Demonstranten, umgeben von Polizeikräften, marschieren in Paris während einer Demonstration gegen den COVID-19-Gesundheitspass. | EPA

Impfpflicht und Gesundheitspass Zehntausende Franzosen auf den Straßen

Stand: 07.08.2021 23:15 Uhr

Freiheitseinschränkungen werfen die Demonstranten der französischen Regierung vor. Konkret geht es um die Einführung eines Corona-Gesundheitspasses und die Impfpflicht im Gesundheitswesen. Zehntausende gingen landesweit auf die Straße.

Das vierte Wochenende in Folge haben in Frankreich Zehntausende Menschen gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung protestiert. Das französische Innenministerium gab die Zahl der landesweiten Teilnehmer mit 237.000 an, davon 17.000 allein in Paris. In der französischen Hauptstadt gab es gleich mehrere Protestmärsche. Nach Informationen des Radiosenders France Info nahmen im Süden in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur bis zu 37.000 Menschen an Protesten teil. In Nizza sollen es zwischen 10.000 und 20.000 Menschen gewesen sein. In Lyon setzte die Polizei dabei TV-Bildern zufolge Tränengas ein, um Aktivisten auseinanderzutreiben.

Am Donnerstag hatte Frankreichs Verfassungsrat die umstrittene Impfpflicht für das Personal im Gesundheitswesen sowie den so genannten Gesundheitspass gebilligt. Der Pass muss ab Montag beim Betreten von Cafés, Restaurants, Fernzügen und -bussen und von manchen Krankenhäusern vorgezeigt werden. Bisher galt er nur für kulturelle Veranstaltungen und Freizeitangebote, wie Kinos und Freizeitparks.

Demonstranten sehen Einschränkung persönlicher Freiheiten

Teilnehmer der Protestaktion sahen durch den Pass, der nur an Geimpfte, Genesene und kürzlich auf das Coronavirus Getestete ausgegeben wird, eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit. Manche wandten sich auch gegen die Corona-Impfpflicht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die ab dem 15. September gilt.

Die Demonstranten trugen Plakate mit der Aufschrift "Unsere Freiheiten sterben" und "Impfung: Fasst unsere Kinder nicht an". Muriel, eine 55 Jahre alte Pariserin, die ihren Nachnamen nicht nennen wollte, sagte der Nachrichtenagentur AP, sie protestiere vor allem gegen "die verkappte Zwangsimpfung". "Es ist ein unglaublicher Schlag gegen unsere Grundfreiheiten, also stimme ich nicht zu." Ghislain, der ebenfalls seinen Nachnamen nicht nannte, kündigte an, dass es ab Montag zu Streiks der Krankenhausangestellten und Feuerwehrleute kommen werde und dass die Impfgegner Restaurants boykottieren wollten.

Neun von zehn Corona-Patienten ungeimpft

Die meisten Franzosen unterstützen allerdings laut Umfragen den Gesundheitspass. Laut Daten der Regierung waren neun von zehn Corona-Patienten, die Ende Juli auf Intensivstationen kamen, nicht geimpft. Rund 54 Prozent der Französinnen und Franzosen haben inzwischen einen vollständigen Impfschutz gegen das Coronavirus. Mindestens sieben Millionen haben ihre erste Impfung erhalten, seit Präsident Emmanuel Macron die Einführung des Gesundheitspasses am 12. Juli ankündigte.

Derzeit registrieren die französischen Behörden mehr als 21.000 Neuinfektionen pro Tag. Seit Beginn der Pandemie sind in Frankreich mehr als 112.000 Menschen an der Infektion gestorben.

Immer mehr Länder führen Gesundheitspässe ein

Eine wachsende Zahl europäischer Länder hat mit der Einführung ähnlicher Zertifikate begonnen, wobei jedes Land leicht abweichende Vorschriften macht. In Italien kam es im vergangenen Monat zu Protesten gegen den so genannten Grünen Pass, der für das Betreten in Restaurants, Fitnessstudios, Kinos, Theatern und anderen Orten benötigt wird. Er gilt seit Freitag. In Dänemark gab es kaum Widerstand gegen die Einführung von Impfpässen. In Österreich wird der Pass ebenfalls gebraucht, um Restaurants, Theater, Hotels, Sporteinrichtungen und Friseurläden zu betreten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. August 2021 um 20:00 Uhr.