Demonstranten stehen vor einem brennenden Auto. (11.02.2017) | Bildquelle: AP

Hollande besucht Pariser Vorort Angst vor Flächenbrand in Frankreich

Stand: 14.02.2017 18:44 Uhr

Frankreich kommt nicht zur Ruhe. Seit rund zehn Tagen gibt es in Pariser Vororten gewalttätige Proteste gegen Polizeigewalt. Auslöser ist die Misshandlung eines jungen Schwarzen durch Polizisten. Heute besuchte Präsident Hollande einen der Vororte.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Er war seit Wochen geplant und es sollte ein Routinebesuch werden für François Hollande. In Aubervilliers, einem sozialen Brennpunkt vor den Toren von Paris, wollte er mit Jugendlichen über Arbeit und Perspektiven sprechen. Doch schon beim Empfang war klar, dass das heute nicht die entscheidenden Themen sein würden.

"Polizei, Vergewaltiger, Mörder! Gerechtigkeit für Theo!", schrie ihm Virginie, eine junge Mutter, entgegen. Theo - so heißt der junge Mann, der vor knapp zwei Wochen von Polizisten in Aulnay-sous-Bois, einem anderen Pariser Vorort, misshandelt wurde. Einer von ihnen hatte Theo bei der Kontrolle einen Schlagstock in den Anus eingeführt und ihn dabei schwer verletzt.

Immer wieder gewalttätige Übergriffe

Ein Vorfall, der viele hier wütend macht, so wie Virginie: "Das Problem ist, dass ich meinen Kindern beibringen muss, sich vor der Polizei in Acht zu nehmen. Dabei sollten sie ihr doch eigentlich vertrauen!"

Das Verhältnis zwischen vielen Jugendlichen in den Vorstädten und der Polizei ist seit Jahren spannungsgeladen. Immer wieder kommt es von beiden Seiten zu gewalttätigen Übergriffen. 2005 kam es in ganz Frankreich zu wochenlangen heftigen Ausschreitungen, als zwei Jugendliche auf der Flucht vor der Polizei zu Tode kamen.

Präsident Hollande war daher unbedingt daran gelegen, zu beschwichtigen: "Wir brauchen Respekt! Und wenn es Verfehlungen gibt, dann müssen diese klar angeprangert werden", sagte er. "Dann muss die Justiz übernehmen. So wie es jetzt mit den Vorfällen der Fall ist. Aber Respekt müssen wir alle haben, vor den staatlichen Einrichtungen, vor der Polizei und der Justiz."

Frankreichs Präsident Francois Hollande in Aubervilliers | Bildquelle: AFP
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Hollande war heute zu Besuch in Aubervilliers - eigentlich ging es bei dem Treffen um Jugendliche und deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Hollande besuchte den Verletzten im Krankenhaus von Aulnay-sous-Bois. | Bildquelle: http://www.elysee.fr/photos/renc
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Vergangene Woche besuchte Hollande den verletzten Theo im Krankenhaus von Aulnay-sous-Bois. Der junge Mann war Anfang Februar schwer von Polizisten misshandelt worden.

Eine explosive Mischung braut sich zusammen

Für den Präsidenten und seine Regierung ist die Lage hoch brisant. Noch bleiben die Ausschreitungen begrenzt, aber in den Vorstädten vereint sich echter Protest mit der Krawallsucht frustrierter Jugendlicher zu einer explosiven Mischung.

Und die Scharfmacher gießen mitten im Präsidentschaftswahlkampf dankbar Öl ins Feuer: "Wir müssen jetzt absolute Härte zeigen. Wir können nicht zulassen, dass die Asozialen Bushaltestellen oder Autos anzünden", kommentierte Nicolas Bay, Generalsekretär des rechten Front National die Lage im französischen Fernsehen. "Das sind rechtlose Viertel, in denen Frankreich nichts mehr zählt, in denen die Gesetzte des Staates nicht mehr zählen, sondern die Gesetze der Bärtigen oder der Dealer."

Bays Partei könnte eine weitere Eskalation auch nutzen. Schließlich verkauft der Front National sich als einzige Partei einer Null-Toleranz-Linie.

Reportage aus der Pariser Vorstadt Seine-Saint-Denis
tagesthemen 22:15 Uhr, 14.02.2017, Mathias Werth, ARD Paris

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Weiterer Vorfall?

Gleichzeitig meldete sich aber ein weiterer Mann zu Wort, der berichtete, von einem der bereits im Fall Theo beschuldigten Polizisten ebenfalls brutal angegriffen worden zu sein. Eine Nachricht, auf die Innenminister Bruno Le Roux, selbst in einem Pariser Vorort zu Besuch, umgehend reagierte: "Ich habe sofort, als ich davon erfahren habe, angeordnet, dass ein Verfahren eröffnet wird. Ich lasse das auf keinen Fall einfach so geschehen!"

Vom Ausgang dieser Verfahren könnte viel abhängen. Im Moment ist sowohl denkbar, dass sich die Lage beruhigt, als auch, dass sie sich noch weiter zuspitzt. Ein Flächenbrand wie 2005 hätte angesichts der bevorstehenden Wahl in jedem Fall verheerende Auswirkungen.

Bloß kein Flächenbrand! Frankreich fürchtet Unruhen
M. Wagner, ARD Paris
14.02.2017 17:20 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 14. Februar 2017 um 22:15 Uhr.

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