Leere Gleise bei Nacht auf dem Pariser Bahnhof Gare de l'Est. | Bildquelle: AFP

Frankreich Bahnstreik bricht Rekord

Stand: 02.01.2020 16:53 Uhr

Seit Jahrzehnten gab es keinen längeren: Seit 29 Tagen herrscht Streik beim französischen Bahnkonzern SNCF. Auch heute fuhr nur jeder zweite TGV-Schnellzug. Und: Ein Ende ist nicht in Sicht.

In Frankreich ist der Rekord für den längsten Streik im Bahnverkehr gebrochen worden. Die Ausstände gingen in ihren 29. Tag und übertrafen damit die Streiks bei der Bahngesellschaft SNCF in den Jahren 1986 und 1987. Der derzeitige Ausstand dauert auch länger als die massiven Proteste gegen die Rentenreform für Beamte im Jahr 1995.

Der Streik sorgte in Frankreich weiter für massive Verkehrsbeeinträchtigungen. Von den Pariser Metro-Linien waren nur zwei automatisierte wie gewohnt in Betrieb, auf den anderen Linien fuhren die U-Bahnen nur eingeschränkt oder gar nicht. Erneut fuhr auch nur die Hälfte der TGV-Schnellzüge. Für die Rückreisewelle aus dem Weihnachtsurlaub am Wochenende geht die SNCF davon aus, dass zwei von drei TGV fahren werden.

Schon früher ging es um die Rente

Den bisher längsten Streik bei der Staatsbahn gab es vom 18. Dezember 1986 bis zum 14. Januar 1987. Auch zwischen November und Dezember 1995 hatten französische Gewerkschaften den öffentlichen Verkehr für 22 Tage lahmgelegt. Der damalige Premierminister Alain Juppé hatte versucht, das Renten- und Sozialversicherungssystem zu reformieren. Die Regierung machte schließlich einen Rückzieher.

Macron zeigt sich entschlossen

Den will Präsident Emmanuel Macron ausdrücklich nicht machen. In seiner Neujahrsansprache bekräftigte er seine Absicht, das komplizierte französische Rentensystem mit 42 verschiedenen Regelungen zu vereinheitlichen und das Milliardendefizit der Rentenkassen abzubauen. Besonders umstritten ist Macrons Absicht, das Renteneintrittsalter faktisch von derzeit 62 auf künftig 64 Jahre anzuheben.

Für Dienstag sind erneut Gespräche zwischen Ministerpräsident Edouard Philippe und Gewerkschaftsvertretern geplant. Die Gewerkschaften haben zudem für kommenden Donnerstag zu landesweiten Protesten aufgerufen.

Über dieses Thema berichtete MDR-aktuell 16:24 Uhr am 02.01.2020.

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