Polizisten und Journalisten am Ort der Auto-Attacke bei Paris | Bildquelle: AFP

Nach Auto-Zwischenfall bei Paris Terror-Spezialisten übernehmen Ermittlung

Stand: 09.08.2017 14:25 Uhr

Die französischen Behörden vermuten offenbar einen Terrorakt: Nach einem Zwischenfall bei Paris hat die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Am Morgen war ein Pkw in eine Gruppe Soldaten gerast. Der Fahrer ist weiter auf der Flucht.

Nach einer mutmaßlichen Auto-Attacke auf Soldaten hat die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Die Behörde teilte mit, ermittelt werde unter anderem wegen terroristisch motivierter Mordversuche.

Inzwischen meldet der Sender BFM TV, im Norden von Paris sei ein Mann auf einer Autobahn festgenommen worden. Dabei seien auch Schüsse gefallen. Es sei aber noch unklar, ob der Festgenommene in Verbindung zu der Attacke stehe.

Attacke zu Dienstbeginn

Ein Unbekannter war am Morgen gegen acht Uhr in einem Vorort von Paris in eine Gruppe Soldaten gerast. Der Bürgermeister von Levallois-Perret, Patrick Balkany, sagte im Fernsehsender BFM-TV, das Auto habe in einer Sackgasse vor dem Gebäude geparkt. Als die Soldaten die Kaserne für eine Patrouille verlassen hätten, habe der Fahrer Gas gegeben und sei auf die Soldaten zugerast. Er habe "keinen Zweifel", dass der Fahrer absichtlich gehandelt habe - es handele sich um eine "widerwärtige Aggression". Auch Innenminister Gérard Collomb sagte: "Wir wissen, dass das eine absichtliche Tat war"

Beim dem Vorfall wurden zwei Soldaten schwer verletzt, vier leichter. Keiner der Verletzten befindet sich aber in Lebensgefahr. Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly sprach von einer "feigen Tat". Der Angriff werde nicht die "Entschlossenheit der Soldaten" mindern, sich für die Sicherheit der Franzosen einzusetzen, erklärte die Ministerin.

Der Fahrer floh mit seinem Wagen. Es soll sich um einen dunklen BMW handeln. Sicherheitsexperten verwiesen in französischen Medien darauf, dass es in Paris und seinen Vororten zahlreiche Überwachungskameras auf öffentlichen Plätzen gebe. Diese müssten bei der Suche nach dem Flüchtigen nun ausgewertet werden.

Tatort in Levallois-Perret | Bildquelle: AFP
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Luftbild vom Tatort in Levallois-Perret

Tatort in Levallois-Perret | Bildquelle: REUTERS
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Die Soldaten wurden unmittelbar vor ihrer Kaserne verletzt.

Auto fährt bei Paris in Soldatengruppe
Barbara Kostolnik, ARD Paris
09.08.2017 11:09 Uhr

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Soldaten Teil des Anti-Terror-Kampfs

Bei den betroffenen Militärs handelt es sich um Soldaten, die im Rahmen der Anti-Terror-Operation "Sentinelle" in Levallois-Perret zur Bewachung eingesetzt werden.

"Sentinelle" (Wache oder Wachposten) wurde nach den islamistischen Anschlägen auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt im Januar 2015 in Paris ins Leben gerufen. Die rund 10.000 Soldaten bewachen unter anderem Synagogen, Flughäfen, Bahnhöfe und Touristenattraktionen wie Museen oder den Pariser Eiffelturm.

Dabei werden die Soldaten selbst immer wieder Ziel von Angriffen. Im März war ein Mann am Pariser Flughafen Orly bei einer Attacke auf patrouillierende Soldaten erschossen worden. Im April wurde ein Polizist auf den Pariser Champs-Élysées erschossen.

Mit Informationen von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2017 um 14:00 Uhr.

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