Papst Franziskus trifft in Villavicencio Opfer und Täter des kolumbianischen Bürgerkriegs. | AP

Versöhnungsfeier in Kolumbien Franziskus bringt Täter und Opfer zusammen

Stand: 09.09.2017 03:37 Uhr

Es war einer der Höhepunkte des Besuchs von Papst Franziskus in Kolumbien: Mit Tätern und Opfern des Bürgerkriegs feierte er ein Versöhnungsfest. Beide Seiten rief er auf, den Konflikt zu überwinden. Frieden sei nur durch Aussöhnung möglich.

Papst Franziskus hat Opfer des kolumbianischen Bürgerkriegs und frühere Guerillakämpfer zusammengebracht. Bei einer Zeremonie in der Konfliktregion Villavicencio rief er beide Seiten zur Versöhnung auf.

An die Opfer des Konflikts appellierte er, ihre Trauer durch Vergebung zu überwinden. Von früheren FARC-Rebellen forderte er, um Verzeihung zu bitten. Der Papst umarmte gleichermaßen Teilnehmer beider Konfliktseiten und betonte, Frieden sei nur durch Aussöhnung möglich.

Vier Menschen - vier Perspektiven

Vier Menschen erzählten während der Feier aus unterschiedlichen Perspektiven ihre Verwicklung in den Konflikt: Ein Ex-Guerillakämpfer, ein früheres Mitglied der rechten Paramilitärs, ein Opfer einer Antipersonen-Mine und eine Frau, deren Mann und zwei Kinder ermordet worden waren. Die Frau sagte, sie hoffe, dass der Schmerz und das Leiden Tausender Opfer in Vergebung umgewandelt würden, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen.

Der frühere FARC-Kämpfer sprach über die zwölf Jahre, die er mit der linksgerichteten Guerillagruppe gekämpft hatte. Nachdem er die FARC verließ, gründete er eine Sportstiftung, die jungen Leuten hilft, von Drogen und Gewalt wegzukommen. "Ich kann einmal mehr um Vergebung bitten", sagte er.

Während der Gebetszeremonie war eines der schmerzlichsten Symbole des Bürgerkriegs zu sehen - eine verstümmelte Christusstatue, die aus einer Kirche in der Stadt Bojaya geborgen wurde. Dort hatten vor 15 Jahren etwa 300 Menschen Zuflucht gesucht. Während eines Gefechts zwischen FARC-Rebellen, rechten Milizen und der Armee traf eine FARC-Granate die Kirche, mindestens 79 Menschen wurden getötet und 100 weitere verletzt.

Kinder überreichen Papst Franziskus in Villavicencio Setzlinge zum Segnen. Sie sollen im "Wald der Aussöhnung" angepflanzt werden. | REUTERS

Kinder überreichen Papst Franziskus in Villavicencio Setzlinge zum Segnen. Sie sollen im "Wald der Aussöhnung" angepflanzt werden. Bild: REUTERS

Mehr als 220.000 Tote

Seit 1964 starben in dem Konflikt über 220.000 Menschen, mehr als sechs Millionen wurden vertrieben. "Auch wenn Konflikte, Gewalt oder Rachegefühle fortbestehen, dürfen wir nicht verhindern, dass Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sich umarmen und so die Leidensgeschichte Kolumbiens auffangen", sagte der Papst.

Franziskus unterstützt das Friedensabkommen, das die Regierung Kolumbiens im November 2016 nach gut einem halben Jahrhundert Konflikt mit den Guerilla-Kämpfern der FARC geschlossen hatte.

Über dieses Thema berichtete am 09. September 2017 die tagesschau um 04:20 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.