Papst Franziskus empfing Obdachlose im Vatikan. | Bildquelle: AP

Papst-Audienz für Obdachlose Franziskus umarmt die Ausgegrenzten

Stand: 28.03.2019 18:15 Uhr

In einer bewegenden Zeremonie sind 3600 Obdachlose und andere Menschen aus "prekären Situationen" im Vatikan empfangen worden. Dabei zeigte Papst Franziskus keine Scheu vor Nähe. Auch Menschen aus der "Oase" in Leipzig waren beim Papst.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Etwa 3600 Menschen waren zu Gast in der päpstlichen Audienzhalle. Der Vatikan hat anlässlich des Heiligen Jahres Menschen in "prekären Situationen" eingeladen. Aus mehr als 20 Ländern sind sie gekommen. Und wenn man deutschen Gesang hört, dann auch, weil viele Deutsche dabei waren. Ungefähr 600 Menschen - unter anderem aus Hamburg, München und Münster.

"Ich habe geweint"

Dabei war auch eine Gruppe aus der "Oase" in Leipzig, einem Treffpunkt für Obdachlose und Menschen in schwierigen Situationen, den dort die Diakonie und die Caritas gemeinsam betreiben. Bernd Hänsch, den alle nur "Seemann" nennen, war Bauingenieur und selber obdachlos. Inzwischen hat er Arbeit in der "Oase".

Vom Besuch beim Papst ist er stark beeindruckt: "Ich muss sagen, ich habe geweint. Ich bin ein großer, starker Mann, aber das ging mir sehr nah. Weil das nicht fremd war, nicht weit weg. Ich habe unseren Papst miterlebt. Er war bei mir - als hätte er mir die Hand auf die Schulter gelegt und gesagt 'Seemann, du bist ein toller Kerl'."

Volles Haus: Rund 3600 Menschen waren in die päpstliche Audienzhalle gekommen. | Bildquelle: AFP
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Volles Haus: Rund 3600 Menschen waren in die Audienzhalle gekommen.

Franziskus spricht im Vatikan mit Menschen in "prekären Situationen". | Bildquelle: AP
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Franziskus ging vielfach auf Tuchfühlung mit den Gläubigen.

Jeden Tag kommen in die Leipziger "Oase" 50 bis 70 Menschen zum Essen oder einfach nur zum Reden. 15 von ihnen sowie zwei Begleiter stehen nach der Papstaudienz am Petersplatz. "Das ist eine supertolle Sache. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich mitfahren darf", erzählt Christiane Tiede. "Er hat Kinder in den Arm genommen und auch Leute, die auf der Straße leben. Er hat sie in den Arm genommen und gestreichelt. Das gibt mir viel Kraft."

Papst Franziskus nahm sich Zeit und schüttelte viele Hände. Er sprach darüber, wie wichtig es ist, zu träumen. Über die Kraft, die die Geschichten der Bibel geben, und über das Verhältnis von Menschenwürde und Schönheit: "Ein Mann, eine Frau, sind nur in der Lage der Schönheit zu begegnen, wenn sie Würde haben. Arm ja, aber nicht aus der Gesellschaft fortgespült. Das ist Würde!"

Essenspaket und neue Kraft

Viele der Besucher, die aus dem Vatikan kamen, trugen nicht nur einen weißen Karton mit Essen, sondern hatten auch neue Kraft getankt. Das erzählt auch Andreas Krauße, für den die "Oase" schon länger eine wichtige Anlaufstelle ist: "Was mich bewegt hat, ist diese Nähe, die er ausstrahlt. Und diese unheimliche, nicht Sympathie, sondern Barmherzigkeit. Ich bin hier unheimlich aufgebaut worden."

Thomas Fränkel dagegen, auch aus Leipzig, scheint mit dem Kopf schon wieder woanders zu sein: "Mir hat es sehr gut gefallen. Aber Rom ist eine besondere Stadt. Und die nächsten Tage, die wir hier sind, müssen wir uns immer noch schön machen." Die Gruppe aus Leipzig bleibt das ganze Wochenende in Rom. Ennio Morricone wird noch ein Konzert für hunderte Obdachlose geben. Und am Sonntagmorgen lädt der Papst noch einmal ein - zum Gottesdienst in der Petersbasilika.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. November 2016 um 15:00 Uhr.

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