Polizisten vor dem Supermarkt in Trebes | Bildquelle: GUILLAUME HORCAJUELO/EPA-EFE/REX

Terror in Südfrankreich Polizist nach Geiselnahme gestorben

Stand: 24.03.2018 12:44 Uhr

Die stundenlange Geiselnahme in einem südfranzösischen Supermarkt wurde durch einen Polizisten beendet, der sich freiwillig gegen eine Geisel eintauschen ließ. Nun ist er im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

Der Polizist, der sich bei dem mutmaßlichen islamistischen Terroranschlag französischen Ort Trèbes gegen eine Geisel eintauschen ließ, ist tot. Das teilte der französische Innenminister Gérard Collomb via Twitter mit. "Frankreich wird niemals sein Heldentum, seine Tapferkeit und sein Opfer vergessen", schrieb Collomb.

Der 45-jährige Arnaud Beltrame wurde in Frankreich als Held gefeiert, weil er sich bei der gestrigen Attacke auf einen Supermarkt freiwillig gegen eine Geisel eintauschen ließ. Der Polizist hatte erst vor wenigen Monaten an einer Übung teilgenommen, die einen vergleichbaren Vorfall simulierte. "Er hat Leben gerettet", sagte Staatschef Emmanuel Macron. Beltrame verdiene "den Respekt und die Bewunderung der gesamten Nation". Der hochdekorierte Polizist, der mehrere Jahre für die Sicherheit des Präsidentenpalasts verantwortlich war, habe "außerordentlichen Mut und Selbstlosigkeit bewiesen".

Arnaud Beltrame, Polizist aus Frankreich, ließ sich bei der Geiselnahme in einem Supermarkt am 23.03.2018 in Trebes, Frankreich, freiwillig gegen Geiseln eintauschen. | Bildquelle: dpa
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Arnaud Beltrame ließ sich bei der Geiselnahme in einem Supermarkt freiwillig gegen eine Geisel eintauschen. Beltrame wurde von dem Attentäter lebensgefährlich verletzt und verstarb in der Nacht.

Erinnerungen an den Terror

Beltrame wurde am Freitag lebensgefährlich verletzt, als er allein mit dem Täter im Supermarkt war. Dadurch, dass er sein Handy auf Empfang geschaltet hatte, konnten die Einsatzkräfte außerhalb mithören, was sich im Supermarkt abspielte. Als sie Schüsse hörten, erstürmten sie das Gebäude und erschossen den Attentäter. Ihren Kollegen konnten sie jedoch nicht mehr retten. Auch zwei weitere Beamte wurden bei dem Zugriff verletzt. Beltrame erlag am frühen Morgen in einer Klinik seinen schweren Verletzungen. Mit seinem Tod erhöhte sich die Zahl der Opfer auf vier.

Die Geiselnahme hat für viele Franzosen die Gedanken an den Terror wieder wachgerüttelt: "Wir stehen unter Schock. Niemals hätten wir uns vorstellen können, dass die Dinge, die wir bei Charlie Hebdo, am Hyper Cacher, am Bataclan gesehen haben, sich auch hier bei uns ereignen könnten, vor allem in so einer kleinen Stadt wie der unsrigen", sagte Gisèle Jourda, die Senatorin des Departements Aude, wo sich die Tat ereignet hatte, am Vormittag im Fernsehsender BFMTV.

Der Ablauf des Attentats hat gezeigt, dass die Sicherheitskräfte mittlerweile gut auf solche Angriffe vorbereitet sind - aber es hat auch schon die Diskussion darüber begonnen, warum einmal mehr ein bekannter Salafist und Krimineller eine solche Tat begehen konnte.

Täter war Behörden bekannt

Der polizeibekannte Angreifer, ein in Marokko geborener Franzose, hatte seine Angriffsserie am Freitagmorgen begonnen. Er raubte in der Stadt Carcassonne ein Auto, tötete einen der Insassen und verletzte den Fahrer. Kurze Zeit später verletzte der 25-jährige Radouane L. mit Schüssen einen Polizisten, der mit Kollegen vom Joggen zurückkam.

Anschließend fuhr er in das nahegelegene Trèbes, stürmte in den Supermarkt und erschoss einen Mitarbeiter und einen Kunden. Nach mehreren Stunden erschossen Spezialkräfte der Polizei Radouane L., der sich als "Soldat" der Terrormiliz IS bezeichnet hatte.

Der Geiselnehmer hatte die Freilassung von Salah Abdeslam gefordert. Abdeslam soll zu der Terrorzelle gehört haben, die für die schweren Anschläge in Paris im November 2015 verantwortlich ist, bei denen 130 Menschen starben. Zahlreiche Kunden konnten fliehen, die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an und umstellte den Supermarkt. Später ließ sich Beltrame gegen die weibliche Geisel austauschen.

Freund des Täters in Polizeigewahrsam

Radouane L. war den französischen Behörden bereits bekannt. Innenminister Collomb teilte mit, es handele sich um einen Kleinkriminellen, der aus Marokko stamme und wegen Waffenbesitzes und Drogenkonsums vorbestraft gewesen sei. Der 25-Jährige sei zwar von der Polizei beobachtet worden, man habe aber nicht mit einer Radikalisierung gerechnet: "Er ist plötzlich zur Tat geschritten, obwohl er schon überwacht wurde."

In der Nacht wurde ein Freund des Täters in Polizeigewahrsam genommen. Es handele sich um einen Minderjährigen, der im Jahr 2000 geboren worden sei, hieß es aus Ermittlerkreisen. Bereits am Freitag hatten die Ermittler eine Frau aus dem Umfeld von Radouane L. in Gewahrsam genommen. Die Ermittler wollen unter anderem aufklären, ob der Täter Mitwisser oder Unterstützer hatte.

Gefahr durch Radikalisierung

Präsident Macron warnte, Angriffe wie die Geiselnahme stellten eine neue Art der Terrorgefahr dar. Diese Bedrohung komme aus dem Inneren des Landes, da sich viele Menschen selbst radikalisierten. Anschläge, wie etwa die Attentate 2015 in Paris, seien noch von Syrien oder aus dem Irak gesteuert worden. Es müsse nun vollständig aufgeklärt werden, wie und warum sich der Täter von Trèbes radikalisiert habe.

Geiselnahme in Südfrankreich endet mit Toten und Verletzten
nachtmagazin 00:00 Uhr, 24.03.2018, Ellis Fröder, ARD Paris

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Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge. Vor allem die Attacken von Paris 2015 und Nizza 2016 hatten das Land schwer erschüttert. Die Behörden sprechen von einer weiterhin hohen Gefahr.

Nach den Attentaten von 2015 hatte das Land den Ausnahmezustand verhängt, um den Behörden erweiterte Befugnisse einzuräumen. Der Ausnahmezustand galt bis zum vergangenen Oktober, dann wurde er durch ein Anti-Terror-Gesetz abgelöst, das viele der erweiterten Befugnisse dauerhaft ermöglicht.

Mit Informationen von ARD-Korrespondent Marcel Wagner.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 23. März 2018 um 00:00 Uhr und NDR Info am 24.März um 06:45 Uhr.

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