für alle Menschen in der Welt."​

Dass in der fast 20-jährigen Geschichte der ISS erst jetzt zwei Frauen zum Außeneinsatz im All waren, ist statistisch zu erklären, sagt der ehemalige deutsche Astronaut und Professor für Raumfahrt an der TU München, Ulrich Walter:​ "Oben auf der ISS sind immer nur sechs Personen. Von den Astronauten, die es weltweit gibt, sind nur ein Sechstel Frauen, das heißt im Mittel ist auf der Raumstation nur eine Frau. Ab und zu, ganz selten, sind es zwei Frauen und diesen Fall hatten wir jetzt."​

Sind Frauen die besseren Astronauten?

Frauen seien in vielen Fällen die besseren Astronauten im Weltraum, weiß Walter zu berichten: "Das ist schwerste Arbeit, wenn man da draußen acht Stunden nichts isst und nur ein bisschen trinken kann und ganz erschöpft wiederkommt. Außerdem ist das Zusammenleben von sechs Personen über sechs Monate in einer kleinen Raumstation nicht immer ganz leicht. Die NASA hat die Erfahrung gemacht, dass Frauen solche extremen Situationen besser wegstecken, weniger 'weinerlich' sind. Die ziehen Sachen oft besser durch als Männer".​

Mehr als 60 Astronautinnen waren inzwischen im Weltall, aber noch keine Deutsche. Alle elf Deutschen im All waren Männer. Ende der 1980er-Jahre hatten die beiden Deutschen Heike Walpot und Renate Brümmer für den Flug ins All trainiert, aber in das Astronautenteam, das letztendlich in den Weltraum flog, kamen sie nicht.​ ​Wann die erste Deutsche in den Weltraum fliegt, ist unklar. ​

Deutsche Astronautin auf dem Mond?

Die private Initiative "Die Astronautin" hat sich auf die Fahnen geschrieben, genau das zu schaffen: eine Astronautin für den Einsatz auf der ISS fit zu machen. Doch die Kosten von zur Zeit etwa 45 Millionen Dollar dafür sind extrem hoch. Dennoch nehmen die Chancen eher zu. Durch die zunehmende Kommerzialisierung werden in Zukunft nicht mehr nur staatliche Raumfahrtorganisationen bemannte Raumflüge durchführen. Bereits im März war die unbemannte Raumkapsel "Crew Dragon" von Space X an der Internationalen Raumstation (ISS) angedockt. Zum ersten Mal war dies einem Privatunternehmen gelungen. Und deren Preise werden weitaus niedriger sein.

In seiner "Berliner Weltraumerklärung" hat der Industrieverband BDI gerade den Vorschlag gemacht, dass 2024 eine deutsche Astronautin zum Mond fliegen soll. Dann, das hatte US-Präsident Trump angekündigt, werde es wieder eine bemannte Mondlandung geben - mit der ersten Frau auf dem Mond. Doch anders als es dem BDI vorschwebt, will Trump eine US-Amerikanerin bei dieser prestigeträchtigen Mission mitnehmen. ​

Mit "Artemis" zurück zum Mond

Die ehemalige NASA-Astronautin Heidemarie Stefanyshyn-Piper, die 2006 und 2008 zur ISS flog, erläutert das Programm: "Sie nennen das Programm Artemis. Aus der griechischen Mythologie erinnert man sich an Apollo, das war das erste Weltraumprogramm, aber Apollo hatte eine Schwester namens Artemis. Sie wählten den Namen Artemis, um auf den Mond zurückzukehren. Und die NASA hofft, dass bei diesem Flug zurück zum Mond ein Besatzungsmitglied eine Frau sein wird."​

"Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein nicht-amerikanischer Astronaut bei der nächsten Mondmission dabei sein wird", sagt Ulrich Walter, "vielleicht bei einer Folgemission". Das Service-Modul des US-Raumschiffs Orion, das zum Mond fliegen soll, wird in Deutschland gebaut. 2014 hatte die ESA das Raumfahrtunternehmen Airbus Defence and Space mit der Entwicklung und dem Bau beauftragt. Durch diesen Beitrag der Europäer zu Mondflügen erwerben sie sich das Recht, auch einmal einen europäischen Astronauten mitfliegen zu können. Aber wann das sein wird, ist noch vollkommen unklar.

"Inspiration für jeden, der einen großen Traum hat"

Ulrich Walter hofft, dass bei der nächsten ESA-Ausschreibung und Astronautenauswahl für eine neue Generation von Astronauten für Flüge zum Mond, eine Frau zum Zug kommt: "Die ESA hat zur Zeit keine deutsche Astronautin. Es gibt nur eine aktive Astronautin im ESA-Team: die Italienerin Samantha Cristoforetti. Wenn beim nächsten Auswahlprozess wieder keine Deutsche dabei wäre, dann würde ich sagen: Jetzt reicht's."

Christina Koch und Jessica Meir, die beiden Astronautinnen im ISS-Außeneinsatz, nahmen die Glückwünsche von US-Präsident Trump sehr gelassen entgegen. Sie gingen nicht darauf ein, dass ihr weiblicher Doppeleinsatz etwas ganz Besonders gewesen sein könnte. Ihre Hoffnung sei vielmehr, eine Inspiration zu sein "für jeden, der einen großen Traum hat und hart dafür arbeitet, dass der Traum wahr wird".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Oktober 2019 um 14:00 Uhr.

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Ute Spangenberger, SWR

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