Ein Fußgänger geht an einem Plakat vorbei, das den Französischlehrer Samuel Paty zeigt - am Rathaus in Conflans-Sainte-Honorine  | AFP

Nach Mord an Lehrer in Frankreich Emittlungen gegen vier weitere Verdächtige

Stand: 26.11.2020 15:48 Uhr

Rund sechs Wochen nach dem brutalen Mord an dem französischen Lehrer Samuel Paty sind vier Schüler als Mittäter beschuldigt worden. Eine Schülerin soll die Tochter des Mannes sein, der im Netz gegen Paty gehetzt hatte.

Nach der Enthauptung des Lehrers Samuel Paty durch einen mutmaßlichen Islamisten vor rund sechs Wochen sind in Frankreich Ermittlungsverfahren gegen vier weitere Schüler eröffnet worden. Drei von ihnen werde Beihilfe zu einem Mord mit Terrorhintergrund vorgeworfen, hieß es aus Justizkreisen. Gegen die vierte Person werde wegen verleumderischer Denunziation ermittelt. Damit ermittelt die Justiz nun insgesamt gegen 14 Menschen - darunter auch Minderjährige.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP soll es sich bei der Person, gegen die wegen Verleumdung ermittelt wird, um die Tochter des Mannes handeln, der im Netz gegen Paty gehetzt hatte. Der Schülerin Patys werden "falsche Anschuldigungen" vorgeworfen, nachdem der Lehrer Mohammed-Karikaturen in einer Stunde zur Meinungsfreiheit gezeigt hatte, an der sie selbst aber gar nicht teilnahm. Ihr in Untersuchungshaft sitzender Vater hatte daraufhin mehrere Internet-Videos veröffentlicht, in denen er dem Pädagogen die "Diskriminierung" von Muslimen vorwarf. Zudem soll der Vater vor dem Mord im Kontakt mit dem Täter gestanden haben.

Den anderen drei Schülern werde vorgeworfen, den Lehrer Paty für den Attentäter identifiziert zu haben. Alle vier sollen unter Justizaufsicht gestellt worden sein.

Entsetzen in ganz Frankreich

Der Lehrer Paty war Mitte Oktober von einem 18 Jahre alten Angreifer nahe seiner Schule im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine ermordet worden. Das von Ermittlern als islamistisch motivierter Terrorakt eingestufte Verbrechen löste im ganzen Land Entsetzen aus. Paty hatte das Thema Meinungsfreiheit gelehrt und dabei Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt. Der 18-Jährige, der von der Polizei getötet wurde, hatte dies etwa in sozialen Netzwerken als Motiv für seine Tat angegeben. Präsident Emmanuel Macron verteidigte danach das Zeigen von Mohammed-Karikaturen, woraufhin es zu Protesten in muslimisch geprägten Ländern und Boykottaufrufen gegen Frankreich kam.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2020 um 13:00 Uhr.