Ein geschlossenes Café in Paris | Bildquelle: AP

Ausgangssperre in Frankreich "Das ist das Grausame im Kampf gegen Corona"

Stand: 15.10.2020 13:14 Uhr

Frankreich führt eine nächtliche Ausgangssperre für Großstädte mit der höchsten Corona-Warnstufe ein - und das schon ab Samstag. Präsident Macron schwor die Bevölkerung via Fernsehansprache darauf ein.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Die Situation in Frankreich ist ernst. Das zeigt nicht nur die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen, die im Schnitt bei 20.000 neuen Fällen pro Tag liegt. Vor allem die Auslastung der Intensivstationen in den großen Städten, allen voran Paris, gibt Anlass zur Sorge. Mehr als 40 Prozent der Betten sind belegt.

Intensivmediziner fürchten eine völlige Überlastung. Auch um die noch abzuwenden, kündigte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Abend in einem Fernsehinterview zur besten Sendezeit drastische Maßnahmen an:

"Die Entscheidung, die wir getroffen haben, ist eine nächtliche Ausgangssperre. Sie gilt für den Großraum Paris und acht weitere Metropolen. Für Grenoble, Lille, Lyon, Marseille, Aix-en-Provence, Saint-Etienne, Rouen und Toulouse."

Geldstrafen bis 135 Euro

Ab Samstag darf sich in diesen Städten und Regionen niemand mehr ohne triftigen Grund zwischen 21 Uhr am Abend und 6 Uhr am Morgen auf der Straße aufhalten. Sonst drohen 135 Euro Strafe.

Erst einmal für vier Wochen soll das gelten - dann aber mit Zustimmung des Parlamentes bis zum 1. Dezember verlängert werden.

"Es geht vor allem darum, die privaten Kontakte zu reduzieren. Die Momente zu minimieren - und das ist das Grausame beim Kampf gegen diese Pandemie -, in denen wir schöne Erlebnisse mit Freunden und Bekannten haben, mit Menschen, die nicht zu unserem Haushalt gehören. Das sind die Momente, in denen das Infektionsrisiko hoch ist. Denn wir kommen uns zu nahe."

Macron verspricht staatliche Hilfen

In Frankreich darf die Anzahl der Menschen, die sich privat treffen, nicht eingeschränkt werden. Deshalb ist die nächtliche Ausgangssperre ein sinnvoller Versuch, private Feiern zu unterbinden, ohne mit einem Lockdown das gesamte wirtschaftliche Leben des Landes wieder auf Eis zu legen. Macron erklärte dazu:

"Wir müssen auch weiter arbeiten gehen können. Die Kinder müssen zur Schule gehen, die Universitäten sollen nicht schließen. Die Menschen sollen ihr Leben leben, auch das soziale, aber eben auf reduzierte Art.“

Allen Branchen, unter anderem der Gastronomie oder auch Theatern und Kinos, die durch die Ausgangssperre Einbußen hinnehmen müssen, versprach Macron zusätzliche staatliche Hilfen.

Menschen draußen in Bars in einer Straße in Paris | Bildquelle: AP
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Menschen dicht gedrängt in den Straßen von Paris - Ausgangssperren sollen das ab Samstag verhindern.

Balanceakt wegen Schutz der Wirtschaft

Es ist ein Balanceakt, den der Präsident und auch seine Regierung in den kommenden Wochen leisten müssen. Seit dem Sommer steigen die Corona-Zahlen in Frankreich stetig.

Wirklich durchgegriffen hatten Regierung und Präsident bis jetzt aber nicht, denn es galt die durch den Lockdown gebeutelte Wirtschaft zu schützen. Nun aber muss das fragile Krankenhaussystem entlastet werden.

Das Gefühl vieler Franzosen, dass der Staatsführung die Felle davonschwimmen, konterte Macron mit dem Hinweis:

"Wir haben die Kontrolle nicht verloren. Wir sind aber in einer sehr beunruhigenden Situation, bei der wir nicht mehr tatenlos bleiben können, aber wir müssen auch noch keine Panik verbreiten."

"Wir schaffen das"

Er appellierte an alle Bürgerinnen und Bürger, die neuen Maßnahmen mitzutragen. Es gehe nicht darum, die Menschen im Land zu bevormunden, es gehe lediglich darum, jeden einzelnen an seine Verantwortung zu erinnern, sagte Macron.

Im Vergleich zu seiner Rede vom Frühjahr, in dem er den Krieg gegen das Virus erklärte, zeigte sich Macron im Interview - trotz der drastischen Maßnahmen - zuversichtlich. Am Ende sagte er gar: "Wir schaffen das!"

Kampf gegen Covid - Frankreich führt nächtliche Ausgangssperren ein
Sabine Wachs, ARD Paris
15.10.2020 11:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Oktober 2020 um 21:00 Uhr.

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